Riverside-Talk: «Das freie Internet gibt’s gar nicht mehr»

Beim ersten Riverside-Talk im Zürcher 25hours Hotel ging es um Plattformmacht, KI und die Frage, wie Unternehmen ihre Reputation in digitalen Abhängigkeiten noch steuern können. Martin Andree zeichnete ein düsteres Bild, Tanja Hollenstein und Diana Ingenhoff ordneten es für Führung, Vertrauen und Kommunikation ein.

Bilder: Samuel Schalch

Wer im Konferenzraum des 25hours Hotels an der Zürcher Langstrasse aus dem Fenster blickte, sah einen alten Aqui-Schriftzug. Ein Relikt aus Zeiten, als in Zürich noch Mineralwasser aus der Tiefe kam. Heute sprudelt es anders. Nicht aus Stadtzürcher Quellen, sondern aus den Entwicklungszentren der Techkonzerne. Sichtbarkeit, Reichweite, Daten, Aufmerksamkeit: Die neuen Ströme der Stadt sind digital. Und sie verlaufen nicht mehr frei.

Bild: Beat Hürlimann

Genau dort setzte der erste Riverside Talk vom 15. April an. Der Rahmen war bewusst intim gehalten, das Thema dafür umso grösser: «Die Macht der digitalen Medien: Steuern Algorithmen und KI unsere Reputation?» Eine Frage, die an diesem Ort beinahe eine zusätzliche Ironie erhielt. Denn nur wenige Schritte weiter beginnt jenes Zürcher Google-Land, in dem an YouTube, Maps und anderen globalen Produkten mitentwickelt wird. Drinnen sprach man an diesem Abend über die Folgen genau jener Plattformlogiken, die draussen den Takt der digitalen Gegenwart mitbestimmen.

Bilder: Samuel Schalch

Das Internet als Monopol und Friedhof

Den Auftakt machte Martin Andree, Medienexperte und Bestsellerautor. Und er tat das ohne Anlauf. Seine Diagnose war drastisch, seine Sprache bewusst zugespitzt. Wer das Internet noch immer als offenen Raum versteht, in dem sich Inhalte frei behaupten, bekam eine harte Gegenrede serviert. Andree zeigte eine Verteilungskurve digitaler Aufmerksamkeit, die in seiner Lesart kaum noch Wettbewerb kennt. Ein Dutzend Anbieter bündle praktisch die gesamte Nutzungszeit, der Rest liege, so seine zugespitzte Formel, «auf einem riesengrossen Friedhof».

Martin Andree (Bilder: Samuel Schalch)

Es war der Ton eines Weckrufs, nicht der einer akademischen Fussnote. Andree sprach von Monopolen, von regulatorischem Versagen und von Plattformen, die Nutzerinnen und Nutzer in ihren eigenen Systemen festhalten. Sein Bild vom Kaufhaus, das man zwar tiefer betreten, aber nicht mehr verlassen dürfe, war einfach, aber wirkungsvoll. Aus seiner Sicht ist das freie Internet nicht verschwunden, aber entleert: Es gibt noch Inhalte ausserhalb der Plattformen, nur fehlt ihnen der Verkehr. Aufmerksamkeit zirkuliert nicht mehr offen, sondern wird innerhalb weniger Systeme abgeschöpft und umgeleitet.

Besonders pointiert wurde Andree dort, wo er die Logik von Sichtbarkeit mit der Logik der Transaktion verknüpfte. Wer in der digitalen Welt verkaufen wolle, bewege sich durch einen Funnel, in dem die entscheidenden Tore längst von Monopolisten besetzt seien: Google bei der Suche, YouTube bei Gratis-Bewegtbild, Meta im Social-Bereich, Amazon bei der Transaktion selbst. Seine Frage an Unternehmen war deshalb weniger moralisch als ökonomisch: Wie will man in Zukunft überhaupt noch an Aufmerksamkeit, Daten und Abschlüsse kommen, wenn die Zugänge von wenigen Playern kontrolliert werden?

Vom Medienproblem zur Managementfrage

Gerade darin lag die Stärke seines Auftritts. Andree sprach nicht nur über Medien und Demokratie, sondern verschob das Problem direkt in die Vorstandsetagen. Wer glaube, Plattformmacht sei in erster Linie ein publizistisches Thema, greife zu kurz. Sie sei längst ein Geschäftsmodellthema. Content Marketing werde immer teurer, organische Sichtbarkeit immer knapper, Abhängigkeiten von den grossen Gatekeepern immer grösser. Selbst Unternehmen, die sich nicht für medienpolitische Fragen interessieren, müssten sich fragen, wie sie unter diesen Bedingungen noch eigenständig wirtschaften wollen.

Bilder: Samuel Schalch

Dass er dabei auch den Blick auf generative KI und ChatGPT richtete, war folgerichtig. Wenn künftig eine KI die Produktempfehlung ausspiele, verschiebe sich der Machtpunkt nur noch weiter. Dann entscheidet nicht mehr bloss eine Suchmaschine über Sichtbarkeit, sondern ein System, das aus einer Vielzahl von Möglichkeiten genau eine auswählt. Andree nannte das in seiner typisch zugespitzten Art eine Art feudalistischen Wege-Zoll. Entweder man werde empfohlen – oder man existiere nicht.

Man muss nicht jede seiner Formulierungen teilen, um den Kern seiner Botschaft ernst zu nehmen. Der erste Riverside Talk begann damit nicht als gemütlicher After-Work-Anlass, sondern als Alarmruf. Und genau das verlieh dem Abend seinen Puls.

Vertrauen in einer Welt der plausiblen Fälschung

Nach dieser wuchtigen Diagnose kippte die Diskussion nicht ins Resignative, sondern in eine zweite, für Unternehmen fast noch heiklere Ebene: Wenn digitale Räume von Plattformlogik, KI und synthetischen Inhalten geprägt sind, wie lässt sich dann überhaupt noch Reputation gestalten?

Tanja Hollenstein, Strategie- und Kommunikationsexpertin, zog die Perspektive weg von der Systemkritik hin zur Führungsfrage. Vertrauen, so die zentrale Linie ihres Inputs, wird zur knappsten Währung. Sie verwies auf Studien, wonach drei Viertel der Bevölkerung bereits KI-Hilfen nutzen, das Vertrauen in diese Systeme aber deutlich tiefer bleibt – und gleichzeitig viele ihre Resultate kaum überprüfen. Der Satz, den sie in den Raum stellte, sass: Wir vertrauen eigentlich Menschen, fragen aber Maschinen.

Tanja Hollenstein (Bilder: Samuel Schalch)

Damit beschrieb Hollenstein ein Dilemma, das Unternehmen sehr direkt betrifft. Informationen zirkulieren heute in fragmentierten Öffentlichkeiten, Themen werden in Netzwerken hochgeschoben, Fehler nicht mehr verziehen. Zugleich stehen Organisationen unter Druck, Haltung zu zeigen, Transparenz zu liefern, schnell zu reagieren und dennoch glaubwürdig zu bleiben. Für Hollenstein liegt die Grundlage von Vertrauen deshalb nicht bloss in reaktiver Kommunikation, sondern im Zusammenspiel von Selbstverständnis, Strategie und Kommunikation. Wenn diese drei Ebenen nicht aufeinander abgestimmt sind, bricht Reputation im Krisenmoment rasch weg.

Bemerkenswert war dabei, dass sie Kommunikation nicht als kosmetische Disziplin beschrieb. Eher im Gegenteil. Kommunikation soll nicht flicken, was vorher strategisch ungeklärt blieb. Sie kann nur dann tragen, wenn Entscheidungsgrundlagen im Unternehmen vorhanden sind – und zwar bevor der Shitstorm, das Deepfake oder die Fehlwahrnehmung da ist.

