Wie Peripheriegeräte zum Einfallstor für kritische Systeme werden

Eine umfassende Analyse des Nationalen Testinstituts für Cybersicherheit NTC zeigt: Peripheriegeräte am digitalen Arbeitsplatz stellen eine oft unterschätzte Angriffsfläche dar. Getestet wurden rund 30 in der Schweiz weit verbreitete Geräte etablierter Hersteller – mit alarmierenden Ergebnissen.

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Das NTC hat im Laufe eines Jahres rund 30 kabelgebundene und drahtlose Geräte einer umfassenden technischen Sicherheitsanalyse unterzogen. (Quelle: Nationales Testinstitut für Cybersicherheit NTC / © Stefanie Maurer)

Eine vertrauliche Videokonferenz bei einem Betreiber einer kritischen Infrastruktur ist gut gegen Hackerangriffe geschützt – Netzwerk, Server und Laptop sind auf dem neuesten Sicherheitsstand, die Verbindung ist Ende-zu-Ende verschlüsselt. Ein Angriff ist dennoch möglich: Mit einer Antenne auf dem nahegelegenen Parkplatz fängt ein Angreifer den unzureichend abgesicherten Funkverkehr des drahtlosen Tischmikrofons ab. Innerhalb weniger Sekunden kann er das vertrauliche Gespräch mithören. Dieses Szenario ist nicht fiktiv – es zeigt, wie bestehende Schutzmassnahmen über ein unsicheres Peripheriegerät umgangen werden können.

Das Nationale Testinstitut für Cybersicherheit NTC hat in einer umfassenden technischen Analyse rund 30 in der Schweiz weit verbreitete Tastaturen, Headsets, Webcams und Konferenzsysteme etablierter Hersteller untersucht – Geräte, wie sie auf jedem Schweizer Schreibtisch zu finden sind. Das Ergebnis: Das NTC identifizierte über 60 Schwachstellen, darunter 13 schwerwiegende und 3 kritische Befunde.

Kritische Schnittstelle für sensible Informationen

Peripheriegeräte bilden die kritische Schnittstelle, über die sensible Informationen fliessen. So werden über Tastaturen Passwörter eingegeben und über Mikrofone und Webcams vertrauliche Gespräche übertragen. Es zeigt sich eine gefährliche Asymmetrie: Die Kosten für professionelle Sicherheitsanalysen übersteigen den Anschaffungspreis solcher Geräte oft um ein Vielfaches.

«Peripheriegeräte werden in der Praxis oft als reines Zubehör betrachtet und entsprechend nicht systematisch geprüft sowie nicht konsequent in bestehende Sicherheitskonzepte integriert», sagt Tobias Castagna, Leiter Testexperten beim NTC.

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Quelle: Nationales Testinstitut für Cybersicherheit NTC / © Stefanie Maurer

Systematische Sicherheitsanalyse deckt Risikomuster auf

Um das Sicherheitsniveau weit verbreiteter Peripheriegeräte in der Schweiz systematisch zu beurteilen, hat das NTC im Laufe eines Jahres rund 30 kabelgebundene und drahtlose Geräte einer umfassenden technischen Sicherheitsanalyse unterzogen. In die Auswahl flossen Produkte etablierter Hersteller ein, darunter Geräte von Logitech, Yealink, Jabra, HP, Eizo oder Cherry, die insbesondere auch in kritischen Infrastrukturen eingesetzt werden.

Die Analyse zeigt, dass moderne Peripheriegeräte bei sicherer Konfiguration und aktueller Firmware ein akzeptables Sicherheitsniveau erreichen können. Die Risiken steigen jedoch mit zunehmender Gerätekomplexität, etwa bei Konferenzsystemen oder sonstigen IoT-Geräten, sowie beim Einsatz veralteter Funktechnologien.

Die identifizierten Schwachstellen wurden den betroffenen Herstellern gemeldet und mehrheitlich rasch behoben. In einem Einzelfall reagierte ein Hersteller jedoch nicht: Bei einem drahtlosen Präsentationssystem übergab das NTC den Fall an das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS), das daraufhin eine öffentliche Warnung veröffentlichte.

Fünf Empfehlungen zur Risikominimierung

Der öffentliche Bericht verzichtet bewusst auf technische Details und produktbezogene Schwachstellen. Stattdessen werden übergreifende Risikomuster aufgezeigt, darunter unsichere Standardeinstellungen, Schwächen bei der Gerätekopplung, unzureichend abgesicherte Funkkommunikation sowie Defizite im Firmware- und Lifecycle-Management. Die Untersuchung verdeutlicht, dass Sicherheit bei Peripheriegeräten nicht allein eine Produkteigenschaft ist, sondern wesentlich von Konfiguration, Betrieb und klaren organisatorischen Vorgaben abhängt.

Basierend auf den Ergebnissen formuliert das NTC fünf allgemeine Empfehlungen zur Reduktion der Risiken beim Einsatz von Peripheriegeräten insbesondere für Betreiber kritischer Infrastrukturen und Organisationen mit erhöhten Sicherheitsanforderungen:

  • Standardisierung und sichere Beschaffung über vertrauenswürdige Kanäle,
  • Aufnahme von Peripheriegeräten in das IT-Lifecycle- und Asset-Management,
  • Netzwerksegmentierung für netzwerkfähige Geräte wie Konferenzsysteme,
  • Bevorzugung kabelgebundener Lösungen in Bereichen mit erhöhtem Schutzbedarf sowie
  • Sensibilisierung der Mitarbeitenden für physische und organisatorische Risiken.

Die Untersuchung erfolgte im Rahmen einer gemeinsamen Initiative des Nationalen Testinstituts für Cybersicherheit NTC mit Unterstützung von Behörden auf Bundes- und Kantonsebene sowie Organisationen aus dem Finanzsektor. Um die Unabhängigkeit der Resultate zu gewährleisten, waren die Hersteller der getesteten Geräte weder an der Auswahl noch an der Durchführung der Tests beteiligt und wurden erst im Rahmen der vertraulichen Meldung zur Behebung der Schwachstellen kontaktiert.

Weitere Informationen: www.ntc.swiss

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