«Erfolgsgeschichten von KMU zeigen»
Der Swiss Venture Club SVC feiert dieses Jahr sein 25-jähriges Bestehen. Das Unternehmer-Netzwerk hat sich mit der Verleihung der verschiedenen Prix SVC landesweit einen Namen geschaffen.

Bekannt geworden ist der Swiss Venture Club vor allem durch den Prix SVC, der in regelmässigem Turnus in verschiedenen Wirtschaftsregionen der Schweiz an vorbildliche KMU vergeben wird. Die Preisverleihungen haben sich in den letzten Jahren zu einem bedeutenden Stelldichein von Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Medien entwickelt. Angefangen hat alles im Jahr 2001, also vor 25 Jahren. Zum Jubiläumsjahr sprachen wir mit dem SVC Präsidenten Hans Baumgartner.
Herr Baumgartner, was war der eigentliche «Gründungsmoment» des SVC?
Die Idee geht auf Hans-Ulrich Müller zurück. Mit ihm zusammen arbeitete ich 2001 im KMU-Geschäft der Credit Suisse. Zu jener Zeit hatten die KMU bei den Grossbanken aber einen eher unbedeutenden Stellenwert. In den Quartalsberichten erschienen die KMU nicht, alles wurde dominiert von den Divisionen Vermögensverwaltung, Asset Management oder Investment-Banking. Vor allem Hans-Ulrich Müller war der Meinung, dass dies den Leistungen der KMU zu wenig angemessen war. Er wusste um die volkswirtschaftliche Bedeutung der KMU und wollte besonders vorbildliche Unternehmen würdigen. Besonders in den Vordergrund rücken wollten wir die Tatsache, dass Vermögen durch Unternehmertum geschaffen wird und nicht einfach in den Schoss fällt.
Und das ist auch heute noch die Grundmotivation für die Arbeit des SVC?
Ja, absolut. Inzwischen ist das Bewusstsein für mittelständische Unternehmen in der politischen Landschaft stärker geworden. Aber es muss weiter gepflegt werden. Wir dürfen nicht aufgeben, sonst gerät dieses Bewusstsein schnell wieder in Vergessenheit.
Auf welches Echo in der Schweizer KMU-Landschaft stiess der SVC, zumal ja mit der Credit Suisse eine Grossbank einen nicht unwesentlichen Anteil an der Entwicklung hatte?
Der SVC stiess sofort auf Begeisterung. Viele wollten mitmachen. Wir gingen also daran, eine tragfähige Organisation aufzuziehen: Wir gründeten einen Verein und stellten eine neutrale Expertenjury zusammen. Alle trugen die Botschaft nach aussen: Die KMU bilden einen wichtigen Teil des wirtschaftlichen Ökosystems der Schweiz. Für die Bewertung der KMU erarbeiteten wir mit McKinsey einen Kriterienkatalog, und die CS unterstützte uns grosszügig mit ihren Ressourcen, machte aber nie irgendwelche Vorgaben. Wir hatten freie Hand.
Wie liessen sich die weiteren Sponsoren überzeugen?
Da erwies sich das grosse Netzwerk von Hans-Ulrich Müller als Vorteil. Wichtig war uns dabei: Wir wollten Partner finden, die ebenfalls stark im KMU-Geschäft verankert sind, nicht nur heute, sondern auch in Zukunft. Entscheidend war auch ein persönlicher Zugang zu den Entscheidungsträgern dieser Partner. Nur so konnte es gelingen, sie von unserem Vorhaben zu überzeugen.
Wie schwer ist vor dem Hintergrund immer knapper werdender Sponsoringbudgets die Suche nach neuen Partnern heute?
Den langjährigen Gold Partnern sowie UBS als jetzigem Presenting Partner sind wir sehr dankbar. Nach wie vor müssen wir alle Sponsoren davon überzeugen können, dass sie ihr Geld zielgerichtet und nutzenorientiert einsetzen. Die Engagements wollen immer gut überlegt sein. Aber unsere Sponsoring-Angebote sind so ausgelegt, dass sie auch individuell ausgestaltet werden können.
Wann erfolgte der eigentliche Durchbruch des SVC, etwa hinsichtlich Mitgliederzahlen und öffentlicher Wahrnehmung?
Ein Meilenstein war die erste Verleihung des Prix SVC in Bern im Jahr 2003. Als eigentliches Durchbruchs-Jahr würde ich 2006 bezeichnen. Damals feierte die CS ihr 150-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass erhielt der SVC bedeutende Mittel zugesprochen, was uns ermöglichte, in sieben Regionen einen Prix SVC zu verleihen. Über 10 000 Menschen nahmen an diesen Anlässen teil. Das erwies sich als gewaltiger Boost. In der Folge haben wir auch weitere Event-Formate eingeführt – einige entwickelten sich gut, andere wurden wieder verworfen. Und es kommen laufend weitere Regionen hinzu: 2021 Genf und 2026 Aargau Solothurn. Die Mitgliederzahl steigerte sich auf heute 3800, und durch unsere Social Media-Aktivitäten können wir unsere Reichweite ebenfalls erhöhen.
Wie gelingt es dem SVC, sich als unabhängiges Netzwerk zu positionieren?
Der Vorstand fällt die Entscheide immer ohne Partikularinteressen gefällt. Alle Vorstandsmitglieder sind in der Business-Welt zu Hause und haben ein Interesse daran, die Innovationskraft von KMU zu erhalten und zu fördern. Ohne Unterstützung unserer Partner wären die Preisverleihungen und Aktivitäten nicht möglich. Sie tragen wesentlich dazu bei, dass an den Anlässen immer der Stolz der Finalisten und Preisträger im Zentrum stehen kann. Andere Unternehmen werden so bestärkt, weiterzumachen und noch besser zu werden. Denn nur so kommt man auf den Radar der Jury, um ins Gespräch gebracht zu werden.