Wenn Plausibilität stärker wird als Verifikation

Im anschliessenden Gespräch mit Diana Ingenhoff, Kommunikationswissenschaftlerin und Medienforscherin, gewann der Abend nochmals an Tiefe. Moderiert von Hans Peter Riegel, der mit KI-generierten Trump-Memes die Nähe von Satire, Manipulation und visueller Perfektion vorführte, ging es um die soziokulturelle Verschiebung hinter dem Vertrauensproblem.

Ingenhoff formulierte einen Satz, der hängen bleibt: Es geht immer weniger darum, ob etwas verifiziert ist – sondern ob es in den eigenen Deutungsrahmen passt. Genau darin liege die eigentliche Verschiebung. In einer von synthetischer visueller Kommunikation geprägten Medienwelt werde Plausibilität oft stärker als Wahrheit. Bilder, Memes und KI-generierte Inhalte wirken nicht deshalb, weil sie korrekt sind, sondern weil sie anschlussfähig sind.

Diana Ingenhoff (Bild: Samuel Schalch)

Für Unternehmen ist das eine unangenehme Einsicht. Denn gegen ein virales, emotional starkes, aber falsches Narrativ kommt man mit einer nüchternen Richtigstellung oft zu spät oder zu schwach an. Ingenhoff machte denn auch keine falschen Versprechen. Man könne nicht mehr alles managen. Wer heute Reputation führen wolle, müsse zuerst akzeptieren, dass vollständige Kontrolle Illusion geworden ist.

Hans-Peter Riegel (rechts) Foto: Samuel Schalch

Gerade deshalb gewinnt Vorbereitung an Gewicht. Social Listening, ein präzises Verständnis der relevanten Stakeholder, ein klarer Werterahmen, funktionierende Prozesse und geübte Reaktionsmuster: Das sind keine Kürprogramme mehr, sondern Voraussetzungen. Reputation entsteht in dieser Logik nicht erst in der Krise, sondern lange davor.

Der Mensch bleibt das Nadelöhr

Spannend war, dass der Abend trotz aller Technologiedebatte immer wieder beim Menschen landete. Hollenstein sprach von Führung, Enabling und strategischer Agilität. Ingenhoff betonte Medienkompetenz, Weiterbildung und die sinkende Fähigkeit, Inhalte überhaupt noch einzuordnen. Und Riegel legte den Finger auf einen wunden Punkt vieler Organisationen: Auch in Managements fehlt oft das tiefe Verständnis für digitale Mechanismen, obwohl deren wirtschaftliche Folgen längst real sind.

Gerade darin lag vielleicht die produktivste Erkenntnis des Abends. Nicht die Technik allein ist das Problem, sondern der gesellschaftliche und organisatorische Umgang mit ihr. Wer Algorithmen, Plattformen und KI nur technisch versteht, versteht sie zu wenig. Wer sie nur kommunikativ bespielt, ebenfalls. Es braucht ein breiteres Verständnis dafür, wie Sichtbarkeit, Glauben, Emotion und Macht heute zusammenspielen.

Oder zugespitzt: Reputation ist nicht mehr nur das Resultat guter Arbeit und kluger Kommunikation. Sie ist zunehmend auch das Resultat jener Systeme, in denen Wahrnehmung verteilt, verstärkt und verzerrt wird.

Ein Auftakt mit Reibung

Der erste Riverside Talk hatte damit genau das, was ein neues Format braucht: Reibung, Zuspitzung und genügend offene Flanken für Widerspruch. Martin Andree brachte den Schock. Tanja Hollenstein übersetzte ihn in Führungs- und Kommunikationsfragen. Diana Ingenhoff zeigte, dass die eigentliche Herausforderung noch tiefer sitzt – in unseren Deutungsmustern, in unserer Medienkompetenz und in einer Öffentlichkeit, die sich immer stärker in Teilrealitäten aufspaltet.

Draussen prangerte der alte Aqui-Schriftzug. Drinnen ging es längst nicht mehr um Wasser, sondern um die Ströme der Aufmerksamkeit. Wer sie lenkt, lenkt nicht alles. Aber sehr viel. Und genau deshalb war dieser Abend mehr als ein weiterer Talk über Digitalisierung. Er war ein Hinweis darauf, dass Reputation heute nicht mehr nur gepflegt werden will. Sie muss in einem zunehmend unübersichtlichen System verteidigt, erklärt und immer wieder neu erarbeitet werden.

Rückblick Tag der Schweizer Qualität 2026: Qualität als Weg, nicht nur als Ziel

Am 21. April 2026 fand in Bern der Tag der Schweizer Qualität statt. Es ging um die Qualität für die Zukunft: nachhaltig, digital und zugleich menschlich. Davon handelten die Keynotes sowie die sechs Praxis-Workshops.

Prof. Peter G. Kirchschläger im Gespräch mit Moderatorin Andrea Vetsch: Künstliche Intelligenz darf Menschenrechte nicht verletzen. (Bild: Thomas Berner)

Der diesjährige Tag der Schweizer Qualität war in mehrfacher Hinsicht besonders. Erstmals fand er in der neuen BERNEXPO-Festhalle statt und stand zudem im Zeichen des 60-Jahr-Jubiläums der SAQ Swiss Association for Quality. Im Zentrum stand weniger der Blick zurück als die Frage, wohin sich das Qualitätsdenken entwickelt, wie es von künstlicher Intelligenz beeinflusst wird und welche Rolle der Mensch dabei spielt.

In ihrer Eröffnungsansprache betonte SAQ-Präsidentin Ursula Grunder, dass Qualität heute nicht mehr bei der Prüfung beginne, sondern bei den Erwartungen der Kunden. Qualität werde menschlicher, gerade wegen der Technologie. Daraus folge: Qualität ist das, was wir täglich entscheiden.

Service-Exzellenz in der Logistik und im Luxushotel

Die verschiedenen Keynotes beleuchteten Qualität aus Gegenwart und Zukunft und aus unterschiedlichen Perspektiven. Angela Klüe von HAVI Logistics, dem Logistik-Partner für eine grosse Fastfood-Kette in der Schweiz, gab Einblick in datenbasierte Logistikprozesse. Ziel sei es, Lieferungen präzise zu planen und die Restaurants künftig mit einem reinen Push-Service zu versorgen. Entscheidend seien zudem bei kontinuierlichen Verbesserungsmassnahmen nicht Kennzahlen, sondern die genaue Betrachtung der Prozesse.

Angela Klüe von HAVI Logistics erläuterte die Logistikprozesse für eine grosse Schnellrestaurant-Kette. (Bild: Thomas Berner)

Chris K. Franzen vom Bürgenstock Resort sprach mit Moderatorin Andrea Vetsch über Service-Exzellenz in der Hotellerie. Qualität bedeute dort sowohl gute Infrastruktur als auch exzellenten Service. Dafür müsse man die Gäste und ihre Vorlieben kennen und das Personal gezielt schulen. Ebenso wichtig sei eine klare und konsequente Führung – auch gegenüber Gästen. «Wir erlauben uns auch mal, Gäste, die sich gegenüber unseren Angestellten nicht mit Anstand benehmen, rauszuschmeissen», stellte Chris K. Franzen klar.

