AXA-Studie: Personalausfälle werden für KMU zum Kostenfaktor

Vier von zehn Schweizer KMU verzeichnen steigende Kosten durch Personalausfälle. Die aktuelle KMU-Arbeitsmarktstudie der AXA zeigt, dass psychisch bedingte Fehlzeiten zunehmen – und dass die Führungskultur dabei eine entscheidende Rolle spielt.

Krankheitsbedingte Ausfälle werden in KMU immer mehr zu einer finanziellen Belastung. (Bild: Depositphotos.com)

Die Belastung durch Personalausfälle hat sich in der Schweizer KMU-Landschaft verschärft. Laut der aktuellen KMU-Arbeitsmarktstudie der AXA, die vom Forschungsinstitut Sotomo im März 2026 durchgeführt wurde, berichten 42 Prozent der befragten Unternehmen von gestiegenen Kosten durch Fehlzeiten in den letzten fünf Jahren. Bei grossen KMU mit 50 bis 250 Mitarbeitenden sind es sogar 62 Prozent. Gleichzeitig nehmen psychisch bedingte Ausfälle zu – und gezielte Gegenmassnahmen stagnieren.

Psychische Gesundheit rückt ins Zentrum

Gut ein Drittel der befragten KMU gibt an, mittelmässig oder stark von Ausfällen betroffen zu sein, die auf die mentale Verfassung der Mitarbeitenden zurückzuführen sind. Gegenüber 2023 entspricht dies einem Anstieg von zehn Prozentpunkten. «Personalausfälle sind längst nicht mehr nur ein HR-Thema. Für viele KMU entwickeln sie sich zu einem betriebswirtschaftlichen Risiko. Gerade in Zeiten des Arbeitskräftemangels können bereits wenige längere Ausfälle Projekte verzögern, Teams zusätzlich belasten und die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens beeinträchtigen – insbesondere bei KMU, die über weniger personelle Reserven verfügen, um Ausfälle aufzufangen», sagt Laetitia Amey, CEO von WeCare, dem Angebot für betriebliches Gesundheitsmanagement der AXA.

Eigenverantwortung reduziert psychisch bedingte Fehlzeiten in KMU. Quelle: zvg
Eigenverantwortung reduziert psychisch bedingte Fehlzeiten in KMU. Quelle: zvg

Die Ursachen für psychische Belastungen sind vielfältig. 46 Prozent der befragten KMU nennen private Belastungen als häufigsten Faktor. Gut ein Drittel (36 %) identifiziert eine zu hohe Arbeitsbelastung als zentralen Auslöser. Konflikte im Team oder mit Vorgesetzten sowie mangelnde Wertschätzung folgen auf den weiteren Plätzen.

Eigenverantwortung als psychologischer Puffer

Die Studie zeigt einen bemerkenswerten Zusammenhang zwischen Führungskultur und Fehlzeiten: Unternehmen, die Freiheit und Eigenverantwortung als wichtiges Führungsprinzip nennen, berichten seltener von psychisch bedingten Ausfällen. Während bei Betrieben mit diesem Führungsverständnis 27 Prozent von entsprechenden Ausfällen betroffen sind, liegt der Anteil bei Unternehmen ohne dieses Leitprinzip bei 43 Prozent.

Interessant ist dabei, dass Betriebe mit eigenverantwortlicher Führungskultur die hohe Arbeitsbelastung häufiger als Hauptursache für psychische Belastungen nennen (41 %) als Unternehmen ohne dieses Leitprinzip (32 %). Im Gegenzug berichten letztere öfter von mangelnder Wertschätzung als zentralem Faktor (27 % vs. 16 %). Eigenverantwortung verschiebt das Belastungsprofil also tendenziell von sozialen Faktoren hin zu einer höheren subjektiven Arbeitslast, die aufgrund der Autonomie möglicherweise besser bewältigt werden kann.

«Das deckt sich mit unseren Erfahrungen aus der Praxis. Führung beeinflusst nicht nur Motivation und Zusammenarbeit, sondern auch den Umgang mit Belastungen. Wo Mitarbeitende Verantwortung übernehmen können, Vertrauen erfahren und Unterstützung erhalten, entstehen häufig resilientere Teams. Das macht gute Führung zu einem wichtigen Erfolgsfaktor – auch aus wirtschaftlicher Sicht», sagt Laetitia Amey.

Trotz des klaren Befunds setzt die Mehrheit der Schweizer KMU (50 %) auf Freiheit und Eigenverantwortung als zentrales Führungsprinzip. Gleichzeitig liegt die Entscheidungsmacht in vier von fünf Betrieben weiterhin bei einer Führungsperson oder einem Leitungsteam. Eigenverantwortung meint in der Praxis also vor allem Gestaltungsfreiheit im Arbeitsalltag, nicht strategische Mitbestimmung.

Jedes vierte KMU ergreift keine Gegenmassnahmen mehr. Quelle: zvg

Bewusstsein vorhanden, Handeln fehlt

Zwei Drittel der befragten KMU (66 %) sind der Ansicht, dass Führungskräfte eine entscheidende Rolle für das mentale Wohlbefinden der Mitarbeitenden spielen. Nur ein Viertel der Betriebe würde dem widersprechen. Dennoch klafft zwischen erkannter Relevanz und konkretem Handeln eine deutliche Lücke.

Die aktive Umsetzung von Präventionsmassnahmen hat seit 2023 nicht zugenommen – im Gegenteil: Der Anteil der KMU, die psychischen Belastungen durch eine offene Kommunikations- und Feedbackkultur entgegenwirken wollen, ist von 35 Prozent (2023) auf 28 Prozent (2026) gesunken. Die Förderung der physischen Gesundheit sowie die Schulung von Vorgesetzten stagnieren auf sehr tiefem Niveau (14 % bzw. 11 %). Jedes vierte KMU (25 %) berichtet zudem, keinerlei spezifische Massnahmen gegen psychisch bedingte Fehlzeiten zu ergreifen.

«Im hektischen Alltag fehlt oft die Zeit, aus Erkenntnissen konkrete Massnahmen abzuleiten. Dabei braucht es keine grossen Programme: Sensibilisierte Führungskräfte, regelmässige Gespräche und eine Kultur des Vertrauens machen oft bereits den entscheidenden Unterschied – und sind eine Investition in die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens», ordnet Laetitia Amey die Ergebnisse ein.

Die Daten der Studie legen nahe, dass die künftige Stabilität von KMU auch davon beeinflusst wird, wie effektiv Führungskräfte Belastungen frühzeitig erkennen und ein Arbeitsklima schaffen, das von der Belegschaft als sozial und anerkennend empfunden wird. Eine enge Verknüpfung von Führungskultur und betrieblichem Gesundheitsmanagement könnte dabei ein wesentlicher Ansatzpunkt sein.

Quelle: www.axa.ch

(Visited 184 times, 1 visits today)

Weitere Beiträge zum Thema