Schweizerisch-griechischer Erfinder ist Finalist beim Europäischen Erfinderpreis 2026
Der schweizerisch-griechische Erfinder Evangelos Eleftheriou ist Finalist in der Kategorie «Industrie» des Europäischen Erfinderpreises 2026. Mit seinen Entwicklungen in der magnetischen Datenspeicherung, Flash-Technologie und im In-Memory-Computing hat er massgeblich zur energieeffizienteren digitalen Infrastruktur beigetragen. Die Gewinner werden am 2. Juli 2026 in Berlin bekanntgegeben.

Datenzentren gelten laut der Europäischen Kommission als zentrale Infrastruktur unserer Zeit. Sie unterstützen Cloud-Computing, künstliche Intelligenz und digitale Dienstleistungen – verbrauchen aber bereits heute rund 1,5 % des globalen Stroms. Bis 2030 soll sich dieser Bedarf mehr als verdoppeln. Vor diesem Hintergrund gewinnen bessere Datenspeicher- und Verarbeitungstechnologien zunehmend an Bedeutung. Evangelos Eleftheriou und sein Team haben sich dieser Herausforderung über Jahrzehnte gewidmet und wurden nun von einer unabhängigen Jury als Finalist in der Kategorie «Industrie» des Europäischen Erfinderpreises 2026 ausgewählt.
Rauschen verstehen statt ignorieren
Ein zentrales Problem moderner digitaler Speichermedien ist die hohe Datendichte: Je enger Datensignale beieinanderliegen, desto grösser die Störanfälligkeit beim Auslesen. Eleftheriou entwickelte mit der «Noise-Predictive Maximum Likelihood (NPML) Detection» einen Ansatz, der Störungen der Datensignale nicht bloss als unvermeidliches Hintergrundrauschen behandelt, sondern sie modelliert und vorhersagt. Diese Methode wurde zur Schlüsseltechnologie für moderne Lesekanäle in magnetischen Hochdichtespeichern.
Während seiner Zeit bei IBM Research wandte Eleftheriou dieses Wissen auf Magnetband-Systeme an – ein Medium, das trotz seines Alters bis heute eine tragende Rolle bei der Langzeitarchivierung grosser Datenmengen spielt. Sein Team verbesserte Positionsgenauigkeit, Fehlerkorrektur und Synchronisierung der Systeme, sodass diese auch bei beschädigten oder teilweise korrumpierten Daten zuverlässig funktionieren. «Magnetbänder sind vielleicht nicht das Erste, woran man bei moderner Technologie denkt. Sie spielen aber nach wie vor eine wichtige Rolle. Wenn grosse Organisationen ihre Daten verlässlich archivieren müssen, speichern sie grosse Datenvolumina auf Band. Magnetbänder dienen also immer noch als Rückgrat von umfangreichen Datenarchiven», erklärt Eleftheriou.
Rechnen direkt im Speicher
In jüngerer Zeit konzentriert sich Eleftheriou in seinem Unternehmen Alexera AI auf das In-Memory-Computing (IMC). Diese Technologie ermöglicht es, bestimmte Rechenoperationen direkt im Arbeitsspeicher auszuführen, ohne dass Daten aufwendig zwischen Prozessoren und Speicher hin- und hertransportiert werden müssen. Das reduziert Verzögerungen und senkt den Energieverbrauch – ein entscheidender Vorteil insbesondere bei KI-Anwendungen, wo grosse Datensätze oft in Echtzeit verarbeitet werden müssen.
«Wenn eine Lösung im Vergleich zu einem konkurrierenden System nur einen Bruchteil des Stroms benötigt, ist das ceteris paribus sehr vorteilhaft. Und das gilt nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht. Wir können es uns nicht leisten, Energie unnötig für Rechenvorgänge zu verschwenden und den Preis dafür einfach später zu bezahlen», so Eleftheriou.
Europäischer Erfinderpreis 2026
Eleftheriou steht in der Kategorie «Industrie» neben zwei weiteren Finalisten: dem italienischen Erfinder Giuseppe Crippa und seinem Team für ein fortschrittliches Verfahren zur Herstellung von Prüfkarten sowie der griechisch-schwedischen Wissenschaftlerin Angeliki Triantafyllou für ein enzymatisches Verfahren zur Verbesserung von Hafermilch. Der Europäische Erfinderpreis wurde 2006 vom Europäischen Patentamt (EPA) ins Leben gerufen und gilt als einer der renommiertesten Innovationspreise Europas. Die Gewinner:innen werden am 2. Juli 2026 im Rahmen einer aus Berlin per Livestream übertragenen Preisverleihung bekanntgegeben. Zusätzlich wird ein Publikumspreis vergeben, über den das Publikum gemeinsam mit der unabhängigen Jury abstimmt. Die öffentliche Abstimmung läuft seit dem 12. Mai 2026 bis zur Zeremonie am 2. Juli 2026.
Weitere Informationen zum Europäischen Erfinderpreis: www.epo.org
