Nur 26 Prozent der CISOs schätzen Cyber Threat Intelligence

Ein neuer Bericht des Sans Institute zeigt eine deutliche Kluft zwischen der Anerkennung von Cyber Threat Intelligence und deren tatsächlichem Einfluss auf Entscheidungen. Die Studie basiert auf Antworten von 401 Cybersicherheitsexperten weltweit – darunter erstmals auch ein eigenes Modul für CISOs und CSOs.

Cyberbedrohungen: CISOs wünschen sich vor allem Informationen über mögliche Schwachstellen. (Bild: Depositphotos.com)

Das Sans Institute hat seinen Bericht «2026 Cyber Threat Intelligence (CTI) Survey Insights» veröffentlicht. Verfasst wurde er von Rebekah Brown und Andreas Sfakianakis, beide Instructors beim Sans Institute. Die Studie stützt sich auf Antworten von 401 qualifizierten Cybersicherheitsexperten weltweit, die zwischen November 2025 und Januar 2026 gesammelt wurden. Erstmals enthält der Report ein eigenes Modul mit den Antworten von 67 CISOs und CSOs – und gibt damit Einblick in beide Seiten: jene der Analysten, die Informationen bereitstellen, und jene der Führungskräfte, die darauf reagieren.

Anerkennung ohne Wirkung

Die Kernbotschaft des Berichts ist klar: CTI-Programme haben zwar in den vergangenen Jahren ihren Wert unter Beweis gestellt, doch die Anerkennung schlägt sich kaum in konkreten Entscheidungen nieder. Rebekah Brown, Senior Researcher beim Sans Institute und Mitautorin des Berichts, bringt es auf den Punkt: «In diesem Jahr verfügen wir über direkte Daten von beiden Seiten. CTI-Programme haben Jahre damit verbracht, ihren Wert unter Beweis zu stellen. Die Daten für 2026 zeigen, dass die nächste Herausforderung darin besteht, diese Anerkennung in Entscheidungen, Budgets und Massnahmen umzusetzen.»

Nur 26 Prozent der CISOs schätzen Cyber Threat Intelligence. Quelle: zvg

Was Führungskräfte wirklich wollen

Die Umfragedaten zeigen klar, welche Informationen Sicherheitsverantwortliche priorisieren: Auf den obersten Plätzen stehen Informationen über Schwachstellen, die aktiv von Angreifern ins Visier genommen werden (79 Prozent), sowie spezifische TTPs – also Tactics, Techniques and Procedures – von Angreifern (77 Prozent). Geschäftsorientierte Informationen rangieren mit 41 Prozent an letzter Stelle unter den Berichtstypen. Der Bericht führt dies jedoch weniger auf mangelnde Nachfrage zurück als vielmehr auf eine Lücke in der Produktion entsprechender Inhalte.

Schwachstelleninformationen und TTPs sind Top-Priorität für CISOs. Quelle: zvg

Zu wenig Ressourcen, zu wenig Messung

Ein strukturelles Problem zieht sich durch den gesamten Bericht: Die meisten formellen CTI-Teams bestehen nach wie vor aus weniger als vier Vollzeitmitarbeitenden, obwohl die Liste der Anwendungsfälle, die sie abdecken sollen, stetig wächst. Als grösste Hindernisse für eine effektive CTI-Implementierung nennen je 44 Prozent der Befragten Zeitmangel für die Einführung neuer Prozesse sowie fehlende Finanzmittel. Dazu kommt: 57 Prozent der Programme verfolgen den Reifegrad im Zeitverlauf nicht nach, und 49 Prozent sammeln kein systematisches Feedback zur Wirksamkeit. Wer keine Verbesserungen belegen kann, hat es schwer, Budgets mit Daten zu rechtfertigen.

Geschäftsinformationen für CISOs am wenigsten nützlich. Quelle: zvg

KI im Einsatz – rechtliche Grundlagen fehlen

45 Prozent der Organisationen setzen heute künstliche Intelligenz in CTI-Programmen ein, vor allem zur Datenzusammenfassung und Berichterstellung. Das sogenannte Human-in-the-Loop-Modell bleibt dabei vorherrschend. Gleichzeitig fehlt es vielerorts an rechtlichen Grundlagen: Mehr als die Hälfte der Organisationen (55 Prozent) verfügt nicht über rechtlich geprüfte CTI-Austauschprozesse – obwohl NIS2 und der Cyber Resilience Act ab 2026 neue Verpflichtungen auferlegen. Der Bericht wertet diesen Mangel nicht als administratives Versäumnis, sondern als strukturelles Risiko. Im Bereich der Anwendungsfälle haben Sicherheitsoperationen (71 Prozent) den Spitzenplatz zurückerobert – zuletzt hielten sie diesen 2022 inne – und damit die Bedrohungssuche überholt. Das deutet darauf hin, dass Informationen zunehmend in die täglichen Verteidigungsabläufe eingebettet werden.

Weitere Informationen zum Sans Institute

Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf m-q.ch - https://www.m-q.ch/de/nur-26-prozent-der-cisos-schaetzen-cyber-threat-intelligence/

Weitere Beiträge zum Thema