Digitalisierte Qualität in der Industrie

Remo Gander von der Bossard Group zeigte, wie digitalisierte Qualität in der Industrie funktioniert. Smart Factory ist dabei ein wichtiges Stichwort. Dieses Thema wird bei Bossard über die Total Cost of Ownership (TCO) angegangen, denn von dort gehe die grösste Hebelwirkung aus, so Remo Gander. Konkrete Lösungen, um diese Hebelwirkung ausnutzen, bestehen etwa in der externen Logistik (z.B. «Smart Bin», also Behältnisse für Bauteile, welche ab einem bestimmten Füllstand automatisch Bestellungen auslösen), in der Intralogistik durch Anwendung von Kanban-Methoden sowie in der Montage, wo Kamerasysteme die Prozesse unterstützen. Solche kamerabasierten Lösungen stellt das Unternehmen Sentinus her. Dessen Co-Founder & Executive Lead Jonas Conrad beschrieb diesen in seinem Kurzreferat als Digitalisierung des Vier-Augen-Prinzips. Es geht also darum, Bild- und Prozessdaten in verwertbare Erkenntnisse umzuwandeln, um eine effiziente und qualitativ hochwertige Produktion zu ermöglichen. Die Bildverarbeitung dieses Systems erfolgt direkt auf dem Shopfloor und benötigt keine Cloud. Und mit Hilfe von digitalen Zwillingen können eigene Vision-Modelle trainiert werden.

KI und die Ethik: Noch viele ungelöste Fragen

Peter G. Kirchschläger von der Universität Luzern lenkte den Blick auf die Risiken von KI. Er warnte vor sinkenden kognitiven Fähigkeiten durch exzessive Nutzung, vor dem hohen Ressourcenverbrauch sowie vor manipulativer Datennutzung. Auch kritisierte er die zu wenig griffigen Regulierungen, welche die Ahndung von missbräuchlichen Deepfakes nahezu unmöglich machen. Generative KI müsse möglich sein, ohne Menschenrechte zu verletzen. Deshalb propagiert Kirchschläger die Schaffung einer Internationalen Agentur für datenbasierte Systeme (IDA) bei der UNO nach dem Modell der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA).

Andreas Grünert vom BACS machte deutlich, dass Cybersicherheit ein zentraler Qualitätsfaktor ist. Er empfahl die Einführung von Sicherheits- und Resilienzverfahren, die Durchsetzung allgemeiner Grundschutzmassnahmen sowie Transparenz gegenüber Lieferanten und Kunden, insbesondere bei Vorfällen.

Gab zum Schluss viele Impulse für mehr Glück im Alltag: Gina Schöler. (Bild: Thomas Berner)

Die «Ministerin für Glück»

Einen optimistischen Ausklang fand der Tag der Schweizer Qualität mit dem Schlussreferat von Gina Schöler. Sie ist Gründerin des «Ministeriums für Glück und Wohlbefinden» und inspiriert europaweit zu mehr Zufriedenheit im Alltag und Beruf. Sie lobte die Schweiz als glückliches Land. Doch eine kleine Spontan-Umfrage im Publikum zeigte, dass Vielen die aktuelle Weltlage Sorge bereitet. In diesem Zusammenhang gab Gina Schöler folgendes Zitat auf den Weg: «Je dunkler es draussen wird, desto heller müssen wir scheinen». Dass dies nicht immer ganz einfach ist, zeigte sie anhand einer Taschenlampe: Ohne Batterie kann auch sie nicht für notwendige Helligkeit sorgen. Eine zentrale Botschaft, die die Teilnehmenden aus Gina Schölers Referat mitnehmen konnten, war: Weniger den Fokus auf das Negative richten, sondern auf die vielen guten Nachrichten, die es trotz allem immer noch gibt. Und damit liess sich das Tagungsthema passend abrunden: Qualität für die Zukunft ist nachhaltig, digital – und eben auch menschlich.

Weitere Informationen: www.tsq.swiss

Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf m-q.ch - https://www.m-q.ch/de/rueckblick-tag-der-schweizer-qualitaet-2026-qualitaet-als-weg-nicht-nur-als-ziel/

Lieferketten: Zwei Drittel der Schweizer Firmen trennen sich von riskanten Partnern

Eine Befragung des führenden Compliance-Unternehmens Navex zeigt: Schweizer Unternehmen sind stark in internationale Lieferketten eingebunden und trennen sich relativ häufig von Geschäftspartnern, wenn Risiken auftreten. Gleichzeitig offenbart die Studie eine auffällige Unsicherheit beim praktischen Einsatz von künstlicher Intelligenz. Ein Teil der Unternehmen kann nicht einmal einschätzen, wie häufig KI trotz bestehender Bedenken eingesetzt wird.

Schweizer Unternehmen sind stark in internationale Lieferketten eingebunden. Aber sie haben auch ein starkes Risikobewusstsein und trennen sich schnell von riskanten Geschäftspartnern. (Symbolbild; Depositphotos.com)

Schweizer Unternehmen bewegen sich besonders stark in internationalen Geschäftsnetzwerken – und müssen entsprechend häufiger reagieren, wenn Risiken bei Partnern auftreten. Laut einer aktuellen Navex-Umfrage haben sich 67 Prozent der befragten Unternehmen in der Schweiz innerhalb der letzten zwölf Monate von mindestens einem Drittpartner getrennt. Im Durchschnitt wurden dabei rund 13,5 Geschäftsbeziehungen beendet. Auffällig ist dabei vor allem der internationale Charakter dieser Entscheidungen: 70 Prozent der Unternehmen berichten, dass ihre Offboarding-Entscheidungen auch Geschäftspartner im Ausland betreffen – der höchste Wert aller untersuchten Märkte. Zudem zeigt sich eine besonders hohe Intensität beim Beenden von Geschäftsbeziehungen. 22 Prozent der Unternehmen haben im vergangenen Jahr mehr als 20 Partnerbeziehungen beendet, acht Prozent sogar über 50. Oliver Riehl, Regional Vice President Sales bei Navex, ordnet diese Entwicklung ein: «Die Schweizer Wirtschaft ist stark international ausgerichtet. Unternehmen arbeiten mit Partnern in vielen unterschiedlichen Märkten und regulatorischen Umfeldern zusammen. Dadurch entstehen Risiken häufig an den Schnittstellen internationaler Lieferketten. Unternehmen sollten daher proaktive Programme einrichten, um die mit ihren Lieferkettenpartnern verbundenen Risiken zu bewerten und zu überwachen.»

Internationale Lieferketten erhöhen das Störungsrisiko

Die starke internationale Vernetzung zeigt sich auch bei Störungen durch Drittparteien. 65 Prozent der Schweizer Unternehmen berichten von Problemen mit Lieferanten oder Dienstleistern innerhalb der letzten zwölf Monate. Am häufigsten nennen sie operative Probleme (35 Prozent), gefolgt von regulatorischen Herausforderungen (31 Prozent) sowie Cyber- und Technologierisiken (29 Prozent). Gleichzeitig sind viele Unternehmen überzeugt, Risiken frühzeitig erkennen zu können. 85 Prozent der Befragten geben an, Probleme rechtzeitig identifizieren zu können, bevor diese eskalieren. Allerdings liegt der Anteil derjenigen, die sich «sehr sicher» fühlen, bei lediglich 21 Prozent – der niedrigste Wert unter allen untersuchten Ländern. Oliver Riehl sieht darin eine typische Herausforderung internationaler Geschäftsmodelle. «Internationale Lieferketten sind komplexe Systeme. Risiken entstehen oft dort, wo unterschiedliche regulatorische Anforderungen, Technologien oder Geschäftsprozesse aufeinandertreffen», erläutert der Navex-Experte, der sich schon länger mit der Schnittstelle von Compliance, Governance und technologischer Innovation beschäftigt. Die Folgen solcher Risiken zeigen sich auch wirtschaftlich. 34 Prozent der Schweizer Unternehmen berichten, im vergangenen Jahr Geschäftschancen verloren zu haben – etwa Partnerschaften, Investitionen oder Kunden – weil sie selbst Compliance- oder Risikoanforderungen nicht erfüllen konnten.

