Smart Building Management: Daten und Kompetenzen als Schlüssel für effiziente Gebäude
An der ersten praxisorientierten Fachtagung «Smart Building Management: Optimierung im Betrieb» der ZHAW diskutierten über 160 Fachleute aus Forschung und Praxis, wie künstliche Intelligenz, Daten und Kompetenzen den Gebäudebetrieb verändern. Im Fokus standen die Bereiche Investment, Operations und Data.

Smart Building Management verfolgt das Ziel, Gebäude effizient, nachhaltig, komfortabel und gesundheitsfördernd zu betreiben. Die technischen Möglichkeiten nehmen laufend zu, doch die zentrale Herausforderung bleibt unverändert: Gebäude sollen die Bedürfnisse ihrer Nutzerinnen und Nutzer erfüllen und gleichzeitig wirtschaftlich betrieben werden. Die Kompetenzgruppe Smart Building Management des ZHAW-Instituts für Facility Management hatte am 8. September 2026 zur ersten praxisorientierten Fachtagung zu diesem Thema geladen. Prof. Dr. Andrea González, Leiterin der Kompetenzgruppe, konnte über 160 Teilnehmende im Technopark Zürich begrüssen.
KI fordert Organisationen heraus
Im ersten Block «Investment» stand die Hypothese im Mittelpunkt, dass mehr Technologie Gebäude nicht automatisch besser macht. Marie Seiler, CEO von Pensimo, zeigte in ihrem Referat, in welchen Bereichen künstliche Intelligenz eingesetzt wird, etwa um den Betrieb von Heizungen zu optimieren. Dabei rechne sich die Energieeinsparung meistens gegenüber den hohen Initialkosten. Aus ihrer Sicht muss stets bedacht werden, dass die Lebensdauer von Technologie viel kürzer ist als die der Gebäude. Hannes Pichler, Direktor der ETH Immobilien, betonte, dass jede Investition in die Technik einen konkreten Zweck erfüllen muss. Er präsentierte das Design-Build-Verfahren, bei dem Planung und Bau, die traditionellerweise getrennt sind, zusammen in einem Auftrag vergeben werden. Dies führt zu kürzeren Umsetzungszeiten und tieferen Kosten. Jan Eckert, Head CH von JLL, stellte in seinem Referat die Frage, wie sich das Arbeitsumfeld durch künstliche Intelligenz verändert. Aus seiner Sicht baut KI die Aufbauorganisation im Real Estate komplett um. Die Kosten für KI dürften jedoch nicht unterschätzt werden. Zudem wies er auf das Problem hin, dass wegen KI ein Kompetenzverlust in der Breite drohe – die Förderung des Nachwuchses sei eine grosse Herausforderung.
Die anschliessende Paneldiskussion machte deutlich, dass die Einführung von KI nicht primär eine technologische, sondern eine organisatorische Herausforderung ist. Unternehmen müssen festlegen, welche Aufgaben automatisiert werden können und wo menschliche Kontrolle weiterhin erforderlich bleibt. Eine zentrale Voraussetzung bildet die Datenqualität. Es steigt der Bedarf an Fachpersonen, die Daten beurteilen und daraus Handlungsempfehlungen ableiten können.

Betrieb als zentraler Hebel für Effizienz
Im zweiten Block «Operations» stand die Hypothese zur Debatte, dass künftig intelligente Gebäude unter autonomer KI-Steuerung effizienter betrieben werden als unter menschlicher Leitung. ZHAW-Forscher Dr. Simon Ashworth präsentierte in seinem Einführungsreferat Projekte, die mit Praxispartnern durchgeführt werden. Als Beispiel nannte er die Stadt Thun, wo es nicht mehr nur um smarte Gebäude, sondern um eine smarte Stadt geht. Tim Frey, Geschäftsführer von EnergieSchweiz beim Bundesamt für Energie, setzte den Schwerpunkt bei der Energieeffizienz als einem von drei Pfeilern der Schweizer Energiestrategie. Es bestehen vielerorts noch erhebliche Optimierungspotenziale, etwa bei falsch konfigurierten Wärmepumpen oder ineffizienten Beleuchtungssystemen. Durch Optimierungen im Betrieb lassen sich teilweise Einsparungen von bis zu 30 Prozent erreichen.
