Swiss Managers Survey 2026: Geopolitische Unsicherheit bremst Investitionen und Stellenschaffung

Die Swiss Managers Survey 2026 zeigt: Geopolitische Unsicherheit ist in der Schweizer Wirtschaft zur neuen Normalität geworden. Über die Hälfte der befragten Unternehmen hat Investitionen zurückgestellt, fast jede dritte Firma hat keine neuen Stellen geschaffen. Der Glaube an eine baldige Verbesserung ist weitgehend verschwunden.

Geopolitische Verwerfungen bremsen Schweizer Unternehmen – Europa bleibt wichtiger Anker der Schweiz. (Quelle: Unsplash.com)

Die Ausgabe 2026 der Swiss Managers Survey, durchgeführt von der ZHAW School of Management and Law gemeinsam mit der Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana (Supsi) und der Haute Ecole Arc, zeichnet ein nüchternes Bild: Geopolitische Verwerfungen sind mitten in der Schweizer Wirtschaft angekommen. Nur noch 1 von 10 Unternehmen gibt an, davon nicht betroffen zu sein. Gerade die Industrie ist stark exponiert – jede dritte Firma meldet, dass ihr Geschäft erheblich beeinträchtigt sei.

Die Befragung fand vom 18. Mai bis 5. Juni 2026 statt und umfasst 332 Antworten von Führungskräften aus Unternehmen aller Sprachregionen, Branchen und Unternehmensklassen – 67 Prozent davon aus dem oberen Management oder aus Verwaltungsräten.

Geopolitische Unsicherheit als neue Normalität

Während geopolitische Risiken in der Vergangenheit als vorübergehende Ereignisse eingestuft wurden, hat sich diese Einschätzung grundlegend gewandelt: Weniger als 10 Prozent der Firmen glauben noch an eine baldige Verbesserung der Lage. Und obwohl Zölle in der öffentlichen Diskussion das dominante Thema waren – darunter die überraschend hohen 39 Prozent Importzoll, die die USA der Schweiz am 1. August 2025 auferlegten –, beschäftigen Unternehmensführungen ganz andere Sorgen. An erster Stelle stehen Unsicherheiten in den Lieferketten, die 30 Prozent der Befragten als grösstes geopolitisches Risiko nennen. Wechselkurs- und Finanzmarktvolatilität (17 Prozent) sowie Cybersicherheit und Abhängigkeiten von digitaler Infrastruktur (14 Prozent) rangieren noch vor Handelsschranken und Zöllen (13 Prozent).

«Während in der öffentlichen Diskussion die Zölle im Vordergrund standen, haben vor allem die Lieferketten den Managern Kopfzerbrechen bereitet. Die Anstrengungen, weniger von einzelnen Lieferanten abhängig zu sein, generieren vor allem Kosten ohne Effizienzgewinne», sagt Dr. Benedikt Zoller-Rydzek vom International Management Institute der ZHAW School of Management and Law.

Investitionsstopp und eingefrorene Stellenpläne

Die Kostenbremse, die viele Firmen ziehen, wirkt sich spürbar auf Arbeitsmarkt und Investitionen aus. Rund 28 Prozent der Unternehmen geben an, aufgrund geopolitischer Risiken keine neuen Stellen geschaffen zu haben, weitere 18 Prozent ziehen solche Schritte in Betracht. Damit ist die geopolitische Unsicherheit direkt in den Schweizer Haushalten angekommen.

Noch deutlicher fällt die Zurückhaltung bei Investitionen aus: 52 Prozent der Firmen haben Investitionen bereits zurückgestellt oder erwägen dies. Demgegenüber haben verhältnismässig wenige Unternehmen aktiv nach neuen Absatzmärkten gesucht (15 Prozent) – ein Bild von Erstarrung statt strategischer Offensive.

«Geopolitische Unsicherheit ist zur neuen Normalität der Firmen geworden. Sie haben akzeptiert, dass es sich dabei nicht um ein kurzzeitiges Gewitter, sondern um eine langfristige Wetterlage handelt. Die Unsicherheit wirkt wie ein Bremsklotz. Führungskräfte überlegen sich lieber zweimal, ob eine Anschaffung getätigt oder ein neuer Mitarbeiter eingestellt werden soll», erklärt Prof. Dr. Florian Keller, Head Center for Geopolitics and Competitiveness an der ZHAW School of Management and Law.

Geographische Neuausrichtung: USA verlieren, Indien gewinnt

Auch die geographische Ausrichtung der Geschäftstätigkeit verschiebt sich. Der Trend aus dem Vorjahr setzt sich fort: 68 Prozent der Befragten beurteilen die USA als Geschäftsregion negativer als früher, davon berichten 38 Prozent von einer deutlichen Verschlechterung. Europa wird als wichtiger Anker bestätigt, das China-Geschäft bleibt stabil. Als grösster Aufsteiger gilt Indien: Über 38 Prozent der Führungskräfte berichten von einer positiveren Einstellung gegenüber der aufstrebenden Wirtschaftsmacht, mit der die Schweiz seit Oktober 2025 von einem Freihandelsabkommen profitiert.

«Die Abkühlung am Stellenmarkt wird meist der KI zugeschrieben – übersehen wird, dass auch die geopolitische Unsicherheit direkt auf Beschäftigung und Investitionen durchschlägt», betont Dr. Siyana Gurova vom International Management Institute der ZHAW School of Management and Law.

Leichte Erholung des Geschäftsklimaindex

Nach mehreren Jahren des konstanten Rückgangs zeigt der SMS-Geschäftsklimaindex 2026 leichte Anzeichen einer Erholung. Verbesserte Erwartungen für die kommenden Monate haben zu dieser Entwicklung beigetragen. Das Klima liegt jedoch nach wie vor deutlich unter dem Spitzenjahr 2022.

Die Swiss Managers Survey wird jährlich vom ZHAW Institute for International Management in Zusammenarbeit mit Supsi und der Haute Ecole Arc durchgeführt. Netzwerkpartner sind die Zürcher Handelskammer, die Waadtländische Industrie- und Handelskammer (CVCI), die Handelskammer und Arbeitgebervereinigung Winterthur (HAW) sowie die Handelskammer Schweiz – Mitteleuropa (SEC).

Quelle: ZHAW School of Management and Law

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