Compliance-Experte Oliver Riehl von Navex. (Bild: NAVEX)

Strategische Verantwortung wird nicht immer klar verankert

Auch bei der Frage nach der Governance zeigt die Studie ein differenziertes Bild. 67 Prozent der Unternehmen sehen ihre Vorstände grundsätzlich in der Verantwortung für Entscheidungen im Third-Party-Management. Allerdings schreiben nur 26 Prozent der Befragten der Unternehmensführung eine vollständige Verantwortung zu. Gleichzeitig wünschen sich vergleichsweise wenige Unternehmen eine stärkere Einbindung des Senior-Managements. Nur 54 Prozent der Befragten sind der Meinung, Vorstände sollten stärker für Risiken im Third-Party-Management verantwortlich sein – ebenfalls der niedrigste Wert im internationalen Vergleich. Oliver Riehl bewertet diese Zurückhaltung kritisch: «Viele Organisationen steuern Risiken sehr professionell auf operativer Ebene. Doch ohne klare strategische Verantwortung auf Vorstandsebene fehlt häufig die übergeordnete Perspektive auf die gesamte Risikolandschaft.»

Grosse Unsicherheit beim Einsatz von künstlicher Intelligenz

Neben dem Umgang mit Drittparteien untersucht die Navex-Studie, die im Dezember 2025 durchgeführt wurde, auch den Einsatz von künstlicher Intelligenz in Unternehmen. Hier zeigt sich in der Schweiz eine besonders ausgeprägte Unsicherheit. Nur 33 Prozent der befragten Unternehmen fühlen sich vollständig auf kommende regulatorische Anforderungen vorbereitet – der niedrigste Wert unter den befragten Ländern. Auch interne Leitlinien sind häufig noch nicht eindeutig. Zwar geben 80 Prozent der Unternehmen an, grundsätzlich über Richtlinien für den Einsatz von KI zu verfügen, doch nur 29 Prozent empfinden diese als sehr klar. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse der Befragung, dass KI bislang noch nicht flächendeckend genutzt wird: 29 Prozent der Befragten setzen sie regelmässig oder durchgehend ein. Besonders auffällig ist jedoch ein anderer Wert der Studie: 15 Prozent der Unternehmen können nicht einschätzen, wie häufig sie KI trotz möglicher Risiken einsetzen. In anderen untersuchten Ländern liegt dieser Anteil nahezu bei null. Oliver Riehl warnt deshalb vor einem wachsenden Governance-Problem: «Wenn Unternehmen nicht genau wissen, wo und wie KI eingesetzt wird, entsteht ein blinder Fleck im Risikomanagement.» Der Navex-Experte betont, dass klare Leitlinien und Transparenz über Einsatzbereiche entscheidend seien. «Gerade international tätige Organisationen müssen Technologieeinsatz, Compliance und Governance eng miteinander verzahnen, um Innovation und Risiko kontrolliert steuern zu können», so Riehl abschliessend.

Quelle: www.navex.com/de-de

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Arbeitsunfälle sinken weiter – Freizeitunfälle auf dem Vormarsch

Die Suva versichert rund die Hälfte aller berufstätigen Personen in der Schweiz gegen Unfälle und Berufskrankheiten. 2025 wurden über 480 000 neue Fälle registriert und anerkannt. Während die Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten weiter zurückgingen, nahmen die Freizeitunfälle um fast 3 Prozent zu. Insgesamt zahlte die Suva über 4,6 Milliarden Franken an Versicherungsleistungen.

Die Arbeitsunfälle nehmen weiter ab, dafür nehmen Freizeitunfälle zu. (Bild: zVg / Suva)

Im vergangenen Jahr hat die Suva über 480 000 neue Unfälle und Berufskrankheiten verzeichnet und anerkannt. Das sind 1,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten gingen um 0,9 Prozent auf gut 166 000 Fälle zurück. Die Freizeitunfälle stiegen hingegen um 2,8 Prozent auf rund 296 000 Fälle. Bei den als arbeitslos gemeldeten Personen sowie bei Personen in IV-Massnahmen hat die Zahl der Unfälle um 15,4 Prozent zugenommen. Grund dafür ist vor allem die höhere Zahl der Arbeitslosen. Insgesamt zahlte die Suva 2025 über 4,6 Milliarden Franken an Versicherungsleistungen.

Die aktuellen Unfallzahlen

Bei der Suva in der obligatorischen Unfallversicherung neu registrierte, anerkannte Fälle:

 20252024Differenz zum Vorjahr
Total Unfälle und Berufskrankheiten480  344471  385+ 1,9  %
davon Berufsunfälle und Berufskrankheiten166 229167 701– 0,9 %
davon Nichtberufsunfälle296 141288 111+ 2,8 %

davon Unfälle und Berufskrankheiten in der Unfallversicherung für Arbeitslose und
von Personen in IV-Massnahmen

17 97415 573+ 15,4 %

Unfälle passieren heute vor allem in der Freizeit

«Die Zunahme der Unfallzahlen gegenüber dem Vorjahr ist vor allem auf Freizeitunfälle zurückzuführen», sagt Alois Fässler, Statistiker bei der Suva. «Erfreulich ist, dass die Berufsunfälle weiter zurückgehen.» Während Berufsunfälle früher den grössten Teil der gemeldeten Unfälle ausmachten, registriert die Suva seit Anfang der 1990er Jahren deutlich mehr Unfälle in der Freizeit. Im vergangenen Jahr lag das Verhältnis bei 64 Prozent Freizeitunfällen zu 36 Prozent Arbeitsunfällen. «Die Sicherheit bei der Arbeit hat in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen, sei es durch kontinuierliche Präventionsarbeit oder durch den Rückgang von Arbeitsplätzen mit hohem Unfallrisiko, beispielsweise durch stärker automatisierte Abläufe», so Alois Fässler. «Die Zahl der Freizeitunfälle steigt hingegen, weil immer mehr Menschen ihre freie Zeit in Sport und Outdoor-Aktivitäten investieren.»

Häufigste Sportunfälle: Fussballspielen, Skifahren, Bergwandern

Über das ganze Jahr 2025 betrachtet, registrierte die Suva die meisten Sportunfälle beim Fussballspielen (29 000 / 25 % aller Sportunfälle), beim Skifahren (16 000 / 13 %) und beim Bergwandern (6 000 / 5 %). Dabei gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede. Männer verletzten sich am häufigsten beim Fussballspielen (29 %), Skifahren (12 %) und Biken (5 %), während sich bei den Frauen die meisten Unfälle beim Skifahren (20 %), Bergwandern (9 %) und Jogging (7 %) ereigneten. Die häufigsten Verletzungen beim Sport betrafen Knie, Fussgelenke und Schultern. 

Gezielte Präventionsmassnahmen reduzieren Unfälle, Leid und Kosten

Die Suva weist in diesem Zusammenhang erneut darauf hin, dass Unfälle nicht nur viel Leid verursachen, sondern auch hohe Kosten nach sich ziehen. Deshalb setzt sie neben Versicherungsleistungen weiterhin stark auf Prävention und Rehabilitation. Mit verschiedenen Präventionsprogrammen, Aus- und Weiterbildungen, Schulungen und Beratungen für Arbeit und Freizeit hilft die Suva, Unfälle und Berufskrankheiten zu verhindern.