Was waren für Sie persönlich besondere Erfolgserlebnisse?
Da gibt es einige, etwa die erstmalige Verleihung des Prix SVC Wirtschaftsraum Zürich. Als ich mit dieser Idee ankam, wurde mir zuerst gesagt, das interessiere doch keinen Menschen, und es gäbe ohnehin zu viele Veranstaltungen in Zürich. Nur: Es kam anders. Wir füllten das Hallenstadion mit 1500 Gästen, und die Zürcher KMU waren sich einig, noch nie eine ähnlich gute Gelegenheit fürs Netzwerken gehabt zu haben. Eindrücklich waren und sind jeweils auch die Jury-Tage, an denen wir alle Finalisten-Unternehmen besuchen. In guter Erinnerung bleiben mir auch die Reisen nach Asien, wo wir sehen konnten, wie toll sich Schweizer KMU in Vietnam oder China entwickelt haben. Was mich ebenfalls immer wieder freut, ist zu sehen, wie sich Personen für ein von ihnen nominiertes Unternehmen einsetzen.
Es gab in der Geschichte des SVC aber auch schwierige Phasen, etwa die Corona-Pandemie oder das Ende der Credit Suisse. Was war in diesen Momenten besonders schwierig?
Ja, das waren turbulente Zeiten. Corona war eine grosse Herausforderung. Wir mussten aber nur die Verleihung des Prix SVC Espace Mittelland verschieben, alle anderen konnten wir, wenn auch mit Auflagen, durchführen. Für den SVC, der von persönlichen Kontakten und Netzwerken lebt, war dies eine schwierige Zeit. Den Prix SVC Espace Mittelland 2021 konnten wir dann 2023 im Berner Kursaal erfolgreich nachholen. Ins Jahr 2023 fiel dann auch die Geschichte mit der Credit Suisse, die zur Übernahme der CS durch UBS führte. Beim SVC herrschte kurzzeitig Unsicherheit, wie es weitergehen soll, doch schnell erfolgten positive Signale von UBS, das Engagement der CS weiterzuführen. Im Laufe des Jahres 2024 konnten wir dann einen neuen, langjährigen Vertrag abschliessen. Heute ist UBS der Presenting Partner des SVC.
Der SVC ist, wie erwähnt, in verschiedenen Regionen der Schweiz aktiv. Was bedeutet das für die Führung des Netzwerks – auch als Verein?
Die Eigenheiten der Regionen sollen in jedem Fall zum Tragen kommen. Dies stellen wir durch die regionalen OK-Präsidien sicher, die lokal sehr gut vernetzt sind. Hinter den Kulissen zieht die SVC Geschäftsstelle unter der Leitung von Franziska Bürki die Fäden. Sie ist auch für die Betreuung der Mitglieder zuständig. Die Jurys mit ihren insgesamt 130 Mitgliedern sind jeweils regional organisiert. Aktuell engagieren sich 500 Partner und Sponsoren für den SVC.
Wie gelingt es, den «Lokalkolorit» der jeweiligen Regionen bei den Preisverleihungen sichtbar zu machen?
Die Abläufe der Preisverleihungen folgen einem standardisierten Drehbuch. Das ist wichtig für die Qualität der Anlässe und das Renommee der Auszeichnung. Doch es gibt selbstverständlich regionale Abweichungen und Platz für individuelle Inputs. Diese werden im Vorfeld in enger Zusammenarbeit mit der Geschäftsstelle abgesprochen.
Für die Region Aargau Solothurn wird dieses Jahr erstmals ein Prix SVC verliehen. Vor welchem Hintergrund?
Es macht aus unserer Sicht Sinn, dass diese Kantone ihren eigenen gemeinsamen Prix erhalten. Beide Kantone bilden zusammen ein wirtschaftliches «Schwergewicht»: Der Aargau als «Energiekanton» und Solothurn mit seinen vielen starken KMU in der Präzisionsindustrie.
Wie wird das 25-Jahr-Jubiläum gefeiert? Welche besonderen Aktivitäten sind vorgesehen?
Wir wollen das Jubiläumsjahr nutzen, um als SVC noch besser in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Dieses Jahr finden vier Preisverleihungen statt. Daneben findet im August 2026 anlässlich der ordentlichen Mitgliederversammlung eine 25-Jahr-Feier statt. Gemeinsam werden wir zurück, aber auch nach vorne schauen. Vorgesehen sind Auftritte eines Keynote-Speakers und Top-Leuten aus der Wirtschaft.
Was sind die nächsten Ziele – qualitativ und quantitativ?
Unter dem Motto «Wir inspirieren KMU» wollen wir den SVC als wichtigstes Unternehmer-Netzwerk der Schweiz positionieren. Ein Ziel ist es auch, die Mitgliederzahl auf über 4000 zu erhöhen. Wir wollen ein Akteur für Unternehmerinnen und Unternehmer sein und mit ihnen im Dialog stehen. Wir werden weitere Erfolgsgeschichten von KMU zeigen und dem Unternehmertum, das für den Wohlstand und den Erfolg unseres Landes verantwortlich ist, ein Schaufenster bieten.
Zur Person
Hans Baumgartner präsidiert seit 2023 den SVC. Er ist nach SVC Gründer Hans-Ulrich Müller und Andreas Gerber der dritte SVC Präsident. Beruflich ist Hans Baumgartner Senior Advisor bei der UBS und war zuvor über 30 Jahre für die Credit Suisse tätig. Dort bekleidete er verschiedene Führungspositionen im Privat- und Firmenkundengeschäft.



