PFAS Forward Action Summit: Handeln statt abwarten

Am 25. März 2026 fand in Zürich der PFAS Forward Action Summit statt. Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Industrie, Regulierung und Technologie diskutierten, wie trotz dynamischer Entwicklungen bereits konkrete Fortschritte bei der Eindämmung von PFAS erzielt werden können.

Dr. Fajer Mushtaq eröffnet den PFAS Forward Action Summit 2026. (Bild: Daniel Kunz, Adliswil Switzerland)

Beim Umgang mit PFAS gilt zunehmend: Abwarten ist keine Option mehr. Statt auf vollständige wissenschaftliche oder regulatorische Klarheit zu warten, müssen Lösungen mit den heute verfügbaren Mitteln umgesetzt werden. Dieses Fazit stand im Zentrum des «PFAS Forward Action Summit», zu dem das Schweizer Cleantech-Unternehmen Oxyle (hier unser Interview mit Co-Gründerin Dr. Fajer Mushtaq, Bezahlartikel) kürzlich rund 100 Fachleute aus ganz Europa zusammenbrachte.

PFAS: Acht Millionen verschiedene chemische Verbindungen

Ein zentrales Thema war die wachsende Bedeutung bislang wenig beachteter Substanzen. Dr. Hans Peter Arp (Norwegian Geotechnical Institute / NTNU) stellte aktuelle Forschung zu Trifluoressigsäure (TFA) vor – einer ultrakurzkettigen PFAS-Verbindung, die aufgrund ihrer hohen Mobilität und Persistenz zunehmend in den Fokus von Forschung und Praxis rückt.

Wie gross die Herausforderung tatsächlich ist, verdeutlichte Dr. Emma Schymanski (Universität Luxemburg): Legt man die OECD-Definition zugrunde, lassen sich in chemischen Datenbanken wie PubChem mehr als acht Millionen potenzielle PFAS identifizieren – deutlich mehr als die bislang häufig diskutierten Einzelstoffe.

Auch regulatorisch bleibt das Bild komplex. Stefan Voorspoels (VITO) und Eléonore Mullier (Steptoe) beschrieben eine europäische Regulierung, die zwar an Dynamik gewinnt, aber weiterhin fragmentiert ist. Der REACH-Beschränkungsprozess schafft zwar Orientierung, erhöht jedoch gleichzeitig die Komplexität für Unternehmen, die bereits heute Investitions- und Technologieentscheidungen treffen müssen. Diese Spannung zwischen politischem Anspruch und praktischer Umsetzung ist charakteristisch für die aktuelle PFAS-Debatte in Europa.

Regulierung und Rückverfolgung notwendig

Inmitten all dieser Entwicklungen – fortschreitende Wissenschaft, neue Substanzen, sich wandelnde Regulierung – stellt sich die Frage: Wie lassen sich heute fundierte Entscheidungen zur Behandlung treffen? Eine Paneldiskussion mit Jeroen De Lathouwer (npower), Jessica Middlemiss (Puraffinity), Yannick Severin (Nijhuis Saur Industries) und Silvan Staufert (Oxyle) widmete sich genau diesem Thema: wie sich standortspezifische Anforderungen definieren lassen, welche Kriterien bei der Auswahl von Behandlungsansätzen zu berücksichtigen sind und wie in einem Feld, in dem die Optionen weiter zunehmen, belastbare Entscheidungen getroffen werden können. Laut Kelly Thompson (Global Water Intelligence) steht zudem eine deutliche Beschleunigung der Investitionen bevor, wodurch eine solche strukturierte Bewertung wichtiger wird denn je.

Paneldiskussion zur Frage: Wie lassen sich heute fundierte Entscheidungen zur Behandlung von PFAS treffen? (Bild: Daniel Kunz, Adliswil Switzerland)

Zachary Neigh (AECOM) zeigte, wie sich die PFAS-Chemometrie zunehmend zu einem leistungsfähigen Instrument zur Identifizierung und Rückverfolgung von Kontaminationsquellen entwickelt. Praxisbeispiele von Dr. Marcel Riegel (TZW DVGW-Technologiezentrum Wasser) und Frédéric Rondeau (Schweizer Bundesamt für Strassen FEDRO) verdeutlichten, wie stark sich Kontaminationsszenarien unterscheiden können – und dass kein Standort nach einem einheitlichen Ansatz behandelt werden kann.

In einer abschliessenden Diskussion zwischen Dirk Nuyens (ERM) und Dr. Fajer Mushtaq (CEO und Mitgründerin von Oxyle) wurde die zentrale Erkenntnis des Tages nochmals bekräftigt: Zuwarten reduziert Risiken nicht, sondern erhöht sie in vielen Fällen sogar. «Alle kommen aus unterschiedlichen Perspektiven zum Thema PFAS – doch was alle in diesem Raum vereint, ist der klare Wille, das Problem zu lösen. Es liegt eine besondere Kraft darin, alle Teile dieses Ökosystems zusammenzubringen, voneinander zu lernen und aufeinander aufzubauen. Genau dafür wollten wir Raum schaffen – und genau deshalb werden wir diesen Dialog weiter vorantreiben», fasste Fajer Mushtaq die Tagung zusammen. 

Quelle und weitere Informationen: Oxyle

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