Quelle: Suva

Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf m-q.ch - https://www.m-q.ch/de/arbeitsunfaelle-sinken-weiter-freizeitunfaelle-auf-dem-vormarsch/

ARA Bern reduziert Lachgas-Emissionen mit RTO-Technologie

Innovative Technologie gegen ein starkes Treibhausgas: Die ARA Bern, eine der grössten Kläranlagen der Schweiz, setzt seit 2025 auf eine Regenerativ-Thermische Oxidationsanlage (RTO) von CTP Air Pollution Control GmbH. Über 95 % des Lachgases werden damit entfernt.

Bei der ARA Bern kommt eine Regenerative-Thermische Oxidationsanlage für die Beseitigung von Lachgas zum Einsatz. (Bild: CTP Air Pollution Control)

Lachgas gehört zu den stärksten, aber oft übersehenen Treibhausgasemissionen von Abwasserreinigungsanlagen. Es ist stabil, verbleibt über 100 Jahre in der Atmosphäre und hat ein 250- bis 300-mal höheres Erderwärmungspotenzial als CO₂. «Die Bedeutung der Reduktion von Lachgas aus Kläranlagen wird häufig unterschätzt, obwohl diese Emissionen – vorwiegend aus der biologischen Reinigungsstufe – einen erheblichen Anteil am CO₂-Äquivalent ausmachen», sagt Gerd Rabenstein, COO von CTP Air Pollution Control GmbH aus dem österreichischen St. Paul im Lavanttal. Lange Zeit blieben diese Emissionen weitgehend unbeachtet. Doch mit konkreten Klimazielen rückt die gezielte Behandlung von Lachgas in den Fokus.

Massgeschneiderte Lachgas-Lösung für ARA Bern

Auch in der Abwasserreinigungsanlage ARA Bern wurden jährlich über 10.000 Tonnen CO₂-Äquivalente an Lachgas (N₂O) in der biologischen Reinigungsstufe und der Faulwasserbehandlung freigesetzt – rund 80 % der gesamten Treibhausgasemissionen der Anlage. Die Inbetriebnahme einer Regenerativ-Thermischen Oxidationsanlage (RTO) im August 2025 markierte nun einen Meilenstein für die gezielte Reduktion dieser Emissionen. Durch die Lösung von CTP Air Pollution Control lassen sich diese Emissionen deutlich und wirtschaftlich senken, ohne den Betrieb der Abwasserreinigungsanlage zu beeinträchtigen. Heute können mit der Technologie des Luftreinigungsspezialisten CTP die N₂O-Emissionen nahezu zur Gänze aus der Abluft der biologischen Reinigungsstufe und der Faulwasserbehandlung entfernt werden – ein entscheidender Beitrag für die Zielsetzung «Netto-Null» in Kläranlagen.

RTO-Systeme gelten als besonders flexibel und lassen sich auf Parameter wie Reinigungsleistung, Energieeffizienz oder Druckverlust optimieren. Auch bei der in Bern eingesetzten Anlage handelt es sich um eine massgeschneiderte Lösung, die speziell auf die Anforderungen der Kläranlage ausgelegt wurde. Bei der ARA Bern kommt eine Ausführung mit drei keramischen Wärmespeichern zum Einsatz, die im Wechselbetrieb arbeiten und die in der Abluft enthaltene Wärme nahezu vollständig zurückgewinnen.

RTO-Technologie: Lachgasmoleküle bei hoher Temperatur zerlegt

In der Brennkammer der RTO-Anlage werden die Lachgasmoleküle bei hohen Temperaturen in ihre Grundelemente Stickstoff und Sauerstoff zerlegt. «Katalytische Verfahren stossen an Grenzen, da Katalysatoren vergiftet werden können und nur geringe Standzeiten erreichen», erläutert Rabenstein. «Mit unserer robusten Lösung wird das Lachgas nahezu vollständig abgebaut.» Durch die regenerativen Wärmetauscher arbeitet die Anlage zudem sehr energieeffizient, und beim Einsatz von Biogas als Brennstoff kann der Betrieb sogar klimaneutral gestaltet werden.

Die hohe Effektivität der RTO-Technologie hat auch unabhängige Förderorganisationen überzeugt: Die Schweizer Stiftung Klimaschutz und CO₂-Kompensation «KliK» unterstützt bereits mehrere Projekte zur Reduktion von Lachgas in Kläranlagen und würdigte unlängst die RTO-Anlage in Bern als vorbildliches Beispiel. «Das zeigt, dass unsere Technologie sowohl in der Praxis als auch auf institutioneller Ebene anerkannt wird», so Rabenstein.

Kompakte Plug-and-Play-Variante: Die «DeNitroBox»

Neben grossen Anlagen bietet CTP auch eine kompakte Plug-and-Play-Lösung für kleinere Abluftströme: die DeNitroBox. Sie ist in einem 20-Fuss-Container untergebracht und ermöglicht eine N₂O-Reduktion von 90 % bei minimalem Energieverbrauch. Die Containerlösung lässt sich direkt vor Ort in Betrieb nehmen, ist förderfähig und bietet Anlagenbetreibern einen niederschwelligen Einstieg in die effektive Lachgasreduktion.

Die DeNitroBox eignet sich für den Einsatz bei kleineren Abluftströmen. (Bild: CTP Air Pollution Control)

«CTP verfolgt das Thema Lachgasemissionen seit Jahren und beobachtet eine zunehmende Dynamik im Markt. Länder wie die Schweiz oder Dänemark setzen bereits erste Vorgaben zur N₂O-Reduktion. Wir können als Technologieführer unseren Kunden eine ausgereifte und in zahlreichen Anwendungen bewährte Technologie dafür anbieten», so Rabenstein. Mit der Inbetriebnahme der RTO in Bern und der erfolgreichen Anwendung in weiteren Projekten beweist CTP, dass das langjährige Problem «Lachgas» in der modernen Abwasserreinigung keine Rolle mehr spielen muss und die Anlagen aktiv zum Klimaschutz beitragen können.

Quelle: CTP Air Pollution Control

Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf m-q.ch - https://www.m-q.ch/de/ara-bern-reduziert-lachgas-emissionen-mit-rto-technologie/

Collana Health gründet neuen Geschäftsbereich Workforce Management

Die Collana Health AG übernimmt im Rahmen einer strategischen Partnerschaft mit HRM Systems fünf Mitarbeitende aus dem Bereich Personaleinsatzplanung und baut am Standort Winterthur den neuen Geschäftsbereich Workforce Management auf. Dieser ergänzt das Angebot von Collana Health um Leistungen rund um die Personaleinsatzplanung und Zeiterfassung.

Das Team von Collana Health mit CEO Martin Straumann (3. v. l.). Bild: zVg / Collana Health

Mit der neuen Business Unit erweitert die Collana Health AG ihre Kompetenz im Schweizer Gesundheitswesen um einen Bereich, der angesichts des Fachkräftemangels zunehmend an Bedeutung gewinnt: eine effiziente Personaleinsatzplanung. Ihren grössten Nutzen entfaltet sie dort, wo sie mit weiteren Systemen zusammenspielt: «Die Verbindung von Workforce Management mit unseren datenbasierten klinischen und administrativen Lösungen ermöglicht es unseren Kundinnen und Kunden, ihre Ressourcen gezielter einzusetzen – effizient, gesetzeskonform und mit Blick auf die Mitarbeitenden», erklärt Martin Straumann, CEO von Collana Health.