Martina Reinholz, Präsidentin von SVIT FM Schweiz, betonte, dass ein autonomes Gebäude nur so intelligent sei wie seine Betriebsorganisation. Eine besondere Herausforderung stellt der Übergang von der Bau- in die Betriebsphase dar, damit wichtige Informationen nicht verloren gehen. Um die Potenziale besser zu nutzen, werden neue Rollen diskutiert, die technologische, organisatorische und betriebliche Aspekte miteinander verbinden – für Martina Reinholz sind dies Operational Intelligence Managers. Oliver Hofmann und Serafino Melloni, CEO beziehungsweise COO von Vebego, präsentierten die Vision des datengetriebenen Facility Managements. Dabei steht der Mehrwert für die Kundschaft im Vordergrund. Als Beispiel nannten sie Lüftungsanlagen: Dank Echtzeitdaten läuft die Lüftung nur dort, wo sie wirklich gebraucht wird, was zu weniger Energieverbrauch und tieferen Kosten führt.
Die Paneldiskussion kam zum Schluss, dass nur jene Kennzahlen Sinn ergeben, die auf erhebbaren Daten basieren und zu umsetzbaren Massnahmen führen. Wichtig sei, die Mitarbeitenden zu befähigen, damit sie ihre Verantwortung auch wahrnehmen können.
Daten als Grundlage für fundierte Entscheidungen
Der dritte Block «Data» widmete sich der Frage, wie Daten für den Betrieb von Gebäudeportfolios genutzt werden können. Prof. Dr. Christian Coenen von der ZHAW warf in seinem Referat zu «Strategien in Zeiten von KI» drei Fragen zur Reflexion auf: Was passiert eigentlich, wenn Wissen reichlich verfügbar wird und dadurch an Wert verliert? Wie wird also Wert geschaffen? Was weiterhin knapp bleibt, bleibt auch wertvoll – dazu zählt er Koordination und die Beziehung zu den Nutzerinnen und Nutzern. Und schliesslich: Welche Rolle spielt man selbst dabei? Christian Coenen plädiert für den «Architect of Intent» – eine Person, die erkennt, dass das Gebäude seinem Zweck dient und nicht nur seinen Kennzahlen. Dafür braucht es Neugier, die Fähigkeit zu kuratieren und Empathie.
Julian Studer, CEO von Loriot, präsentierte in seinem Referat Projekte, mit denen datenbasierte Anwendungen neue Möglichkeiten eröffnen. Sensoren können beispielsweise Leckagen oder Brände frühzeitig erkennen, den Zustand technischer Anlagen überwachen oder Wartungsarbeiten bedarfsgerecht auslösen. Insbesondere bei bestehenden Gebäuden bieten solche Lösungen grosses Potenzial.
In der abschliessenden Paneldiskussion mit Julian Studer sowie Annett Fack, Co-Präsidentin IFMA, Julie Vienne, COO Viboo, und Jan Müller, CCO LEIQ, wurde deutlich, dass nicht die Menge der verfügbaren Daten entscheidend ist, sondern deren Qualität und Nutzung. Offene Schnittstellen, eine gute Kenntnis des Gebäudeportfolios und klare Verantwortlichkeiten gelten als wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Digitalisierung.
Als Fazit der Fachkonferenz formulierte Prof. Dr. Andrea González drei Punkte: Optimierung ist kein Projektabschluss, sondern ein Betriebsmodell. Wirkung entsteht, wenn Investment, Operations und Data zusammenspielen. Und: KI unterstützt Entscheidungen, doch Verantwortung und Governance bleiben zentral.
Weitere Informationen zur praxisorientierten Fachkonferenz «Smart Building Management: Optimierung im Betrieb» sowie zum Ausblick auf die Konferenz 2027 finden sich auf der Website der ZHAW.
