Versicherungsbetrug wandelt sich als Folge neuer Technologien
Immer häufiger stehen Fälle von Versicherungsbetrug im Zusammenhang mit organisierter Kriminalität. Künstliche Intelligenz senkt zudem die Eintrittsschwelle für Betrug und ermöglicht Fälschungen in grossem Umfang. Den Schaden in Millionenhöhe tragen die Versicherten. Auch die Suva kämpft dagegen an.
Versicherungsmissbrauch hat viele Formen: Einzelpersonen erschleichen Leistungen mit falschen Angaben oder vorgetäuschten Unfällen. Unternehmen umgehen Prämien durch Schwarzarbeit oder systematischen Konkursmissbrauch. Auch im Gesundheitswesen wird vereinzelt bewusst falsch abgerechnet. Zunehmend sind auch organisierte Netzwerke im Spiel, die gezielt Schadensfälle vortäuschen oder systematisch Sozialversicherungsprämien und weitere Abgaben hinterziehen. Dies führt zu Wettbewerbsverzerrungen zulasten ehrlicher Betriebe, die gesetzlichen Abgaben zahlen, während missbräuchlich handelnde Unternehmen diese umgehen und dadurch zu Dumpingpreisen offerieren. Auch Arbeitnehmende sind betroffen: Gesetzliche Lohn- und Arbeitsbedingungen sowie Vorgaben aus Gesamtarbeitsverträgen werden in solchen Fällen häufig missachtet.
Die Suva bekämpft Versicherungsmissbrauch konsequent und setzt sich für faire Leistungen, faire Prämien und einen starken Werkplatz und Gesundheitsmarkt Schweiz ein.
Missbrauchsbekämpfung 2025: Kennzahlen und Einsparungen
Versuchter Versicherungsbetrug? Auch bei der Suva gibt es immer wieder Fälle, die eine Prüfung notwendig machen. Im Geschäftsjahr 2025 prüfte die Suva bei 269 477 Fällen mit Taggeld- oder Rentenzahlungen 2067 Meldungen mit Verdacht auf Missbrauch (2024: 2562). 671 Fälle konnten nach bestätigtem Verdacht rechtskräftig abgeschlossen werden.
Durch die Betrugserkennung sparte die Suva 43,7 Millionen Franken ein (2024: 31,2 Mio. Franken). Davon entfielen 35,5 Millionen Franken auf verhinderte ungerechtfertigte Leistungsbezüge durch Verunfallte oder medizinische Leistungserbringer und 8,2 Millionen Franken auf zusätzlich erhobene Prämien bei versicherten Betrieben. Die durchschnittliche Einsparung pro Fall lag bei 52 906 Franken.
Seit Einführung der systematischen Missbrauchsbekämpfung im Jahr 2007 konnte die Suva insgesamt 347 Millionen Franken einsparen.
Betrugserkennung: Menschliche Expertise und neue Technologien im Zusammenspiel
Die Suva stellt fest, dass sich Betrugsversuche durch künstliche Intelligenz verändern. KI-generierte Fälschungen von Dokumenten oder Bildern lassen sich heute einfacher und in grösserem Umfang herstellen als früher. «Technologische Entwicklungen wie künstliche Intelligenz senken die Eintrittsschwelle für Betrug», sagt Roger Bolt, Leiter Bekämpfung Versicherungsmissbrauch bei der Suva. «Deshalb investieren wir gezielt in professionellere Erkennungs- und Bearbeitungsinstrumente. Entscheidend ist und bleibt dabei das Zusammenspiel von menschlicher Expertise und Technologie.»
Weiterhin prüfen Spezialistinnen und Spezialisten alle Verdachtshinweise – etwa Unstimmigkeiten in Akten oder Meldungen von Dritten. Zudem führt die Suva regelmässig Betriebsrevisionen durch und setzt bei begründetem Verdacht als letztes Mittel Versicherungsdetektive ein. Bei bestätigtem Verdacht werden die zu Unrecht bezahlten Leistungen zurückgefordert und das Einreichen einer Strafanzeige geprüft.
Suva-Missbrauchsfälle in Zahlen
Kennzahlen Missbrauchsbekämpfung 2025 2024 Anzahl Fälle mit ausbezahlten Taggeldern oder Rentenleistungen 269 477 263 601 Untersuchte Verdachtsfälle 2067 2562 Abgeschlossene Fälle mit bestätigtem Verdacht auf Missbrauch 671 934 Einsparungen durch Missbrauchsbekämpfung (in Mio. Fr.)
Verunfallte Personen und medizinische Leistungserbringer
Versicherte Betriebe
43,7
35,5
8,2
31,2
24,9
6,3
Durchschnittliche Einsparungen pro Fall (in Fr.) 52 906 26 600 Gesamte Einsparung seit Einführung der Missbrauchsbekämpfung im Jahr 2007 (in Mio. Fr.) 347 303 Anzahl Observationen
Quelle: Suva
Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf m-q.ch - https://www.m-q.ch/de/versicherungsbetrug-wandelt-sich-als-folge-neuer-technologien/