Der neue Geschäftsbereich von Collana Health vereint Beratungs-, Umsetzungs- und Betriebsleistungen rund um Personaleinsatzplanung und Zeiterfassung. Dazu gehören die Optimierung von Prozessen, die Einführung und Weiterentwicklung entsprechender Systeme sowie Supportleistungen. Geleitet wird das fünfköpfige Team von Nick Lang, der als ehemaliger Geschäftsführer der Urs Heer GmbH by HRM Systems über ein Jahrzehnt Erfahrung im Schweizer Gesundheitswesen mitbringt. «Die neue Business Unit verbindet unsere langjährige Erfahrung in der Personaleinsatzplanung mit der Beratungs- und Systemkompetenz von Collana Health. Für unsere Kunden entsteht so ein durchgängiges Angebot – von der Konzeption bis zur Unterstützung im operativen Alltag», sagt Nick Lang.

Gemeinsame Kunden von Collana Health und HRM Systems profitieren künftig von einer klaren Aufgabenteilung: Collana Health erbringt die Leistungen im Bereich Workforce Management, während sich HRM Systems auf die Softwareprodukte UKA Solutions, UKA Connect und Carema sowie die dazugehörigen Dienstleistungen konzentriert. «Dank der strategischen Partnerschaft mit Collana Health können unsere Kunden im Gesundheitswesen weiterhin darauf zählen, dass UKA und Carema optimal in ihre betriebseigenen Prozesse eingebunden sind», erklärt Patrick Dubach, Mitglied der Geschäftsleitung von HRM Systems.

Zum Team der neuen Business Unit gehören ehemalige Polypoint-Applikationsspezialistinnen und -spezialisten, eine frühere Abteilungsleiterin Pflege, erfahrene HR- und Payroll-Fachpersonen sowie Unternehmensberater mit langjähriger Erfahrung im Gesundheitswesen. Der Geschäftsbereich bleibt unabhängig gegenüber Anbietern von Workforce-Management-Lösungen und führt die bestehende Partnerschaft mit Polypoint weiter.

Quelle: Collana Health

Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf m-q.ch - https://www.m-q.ch/de/collana-health-gruendet-neuen-geschaeftsbereich-workforce-management/

FHNW verstärkt Kompetenz in Pharmazeutischem Process Engineering

Das Institut für Pharmatechnologie und Biotechnologie der Hochschule für Life Sciences FHNW, spezialisiert auf praxisnahe Ausbildung und Forschung in pharmazeutischer Prozesstechnologie und Arzneiformentwicklung, stärkt seine Expertise mit der Berufung von Thomas Vetter als Professor für Pharmazeutisches Process Engineering.

Prof. Dr. Thomas Vetter mit Studierenden im Labor für Pharmazeutisches Process Engineering bei der Arbeit an einem Lyophilisator (Gefriertrocknungsanlage). (Bildquelle: Hochschule für Life Sciences FHNW)

Dr. Thomas Vetter studierte Chemieingenieurwesen an der ETH Zürich und vertiefte seine Kenntnisse in Chemical- und Bioengineering. Nach seinem Doktorat zur Kristallisation organischer Moleküle, ausgezeichnet mit dem EFCE Excellence Award, sammelte er Erfahrungen an der University of California in Santa Barbara, sowie in der Industrie bei Eli Lilly & Company in Indianapolis. Anschliessend leitete er als Professor an der University of Manchester eine Forschungsgruppe zu industriellen und fundamentalen Fragestellungen der Partikeltechnologie und Kristallchemie. Von 2020 bis 2025 verantwortete er bei Lundbeck in Kopenhagen ein Department für die Entdeckung und Charakterisierung von Kristallformen neuer Pharmazeutika sowie deren Prozessentwicklung vom Labor- bis zum Mehrhundert-Kilogramm-Massstab.

Am Institut für Pharmatechnologie und Biotechnologie wird Prof. Vetter sein Fachwissen in Lehre und angewandter Forschung einbringen und neue Kooperationen mit Industrie und Forschung aufbauen. Dadurch können Studierende praxisnah lernen und ihre Kompetenzen für die pharmazeutische Industrie erweitern, während Industriepartner von fundiertem Know-how in Prozessentwicklung und Partikeltechnologie profitieren. Mit seiner Verstärkung setzt das Institut seine strategische Ausrichtung auf innovative Lehre, angewandte Forschung und enge Zusammenarbeit mit der Industrie fort. Mit diesem Schritt sollen Innovation, Qualität und Wissenstransfer in Forschung und Ausbildung an der Hochschule für Life Sciences FHNW nachhaltig unterstützt werden.

Die Hochschule für Life Sciences FHNW lehrt und forscht entlang der gesamten Wertschöpfungskette: Mit Fokus auf Digitalisierung und Nachhaltigkeit setzt sie sich für neue präventive und therapeutische Produkte ein, ist an der Entwicklung von Medizinalprodukten und Arzneimitteln beteiligt und wirkt an innovativen Produktionsprozessen, der Digitalisierung in den Life Sciences sowie der Entwicklung ressourcenschonender Technologien und Verfahren im Umweltbereich mit.

Quelle und weitere Informationen: www.fhnw.ch

Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf m-q.ch - https://www.m-q.ch/de/fhnw-verstaerkt-kompetenz-in-pharmazeutischem-process-engineering/

Vier Bücher, die Sie interessieren könnten

Technologische Umbrüche, globale Machtverschiebungen und die Grenzen des Wachstums stellen Wirtschaft und Gesellschaft vor neue, komplexe Herausforderungen. Gefragt sind fundierte Analysen, kritische Perspektiven und zugleich konkrete Ansätze für zukunftsfähiges Handeln. Wir stellen vier aktuelle Bücher vor, die zentrale Entwicklungen unserer Zeit beleuchten – von exponentiellem Wachstum über digitale Machtstrukturen bis hin zu kundenzentriertem Denken und nachhaltiger Transformation. Sie bieten Orientierung für alle, die Wandel nicht nur verstehen, sondern aktiv gestalten wollen.

In Zusammenarbeit mit GetAbstract stellen wir Ihnen vier Bücher aus dem Marketing- und Kommunikationsbereich vor. Diesmal: «Die Exponentialgesellschaft», «Digitaler Kolonialismus», «Werde ein Wachstumsarchitekt», «Die Transformationsformel».

Die Exponentialgesellschaft

Vom Ende des Wachstums zur Stabilisierung der Welt.

Emanuel Deutschmann

Verlag: Suhrkamp

Publikationsjahr: 2025

Seiten: 442

ISBN: 9783518432235

Höher, schneller, weiter: Dass das auf einem Planeten mit endlichen Ressourcen nicht ewig funktioniert, versteht sich von selbst. Dennoch hat die Menschheit viel zu lange die Augen verschlossen und scheint nun nahezu ungebremst in die Katastrophe zu steuern. Noch ist aber nicht alles verloren. Emanuel Deutschmann ist zuversichtlich, dass es einen Ausweg gibt. Er analysiert nicht nur hellsichtig die aktuellen exponentiellen Entwicklungen, sondern zeigt auch Wege auf, sie zu brechen und zu neuer Stabilität zu finden. Die meisten davon sind wohlbekannt – nur an der Umsetzung mangelt es. Deutschmanns Buch ist also weniger eine konkrete Anleitung, sondern eher ein dringend notwendiger Aufruf.

getAbstract-Bewertung: 9

Qualitäten:

  • Analytisch
  • Augenöffner
  • Inspirierend

 

Digitaler Kolonialismus

Wie Tech-Konzerne und Großmächte die Welt unter sich aufteilen.

