Menschen bleiben wichtiger als Maschinen

Eine Umfrage unter 550 Interim Managern der Plattform United Interim zeigt: Künstliche Intelligenz ist unverzichtbar für Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit – doch über Erfolg oder Misserfolg von Unternehmen entscheiden letztlich menschliche Fähigkeiten. Der Wirtschaftsreport 2026 liefert klare Empfehlungen zu Führung, Talentmanagement und dem Umgang mit dem Fachkräftemangel.

Weiterbildung ist die wirksamste Massnahme gegen Fachkräftemangel. Quelle: zvg

Im Zeitalter Künstlicher Intelligenz und zunehmender Automatisierung stellt sich für Unternehmen eine zentrale Frage: Wer entscheidet am Ende – der Mensch oder die Maschine? Der Wirtschaftsreport 2026 der Management-Community United Interim, basierend auf einer Umfrage unter über 550 Interim Managern, gibt eine klare Antwort: der Mensch. «Der Einsatz von KI-Systemen und Robotern ist unerlässlich für Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit, aber am Ende entscheiden menschliche Fähigkeiten über den Erfolg oder Misserfolg von Unternehmen», fasst Studienleiter Dr. Harald Schönfeld das zentrale Ergebnis der Studie zusammen.

HR wird zum strategischen Schlüsselfaktor

Eine der markantesten Erkenntnisse des Reports betrifft das Personalwesen: KI mindere nicht den Wert von Human Resources im Unternehmen, sondern mache das Personalwesen umso wichtiger, erklärt der auf HR spezialisierte Interim Manager Paul Stricker. Mehr als drei Viertel der Befragten (78 Prozent) gehen davon aus, dass Unternehmen HR künftig stärker in die Geschäftsstrategie einbeziehen werden. 85 Prozent sehen einen steigenden Einfluss der HR-Strategie auf den Unternehmenserfolg insgesamt. «Firmenkultur ist längst kein weicher Faktor mehr, sondern ein zentraler Steuerungshebel für wirtschaftlichen Erfolg», sagt Ulrich Schmidt. Und Roland Streibich ergänzt: «Unternehmenskultur entscheidet heute messbar über Produktivität, Bindung und Veränderungsfähigkeit von Organisationen.»

88 Prozent der befragten Interim Manager sind überzeugt, dass HR künftig digitaler und dynamischer wird. 82 Prozent betonen die wachsende Bedeutung von Agilität und Resilienz. 49 Prozent erwarten, dass «Employer Experience» – also die Gesamtheit aller Erfahrungen, die Mitarbeitende während ihres Arbeitsverhältnisses machen – deutlich an Bedeutung gewinnen wird. KI sehen 47 Prozent dabei als Ergänzung zur Produktivitätssteigerung und im Rahmen von Qualifizierungsmassnahmen, nicht als Ersatz für menschliche Arbeit.

Talentmanagement als geschäftskritischer Faktor

Angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels misst der Report dem Talentmanagement eine herausragende Bedeutung bei: 44 Prozent der Befragten halten es für «sehr wichtig», weitere 41 Prozent für «wichtig». «Bei 85 Prozent Zustimmung ist klar: Talentmanagement ist kein blosses HR-Thema mehr, sondern ein geschäftskritischer Faktor zur Sicherung von Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit», sagt Dr. Sven Mues.

Als wirksamste Massnahme gegen den Fachkräftemangel nennen 81 Prozent der Befragten die Qualifizierung «on the job». «Der wirksamste Hebel gegen Fachkräftemangel liegt im eigenen Unternehmen, nicht auf dem externen Arbeitsmarkt», hat Eckhart Hilgenstock bei zahlreichen Einsätzen als Interim Manager festgestellt. Gezielte Weiterbildung – sogenanntes Upskilling – soll Mitarbeitende an neue technologische und berufliche Anforderungen heranführen und ihre Beschäftigungsfähigkeit langfristig sichern.

An zweiter Stelle steht der Wissenstransfer von älteren Arbeitnehmenden, die bald in Rente gehen, an Jüngere. «Es gilt, das Know-how der Babyboomer über deren Ausscheiden hinaus im Unternehmen zu halten», erläutert Ulf Camehn. Ergänzend dazu berichten 38 Prozent von guten Erfahrungen mit «Reverse Mentoring», bei dem Jüngere Ältere im Umgang mit neuen Technologien wie KI schulen. «Wissenstransfer ist längst keine Einbahnstrasse mehr», erklärt Klaus-Peter Stöppler.

57 Prozent der befragten Führungskräfte auf Zeit sprechen sich für längere Lebensarbeitszeiten aus. Christian Jung betont: «Wer freiwillig über die Altersgrenze hinaus arbeiten will, darf nicht daran gehindert werden, sondern braucht flexible Modelle und echte Anreize. Das hilft den Betrieben, dem Rentensystem und den Menschen selbst.» Roland Streibich ergänzt: «Wenn die Zahl der Erwerbstätigen um fast ein Viertel sinkt, wird Altersflexibilität vom sozialen Entgegenkommen zur ökonomischen Notwendigkeit, für die Unternehmen ebenso wie für die Volkswirtschaft.»

