Swissmechanic-Wirtschaftsbarometer: Konjunktur hellt sich auf – Fachkräftemangel bleibt

Die Schweizer MEM-KMU senden erste positive Konjunktursignale: Der Geschäftsklimaindex erreicht den besten Wert seit Frühjahr 2024, die Kapazitätsauslastung liegt wieder auf dem langjährigen Durchschnitt. Gleichzeitig rückt der Fachkräftemangel zurück in den Fokus – und die Berufsbildung gewinnt als strategisches Instrument an Bedeutung.

Geschäftsklima der MEM-KMU erreicht besten Wert seit 2024. Quelle: zvg

Die wirtschaftliche Lage der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metall-KMU (MEM-KMU) hat sich im zweiten Quartal 2026 leicht verbessert. Der Swissmechanic-Geschäftsklimaindex steigt auf rund minus 20 Punkte und erreicht damit den besten Wert seit Frühjahr 2024. Auch die Exporte wachsen bereits das vierte Quartal in Folge, die Kapazitätsauslastung liegt erstmals seit Ende 2023 wieder auf dem langjährigen Durchschnitt von 85 Prozent, und der Kurzarbeitseinsatz ist mit nur noch 9 Prozent auf einen Tiefstand gesunken. Dennoch beurteilen weiterhin rund zwei Drittel der Unternehmen ihre Geschäftslage als eher oder sehr ungünstig.

Erholung bei Auftragseingängen und Umsätzen

Im Rückblick auf das zweite Quartal 2026 zeichnete sich eine spürbare Erholung bei den Auftragseingängen ab: Rund 38 Prozent der Betriebe meldeten gegenüber dem Vorjahr steigende Auftragseingänge – ein deutlich höherer Wert als in den Vorquartalen. Auch bei den Umsätzen verzeichnete mehr als ein Drittel der Unternehmen eine Zunahme. Ein derart hoher Anteil wurde zuletzt im ersten Quartal 2023 gemessen. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) überschreitet seit März 2026 die Expansionsschwelle und lag im Juli mit 53 Punkten weiterhin darüber – nach über drei Jahren im kontraktiven Bereich ein bedeutsames Signal für eine mögliche Trendwende.

Die EBIT-Margen blieben allerdings bei einem bedeutenden Teil der Betriebe unter Druck: Rund vier von zehn Unternehmen verzeichneten im zweiten Quartal 2026 eine rückläufige Marge im Vergleich zum Vorjahresquartal, während gut jeder fünfte Betrieb eine Verbesserung erzielen konnte.

«Unsere Unternehmen beweisen einmal mehr ihre Widerstandskraft», sagt Nicola Tettamanti, Präsident Swissmechanic. «Die ersten positiven Signale sind erfreulich. Für eine nachhaltige Trendwende braucht es jedoch stabile wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen und verlässliche Perspektiven für unsere KMU.»

MEM-Kapazitätsauslastung zurück auf langjährigem Durchschnitt. Quelle: zvg

Fachkräftemangel kehrt zurück – Auftragslage bleibt grösste Sorge

Die Auftragslage bleibt mit 52 Prozent die grösste Herausforderung der Betriebe, hat jedoch gegenüber dem Vorquartal spürbar an Bedeutung verloren (–8 Prozentpunkte). Auffällig ist die Rückkehr des Fachkräftemangels: Mit 30 Prozent – einem Anstieg um 8 Prozentpunkte gegenüber April 2026 – liegt er nun nahezu gleichauf mit dem Wechselkurs (31 Prozent). Auch Lieferketten-Probleme haben zugenommen, während die Energiepreise nach dem sprunghaften Anstieg im Vorquartal wieder deutlich an Bedeutung verloren haben.

Erich Sannemann, Direktor Swissmechanic, bringt es auf den Punkt: «Der Fachkräftemangel beginnt nicht erst bei offenen Stellen. Er beginnt dort, wo Lehrstellen nicht mehr mit den passenden jungen Menschen besetzt werden können. Wer heute in die Berufsbildung investiert, sichert die Fachkräfte von morgen.»

Auftragsmangel Hauptproblem für Schweizer MEM-KMU. Quelle: zvg

Berufsbildung als strategisches Instrument der Fachkräftesicherung

Erstmals widmet sich der Wirtschaftsbarometer dem Thema Berufsbildung in den MEM-KMU. Das Ergebnis ist eindeutig: Rund zwei Drittel der befragten Betriebe bilden Lernende aus. Für 37 Prozent dieser Unternehmen sind Lernende ein zentraler Pfeiler der Personalstrategie, für weitere 27 Prozent ein relevanter, aber nicht zentraler Bestandteil. Die Motivation ist klar von der Fachkräftesicherung getrieben: 88 Prozent der ausbildenden Betriebe nennen dies als Hauptgrund, gefolgt von gesellschaftlicher Verantwortung (60 Prozent) und Tradition (24 Prozent).

Die Bindungsquote fällt beachtlich aus: Bei mehr als einem Drittel der Betriebe bleibt über die Hälfte der Lernenden nach Abschluss im Unternehmen, bei rund 28 Prozent sogar fast alle. Gleichzeitig gibt gut jedes fünfte Unternehmen an, dass weniger als die Hälfte des ausgebildeten Nachwuchses im Betrieb verbleibt.

Rekrutierung geeigneter Lernender wird schwieriger

Die Kehrseite zeigt sich bei der Rekrutierung: Rund 73 Prozent der Unternehmen beurteilen die Suche nach geeigneten Lernenden als eher oder sehr schwierig. Als grösste Hürden nennen die Betriebe ungenügende schulische Leistungen der Bewerberinnen und Bewerber (knapp 50 Prozent) sowie zu wenige Bewerbungen insgesamt (40 Prozent). In offenen Rückmeldungen wird zudem wiederholt auf die Konkurrenz durch den gymnasialen Bildungsweg hingewiesen: Zu viele geeignete Jugendliche entschieden sich für Kanti oder Studium. Mehrere Betriebe bemängeln ausserdem, dass Lernende nach Abschluss rasch an höhere Fachschulen wechseln – womit den Ausbildungsbetrieben zwar Kosten entstehen, die ausgebildeten Fachkräfte der Branche jedoch nicht erhalten bleiben.

Für die Mehrheit der Betriebe ist die Ausbildung ein wichtiger, aber nicht allein ausreichender Baustein zur Deckung des Fachkräftebedarfs: 70 Prozent stufen den Beitrag als teilweise ein, während knapp 17 Prozent hauptsächlich auf externe Rekrutierung angewiesen sind. Ein Drittel der Unternehmen rechnet künftig mit einem steigenden Bedarf an Fachkräften aus den eigenen Lehrlingsreihen.

Ausblick: Stabilität überwiegt, Risiken bleiben

Für das dritte Quartal 2026 rechnet die Mehrheit der Betriebe mit einer weitgehend unveränderten Entwicklung bei Aufträgen, Umsätzen und Margen. Rund drei von zehn Unternehmen erwarten bei Auftragseingängen und Umsätzen Rückgänge, während gut jedes fünfte eine Zunahme erwartet. Auf der Personalseite plant eine grosse Mehrheit, die Beschäftigtenzahl konstant zu halten. Das makroökonomische Umfeld bleibt anspruchsvoll: Der Irankrieg belastet die globale Energieproduktion und dämpft das Wirtschaftswachstum. BAK Economics prognostiziert für das sportbereinigte Schweizer BIP 2026 ein Wachstum von 0,8 Prozent; für 2027 wird eine Erholung auf 1,4 Prozent erwartet.

Quelle: www.swissmechanic.ch

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