Sven Hilbig und Ingo Dachwitz

Verlag: C. H. Beck

Publikationsjahr: 2025

Seiten: 351

ISBN: 9783406823022

Seit Jahrzehnten wird uns die Digitalisierung als reine Fortschrittsgeschichte erzählt – als Abfolge genialer Erfindungen, sauberer Technologien und stetiger Erleichterungen. Das ist jedoch nur die eine Seite der Medaille. Ausgeblendet wird, wer diesen Fortschritt ermöglicht und welche Kosten er anderswo verursacht. Die Autoren beschreiben eine Welt, in der Kaufkraft, private Vorsorge und bequeme Lebensumstände im globalen Norden auf der Ausbeutung von Mensch und Natur im globalen Süden beruhen. Wer davor nicht länger die Augen verschließen will, findet hier eine notwendige, ernüchternde Lektüre.

getAbstract-Bewertung: 9

Qualitäten:

  • Augenöffner
  • Meinungsstark
  • Brisant

 

Werde ein Wachstumsarchitekt

Kundenbedürfnisse messen, Wachstum generieren.

Yann Wermuth und Beat Walther

Verlag: Versus

Publikationsjahr: 2026

Seiten: 159

ISBN: 9783039093649

Dieses Buch ist eine scharfe Abrechnung mit dem technologischen Größenwahn in vielen Unternehmen, der Kunden und Kundinnen nervt und Budgets verbrennt. Nach der Devise „Hören Sie auf, Produkte zu verkaufen – fangen Sie an, Jobs zu erledigen!“ liefern Yann Wermuth und Beat Walther einen Gegenentwurf zu den verbreiteten Innovationsprozessen in Unternehmen: nämlich ein System, das Bauchgefühl und Technikorientierung durch die datengestützte Ermittlung der Kundenbedürfnisse ersetzt. Zuweilen redundant, ist das Buch ein Plädoyer für radikale Relevanz beim Kunden – und damit für erfolgreiches Wachstum.

 

getAbstract-Bewertung: 8

Qualitäten:

  • Umsetzbar
  • Praktische Beispiele
  • Für Experten
  •  

Die Transformationsformel

Wie Menschen und Organisationen erfolgreich wachsen.

Tim Komkowski, Benedikt Viedenz, Nicole Davila, Thomas Niggemeier und Jiju Antony

Verlag: Wiley-VCH

Publikationsjahr: 2026

Seiten: 240

ISBN: 9783527512478

Transformation ist für Unternehmen heute kein Projekt mit Enddatum mehr, sondern eine strategische Daueranforderung, so die Autoren dieses Buches. Von dieser Einsicht ausgehend und auf Basis einer Studie mit über 500 Fachleuten haben sie ein Modell entwickelt, das Transformation als organisationale Fähigkeit mit sieben Komponenten begreift. Auch wenn sich die Argumente in den einzelnen Kapiteln ähneln und der Text straffer sein könnte, entsteht ein stimmiges Gesamtbild, das Themen wie Agilität, Governance und Kultur zusammenbringt.

getAbstract-Bewertung: 7

Qualitäten:

  • Analytisch
  • Systematisch

 

Patentanmeldungen aus der Schweiz bleiben auf hohem Niveau

Die Schweiz behauptet 2025 ihre starke Stellung im europäischen Patentgeschehen: Beim Europäischen Patentamt gingen 9’914 Anmeldungen aus der Schweiz ein, nur leicht weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig bleibt das Land weltweit führend bei Patentanmeldungen pro Kopf und setzt damit ein klares Signal für seine Innovationskraft.

Helle Köpfe in der Schweiz: Unser Land besetzt bei Patentanmeldungen eine führende Position in Europa. (Bild: Unsplash.com)

Das Europäische Patentamt verzeichnete 2025 insgesamt 201’974 Patentanmeldungen und überschritt damit erstmals die Marke von 200’000. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Plus von 1,4 Prozent, wobei die Anmeldungen aus Ländern ausserhalb Europas besonders zulegten.

EPA-Präsident António Campinos wertet die Entwicklung als Beleg für die Innovationskraft Europas und betont die Bedeutung strategischer Bereiche wie KI, Halbleiter, Gesundheit und Quantentechnologien.

Schweiz auf Rang sieben weltweit

Mit 9’914 Patentanmeldungen liegt die Schweiz im internationalen Vergleich auf Platz sieben und in Europa hinter Deutschland und Frankreich auf Rang drei. Trotz des leichten Rückgangs von 0,5 Prozent gegenüber 2024 bewegt sich die Zahl der Anmeldungen weiterhin auf einem sehr hohen Niveau,

Besonders bemerkenswert bleibt die Pro-Kopf-Quote: Mit rund 1’096 europäischen Patentanmeldungen pro Million Einwohner führt die Schweiz dieses Ranking weiterhin an.

Die innovativsten Kantone. (Grafik: EPO)

Medizintechnik voran

Bei den Technologiefeldern bleibt die Medizintechnik mit 965 Anmeldungen die wichtigste Sparte der Schweiz, obwohl sie leicht zurückging. Auf den weiteren Plätzen folgen sonstige Konsumgüter, Messtechnik sowie elektrische Maschinen, Geräte und Energie.

Das stärkste Wachstum verzeichneten sonstige Spezialmaschinen mit plus 32,1 Prozent sowie das Transportwesen mit plus 14,2 Prozent. Damit zeigt sich das Schweizer Patentportfolio weiterhin breit abgestützt und in mehreren Bereichen robust.

Zürich bleibt Innovationszentrum

Auf kantonaler Ebene führt Zürich mit 1’362 Patentanmeldungen das Schweizer Ranking klar an und liegt zugleich auf Platz 13 unter den europäischen Regionen. Auch Waadt und Zug gehören zu den innovativsten Standorten und zählen europaweit zu den Regionen mit besonders vielen Anmeldungen.

Zusammen mit Basel-Stadt und Genf vereinen die fünf führenden Kantone mehr als die Hälfte aller Schweizer Patentanmeldungen auf sich. Das unterstreicht die starke Konzentration der Innovationsaktivität in wenigen forschungsintensiven Clustern.

Schweizer Firmen unter den Top-Anmeldern

Hoffmann-La Roche bleibt mit 681 Patentanmeldungen die Nummer eins unter den Schweizer Anmeldern, gefolgt von Philip Morris International mit 680 und ABB mit 463 Anmeldungen. Alle drei gehören zu den 50 aktivsten Patentanmeldern beim EPA.

Auch Hochschulen spielen eine wichtige Rolle: Die EPFL, die ETH Zürich und die Universität Zürich zählen 2025 zu den führenden europäischen Institutionen bei Patentanmeldungen.

Quelle: Europäisches Patentamt

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National Center of Excellence in Crisis Management nimmt Arbeit auf

Gegründet am 26. November 2025 als gemeinsame Initiative der Höheren Kaderausbildung der Schweizer Armee (HKA) und der Hochschule Luzern – Wirtschaft (HSLU), bündelt das National Center of Excellence in Crisis Management (NCC) Forschung, Praxis und Führungserfahrung im Krisenmanagement. Der Verein unterstützt Organisationen in der Schweiz durch den Austausch unter Expertinnen und Experten, Forschungsarbeiten und die Entwicklung eines Swiss Code of Conduct in Crisis Management, damit Krisen frühzeitig erkannt und professionell bewältigt werden.