70 Prozent der Interim Manager erleben bei ihren Einsätzen, dass die Potenziale von Frauen nicht vollumfänglich genutzt werden. «Das ist kein Randphänomen, sondern ein strukturelles Problem, das sich Unternehmen schlicht nicht mehr leisten sollten», sagt Jane Enny van Lambalgen. Für die Gewinnung jüngerer Talente raten 45 Prozent zur gezielten Ansprache der Generationen X, Y und Z über soziale Netzwerke. Die besten Chancen, die junge Generation zu erreichen, bieten laut Umfrage Instagram (42 Prozent), TikTok (38 Prozent) und WhatsApp (33 Prozent). «Die junge Generation ist im Schnitt mehr als drei Stunden täglich auf dem Smartphone aktiv, und über 90 Prozent nutzen soziale Netzwerke regelmässig», ordnet Christian Florschütz ein.

KI und Robotik als Ergänzung – nicht als Ersatz

Fast zwei Drittel der Befragten (65 Prozent) sehen im verstärkten Einsatz von KI und Robotik für Routinetätigkeiten ein wirksames Mittel gegen den Fachkräftemangel. «Die Herausforderung wird darin bestehen, Menschen und Maschinen bestmöglich zu kombinieren, und sie nicht gegeneinander antreten zu lassen», erklärt Klaus-Peter Stöppler. 85 Prozent empfehlen, die KI-Nutzung zu intensivieren; für 46 Prozent ist dies ein besonders dringendes Anliegen. 58 Prozent raten zudem zur verstärkten Vermittlung von KI-Kompetenzen.

Bemerkenswert ist die klare Skepsis gegenüber dem Homeoffice: Weit über die Hälfte (54 Prozent) der erfahrenen Führungskräfte spricht sich ausdrücklich gegen eine weitere Verbreitung der Bildschirmarbeit zu Hause aus. «Unternehmenskultur, Erfahrungsaustausch und Inspiration bleiben in der Regel auf der Strecke, wenn man nicht regelmässig in der realen Welt zusammenkommt», sagt HR-Experte Paul Stricker.

Führungsstile im Wandel

Wie führt man Menschen in einer Zeit radikaler Umbrüche? Am wichtigsten ist laut 65 Prozent der Befragten eine «empathische Führung». «In einer von hochdynamischen Entwicklungen geprägten Realität wird Führung zum Balanceakt aus Technologie und Menschlichkeit», sagt Dr. Andreas Vieweg. «Ohne Vertrauen und Verständnis scheitert selbst die modernste Organisation.»

57 Prozent empfehlen eine transformative Führung, die auf Motivation und Veränderungsbereitschaft der Mitarbeitenden abzielt. 51 Prozent raten zu einem situativen Führungsstil, 39 Prozent zu Agile Leadership. 29 Prozent setzen auf Servant Leadership. «Moderne Führung ist hybrid. Durch die Kombination unterschiedlicher Ansätze entsteht ein flexibles Führungsmodell, das Stabilität und Wandel gleichzeitig ermöglicht», fasst Dr. Sven Mues zusammen.

Angesichts weltweiter Instabilitäten verweisen 22 Prozent auf das VUCA-Modell (Volatility, Uncertainty, Complexity, Ambiguity), 12 Prozent auf Management by BANI und ebenso viele auf PUMA (Purpose, Understanding, Mastery, Agility). Dr. Harald Schönfeld ordnet ein: «Von VUCA über BANI bis hin zu PUMA zeigt sich eine klare Entwicklung: Während VUCA die äusseren Rahmenbedingungen beschreibt, BANI deren zunehmende Fragilität und emotionale Dimension sichtbar macht, formuliert PUMA die notwendige Antwort – eine Führung, die Sinn stiftet, Orientierung gibt, Kompetenz aufbaut und konsequent anpassungsfähig bleibt.»

KI als Co-Pilot im Management

92 Prozent der Befragten halten sogenanntes AI-added Management für ein zukunftsträchtiges Konzept – die Ergänzung von Führungsentscheidungen durch KI, die Daten analysiert, Prognosen liefert und Prozesse optimiert. «KI als Co-Pilot wird künftig zur Selbstverständlichkeit werden», ist Eckhart Hilgenstock überzeugt. Klaus-Peter Stöppler rät: «Aufsichtsräte und Beiräte sind heute schon gut beraten, die Entscheidungen von Vorständen und Geschäftsführern einem KI-Check zu unterziehen.» Ulf Camehn ergänzt: «KI ist nicht dazu da, Mitarbeiter abzubauen oder Führung zu ersetzen. Ihren Mehrwert entfaltet sie, wenn sie Managemententscheidungen mit besseren Daten, belastbareren Prognosen und einer früheren Erkennung von Risiken und Chancen unterstützt.»

76 Prozent der befragten Interim Manager halten Fractional Management – den Einsatz erfahrener Führungskräfte in Teilzeit oder auf Mandatsbasis – für besonders empfehlenswert. 64 Prozent zeigen sich Instant Management gegenüber aufgeschlossen, also dem kurzfristigen Einsatz erfahrener Führungskräfte zur raschen Lösung akuter Unternehmensprobleme. «Interim Manager zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass sie vom ersten Tag messbare Erfolge liefern – und das dann Tag für Tag», sagt Ulvi Aydin.

Weitere Informationen: www.unitedinterim.com

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