ISO 9001:2026 veröffentlicht: Qualität als Führungsaufgabe
Die ISO hat die revidierte Norm ISO 9001:2026 veröffentlicht. In der neuen Version rücken Qualitätskultur, ethisches Verhalten und Führungsverhalten stärker in den Fokus.
Mit der eben veröffentlichten ISO 9001:2026 liegt die weltweit meistgenutzte Managementsystemnorm in einer neuen Version vor. In den vier Jahrzehnten seit ihrer Entstehung hat sich ISO 9001 von einem Instrument der Qualitätssicherung in Produktion und industriellen Lieferketten zu einem generischen Managementinstrument für Organisationen aller Branchen und jeder Grösse entwickelt. Die revidierte Version passt die Norm erneut an aktuelle Geschäftsrealitäten an und macht Qualität ausdrücklich zur Führungsaufgabe.
ISO 9001:2026 mit Fokus auf Qualitätskultur und ethisches Verhalten
Die Revision von 2026 zielt vor allem auf eine stärkere Wirksamkeit des Managementsystems ab. Mehr Aufmerksamkeit verlangt der Kontext der Organisation in seiner strategischen Dimension, was auch Aspekte wie digitale Technologien, organisationale Resilienz und Klimawandel umgreift. Die Ansprüche und Bedarfe der Stakeholder müssen in Entscheidungen einbezogen werden. Der Umgang mit Chancen und Risiken wird voneinander getrennt betrachtet, um vor allem strategischen Chancen mehr Raum zu geben.
Werte wie Integrität, Verlässlichkeit, Transparenz und verantwortliches Handeln gewinnen an Bedeutung. Neu ist, dass diese «weichen» Erfolgsfaktoren normativ eingefordert werden. Qualität wird damit zur Führungsaufgabe und gelebtes Qualitätsmanagement zu einer Frage der Unternehmenskultur.
Einige Änderungen im Überblick
Einige Änderungen haben wir hier tabellarische zusammengestellt (Quelle: 8Dflow.com):
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Kapitel/ |
Thema |
Stand 2015 |
Änderung 2026 |
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5.1.1 und 7.3 |
Qualitätskultur und ethisches Verhalten |
Diese Themen waren 2015 nicht ausdrücklich als Erwartungen zu Führung und Bewusstsein benannt. |
Sie werden nun explizit genannt: Führung und Bewusstsein geben der Qualitätskultur und dem ethischen Verhalten einen klareren Stellenwert im QMS. |
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6.1.2, 6.1.3, 9.1 und 9.3 |
Risiken und |
Risiken und Chancen wurden gemeinsam unter Klausel 6.1 behandelt, wodurch Chancen leicht übersehen werden konnten. |
Sie werden klarer getrennt: Die neue Ausgabe zeigt deutlicher, wie Risiken und Chancen betrachtet, bearbeitet und überprüft werden. |
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6.3 |
Management von Änderungen |
Der Fokus lag 2015 auf Zweck und Folgen von Änderungen, Integrität des QMS, Ressourcen und Verantwortlichkeiten. |
Die Nachverfolgung ist klarer: Kommunikation, Wirksamkeitsprüfung und Ergebnisüberprüfung sind nun explizitere Bestandteile der Änderungsplanung. |
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4.2 und 9.3 |
Anforderungen interessierter Parteien |
Organisationen identifizierten relevante interessierte Parteien und die für das QMS wichtigen Anforderungen. |
Die Reaktion des QMS ist klarer: Die neue Ausgabe verdeutlicht, welche relevanten Anforderungen das QMS berücksichtigt und wie Änderungen in die Managementbewertung einfliessen. |
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4.1 und 4.2 |
Berücksichtigung |
Die ursprüngliche Ausgabe von 2015 enthielt keine Klimaformulierungen; Amendment 1:2024 fügte diese vor der neuen Ausgabe hinzu. |
Das Amendment von 2024 ist integriert: Wer die Änderung 2024 bereits umgesetzt hat, muss praktisch nur prüfen, ob die eigene Bewertung noch aktuell ist. |
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8.2.1 |
Kommunikation bei Störungen und Notfällen |
Die Notfallkommunikation existierte bereits, Störungen («Disruption») waren im Risiko- und Kommunikationskontext jedoch weniger präsent. |
Störungen werden sichtbarer: Die Revision gibt störungsbezogenen Risiken sowie Informationen, die Kunden bei Beeinträchtigung der Leistungserbringung benötigen, mehr Gewicht. |
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10 |
Kontinuierliche Verbesserung |
Die kontinuierliche Verbesserung war in Kapitel 10.3 neben den umfassenderen Verbesserungsinhalten in Kapitel 10.1 angesiedelt. |
Kapitel 10 wird neu strukturiert: Die kontinuierliche Verbesserung wandert nach 10.1, während die praktische Absicht der Korrekturmassnahme in 10.2 weitgehend stabil bleibt. |
Was die Revision für zertifizierte Organisationen bedeutet
Für zertifizierte Organisationen besteht kein unmittelbarer Handlungsdruck. Wie bei früheren Revisionen ist eine Übergangsfrist von drei Jahren vorgesehen, sodass Zertifikate nach ISO 9001:2015 vorbehaltlich einer abschliessenden Festlegung durch die Global Accreditation Cooperation Incorporated (GAC Inc.) bis 30. September 2029 gültig bleiben. Unternehmen sollten jetzt aber beginnen, sich mit den neuen Anforderungen in ISO 9001 vertraut zu machen, Handlungsbedarf in ihrer Organisation zu erkennen und relevante Themen bereits in die interne Auditplanung aufzunehmen.
ISO 9001: Wandlungsfähiger Qualitätsstandard
Seit der ersten Ausgabe von ISO 9001 im Jahr 1987 hat sich das Verständnis von Qualitätsmanagement grundlegend gewandelt: von der reinen Dokumentation und Konformität mit festgelegten Vorgaben hin zu einer echten Managementaufgabe. Mit den wachsenden Anforderungen an komplexe Lieferketten rückte das Zusammenspiel von Entwicklung, Einkauf, Produktion, Logistik und Kundenservice in den Fokus. Qualitätsmanagement gestaltet seither Prozesse, verbessert Schnittstellen und steigert die Leistungsfähigkeit der Organisation. Spätestens mit ISO 9001:2015 wurde Qualitätsmanagement schliesslich zum Faktor für strategische Entscheidungen, insbesondere mit Blick auf risikobasiertes Denken und die interessierten Parteien. ISO 9001:2026 ist ein konsequenter evolutionärer Schritt dieser Entwicklung. In der Schweiz wird die ISO 9001 durch die Schweizerische Vereinigung für Qualitäts- und Managementsysteme (SQS), die Schweizerische Normen-Vereinigung (SNV) oder die SAQ eng begleitet und weiterentwickelt, in Deutschland analog durch die DQS. Bei all diesen genannten Organisationen sind auch weitere Informationen erhältlich, oder direkt auch bei der ISO selbst.
Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf m-q.ch - https://www.m-q.ch/de/iso-90012026-veroeffentlicht-qualitaet-als-fuehrungsaufgabe/
