Swiss Staffingindex: Temporärmarkt dreht nach drei Jahren ins Plus
Der Schweizer Temporärmarkt zeigt nach zwölf Quartalen im Minus erstmals wieder ein Wachstum. Im ersten Quartal 2026 stiegen die Einsatzstunden um 1,3 Prozent – trotz geopolitischer Spannungen. Das Feststellengeschäft bleibt hingegen stark unter Druck.

Die Schweizer Personaldienstleister stoppen im ersten Quartal 2026 einen mehrjährigen Abwärtstrend: Nach zwölf Quartalen mit negativem Vorzeichen stiegen die geleisteten Einsatzstunden der Temporärarbeitenden um 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Feststellengeschäft hingegen leidet weiter unter Konjunkturabkühlung und wirtschaftlicher Unsicherheit – mit einem Rückgang von 16,9 Prozent fällt das Marktsegment nun im elften Quartal in Folge. Der Swiss Staffingindex spiegelt damit als Fieberthermometer der Schweizer Wirtschaft die insgesamt positive, aber fragile Entwicklung von Arbeitsmarkt und Konjunktur wider.
Selektive Erholung mit grossen regionalen Unterschieden
Das erste Quartal war im Temporärmarkt von einer Stabilisierung auf tiefem Niveau geprägt. Dabei zeigten sich ausgeprägte regionale Unterschiede: In der Ostschweiz mussten vermehrt Industriebetriebe für ihre Stammbelegschaft Kurzarbeit anmelden, was den Bedarf an Temporärpersonal in der Region um 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal sinken liess. Das Mittelland hingegen legte mit einem Plus von 5,5 Prozent zu – ein Wachstum, zu dem die Uhrenindustrie einen wichtigen Beitrag leistete.
Marcel Keller, Country President Adecco Group Switzerland, kommentiert: «Die leichte Erholung im ersten Quartal ist kein breit abgestützter Aufschwung, sondern eine selektive Gegenbewegung in einzelnen Industrieclustern – insbesondere im Mittelland. Nach mehreren schwachen Quartalen reagieren Unternehmen dort vorsichtig wieder mit temporären Einstellungen, bleiben aber insgesamt sehr zurückhaltend.»
Iran-Konflikt: Im März noch ohne Geschäftsauswirkungen
Die Auswirkungen des Iran-Konflikts waren im März 2026 noch nicht spürbar. Die Einsatzstunden wuchsen um 1,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – schwächer als im Januar, aber stärker als im Februar. Dr. Marius Osterfeld, Ökonom bei Swissstaffing, ordnet ein: «Im historischen Vergleich waren die Energiepreisanstiege im März trotz der spürbaren Folgen an den Zapfsäulen moderat. Deshalb wirkte sich der Iran-Konflikt kaum auf das Geschäft der Personaldienstleister aus.»
Dieser Umstand ist bedeutsam, da der März saisonbedingt rund 20 Prozent mehr Einsatzstunden aufweist als der Januar. Negative Auswirkungen hätten das Quartalsergebnis entsprechend stärker belastet.
Für die kommenden Monate gibt Osterfeld jedoch keine Entwarnung: «Löst sich der Konflikt an der Strasse von Hormus nicht auf, wird dies die Schweizer Industrie besonders hart treffen – und damit auch den Personalverleih.» Rund ein Viertel des Umsatzes der Personaldienstleister entfällt auf den Industriesektor, womit die Temporärbranche stark auf dessen Geschäftsentwicklung reagiert.
Geopolitische Unsicherheit stärkt einzelne Segmente
Der Iran-Konflikt könnte jedoch auch einzelne Marktsegmente stärken: Die Unsicherheit rund um Kerosinpreise und Flugstreichungen dürfte laut Osterfeld Unentschlossene vermehrt veranlassen, in der Schweiz Ferien zu machen oder statt in Ferienbuchungen in Konsumgüter zu investieren. Das stärkt die Nachfrage in Gastronomie, Hotellerie, Logistik und Detailhandel. Der Gesamteffekt bliebe dennoch negativ, da ein Teil des eingesparten Geldes für gestiegene Preise aufgewendet werden müsste.
Trotz der angespannten geopolitischen Lage zeigen sich die CEOs der Mitgliedsfirmen von Swissstaffing optimistisch: Gemäss einer Umfrage des Meinungs- und Sozialforschungsinstituts Gfs-Zürich rechnen 38 Prozent der befragten CEOs in den kommenden sechs Monaten mit einem Anstieg des Geschäfts – ein Wert vergleichbar mit der Befragung im Vorquartal.
Quelle: Swissstaffing.