Am 26. November 2025 gegründet, nimmt nun das National Center of Excellence in Crisis Management seine Arbeit auf. (Bild: zVg / LinkedIn)

In einer Zeit zunehmender geopolitischer Spannungen, Cyberattacken und Naturgefahren steht die Widerstandsfähigkeit der Schweiz vor neuen Herausforderungen. Die veränderte Risikolage fordert von Unternehmen und Institutionen, ihre Krisenmanagementfähigkeit kontinuierlich weiterzuentwickeln. Dazu gehört auch die Stärkung der Zusammenarbeit im Gesamtsystem von Wirtschaft und Gesellschaft, um so die Sicherheit und Stabilität der Schweiz auch in Zukunft nachhaltig zu gewährleisten. Als nationale Plattform hat das National Center of Excellence in Crisis Management (NCC) das Ziel, Unternehmen und Institutionen in der Schweiz dabei zu unterstützen, Krisen frühzeitig zu erkennen, zu bewältigen und daraus gestärkt hervorzugehen. Das NCC strebt an, einen nachhaltigen Beitrag zur Resilienz, gesellschaftlichen Stabilität und nationalen Sicherheit zu leisten.

Öffentliche Veranstaltung «Krisenmanagement im Dialog»

Am 26. November 2025 wurde der Verein NCC gegründet. Heute, am 31. März 2026, findet die erste Fachtagung des NCC mit dem Titel «Krisenmanagement im Dialog» statt. Zwei Experten, Marcus Griesser (SBB) und Erik Dinkel (Universitätsspital Zürich), geben dabei direkte Einblicke in die Krisenpraxis systemrelevanter Organisationen. Ergänzend dazu diskutieren die Teilnehmenden in moderierten Workshops aktuelle Herausforderungen wie den Einsatz Künstlicher Intelligenz oder die Stärkung der individuellen und organisationalen Widerstandskraft.

Swiss Code of Conduct in Crisis Management

Herzstück des NCC ist die Erarbeitung und Umsetzung eines «Swiss Code of Conduct in Crisis Management», der als wissenschaftlich fundierter Referenzrahmen dem Krisenmanagement von Unternehmen und Institutionen dienen soll. Diese Leitlinie hat zum Ziel, neueste Forschungserkenntnisse und praktische Expertise in anwendbare Verfahren zu übersetzen. Die Entwicklung des Swiss Code of Conduct in Crisis Management erfolgt iterativ, sodass bis 2028 erste Assessments erfolgen können, gefolgt von spezifischen Umsetzungen für verschiedene Branchen.

Über das National Center of Excellence in Crisis Management

Organisiert als Verein nach Art. 60 ff. ZGB, vernetzt das NCC Expertinnen und Experten und fördert gezielt den Wissensaufbau und -transfer im Bereich Krisenmanagement.
Das NCC wird von einem breiten Netzwerk getragen. Zu den aktuellen Mitgliedern und Partnern zählen:

  • Strategische Partner & Gründungsmitglieder: Hochschule Luzern (HSLU), Höhere Kaderausbildung der Armee (HKA), Alpiq AG, Bühler AG; Geneva Centre for Security Policy (GCSP), Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG SSR), Schweizerisches Polizeiinstitut (SPI), Dr. Aldo C. Schellenberg, Guy Lachappelle und Alice Chalupny
  • Vereinsmitglieder: Axpo Gruppe, Avaloq Group AG, ecmt AG, Moodtalk AG, Noser Engineering / Noser Group, Pilatus Aircraft Ltd, suva, Zürich Versicherung, Sarah Birolini, Claudia Buser, Fred Kessler, Paul Saxer und Ueli Schmocker

Quelle: Hochschule Luzern

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Schweizer Unternehmen lassen bei ihrem IKS Potenzial liegen

Drei von vier Schweizer Unternehmen verfügen heute über ein formell eingeführtes Internes Kontrollsystem (IKS). Eine neue Studie von BDO in Zusammenarbeit mit swissaxis zeigt: Die strukturelle Verankerung ist weit fortgeschritten, doch bei Integration, Digitalisierung und Führungseinbindung besteht weiterhin Entwicklungspotenzial.

Klare Sicht dank IKS: Doch viele Schweizer Unternehmen lassen noch viel Potenzial liegen. (Symbolbild; zVg / BDO)

Die Befragten bewerten ihr IKS mehrheitlich positiv. Der grösste Nutzen liegt gemäss ihren Angaben in der Klarheit von Abläufen und höherer Sicherheit, der Einhaltung von regulatorischen Vorgaben, verbesserter Nachvollziehbarkeit sowie in der Risikoreduktion. Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden stuft den Reifegrad ihres IKS als hoch oder sehr hoch ein.

Fokus liegt stark auf Finanzen – operative Risiken nur teilweise erfasst

Nahezu alle befragten Unternehmen decken mit ihrem IKS die Bereiche Finanzen und Controlling ab. Andere Bereiche wie IT, Vertrieb oder Marketing sind deutlich seltener integriert.  

Risiken entstehen heute jedoch zunehmend entlang von Prozessen, digitalen Schnittstellen und komplexen Wertschöpfungsketten, nicht ausschliesslich im Rechnungswesen. Genau hier liegt ein wesentliches Entwicklungspotenzial für viele Organisationen.

Führung entscheidet über die Wirksamkeit

Wo Geschäftsleitung oder Verwaltungsrat in IKS-Themen aktiv eingebunden sind, wird das System deutlich häufiger als integraler Bestandteil der Risikokultur im Unternehmen wahrgenommen. Wo das Engagement des Managements hingegen gering bleibt, wird das IKS eher als Compliance-Instrument verstanden.  

Marc Sollberger, Leiter Risk Advisory Services bei BDO Schweiz, sagt: «Ein IKS entfaltet seine Wirkung erst dann vollständig, wenn es Teil der Führungskultur ist und in strategische Entscheidungen einfliesst.»

Auch Christian Hafner, Geschäftsleitungsmitglied von swissaxis, betont die praktische Perspektive: «Bestehendes nutzen und die Wirkung des IKS über die ganze Organisation hinweg entwickeln – das ist aus meiner Sicht der zentrale Hebel. Viele Systeme sind formal vorhanden, werden aber nicht konsequent als Führungsinstrument eingesetzt.»

Digitalisierung bleibt zentrale Baustelle

Obwohl viele der Befragten angeben, ihr IKS sei teilweise digitalisiert oder es sogar als festen Bestandteil digitaler Prozesse verstehen, dominieren weiterhin einfache Tools. Zwei Drittel nutzen Excel zur Dokumentation und Steuerung, ein Drittel sogar ausschliesslich. Spezialisierte Software kommt nur vereinzelt zum Einsatz.  

Für die kommenden fünf Jahre plant knapp die Hälfte der Unternehmen eine stärkere Digitalisierung und Automatisierung von Kontrollen. Weitere häufig genannte Ziele sind der Ausbau von Risikomanagement und Frühwarnsystemen, Schulung und Sensibilisierung der Mitarbeitenden und eine stärkere Integration des IKS in bestehende Geschäftsprozesse. Entlastung durch Automatisierung und KI sowie bessere digitale Tools zur Kontrolle und Dokumentation stehen unterdessen zuoberst auf dem Wunschzettel der befragten Unternehmen. 

Öffentlicher Sektor: andere Prioritäten

Im öffentlichen Sektor, den die Studie gesondert analysiert, verfügen drei Viertel der Organisationen über ein implementiertes IKS. Weitere 12 Prozent befinden sich in der Einführung.

Im Gegensatz zur Privatwirtschaft steht jedoch weniger die Digitalisierung im Vordergrund. Während die Befragten in der Privatwirtschaft branchenübergreifend die Automatisierung von Kontrollen als wichtigstes strategisches Ziel nennen, priorisieren öffentliche Institutionen vor allem den Ausbau von Risikomanagement und Frühwarnsystemen. Digitalisierung folgt hier erst an zweiter Stelle.

Zurückhaltend zeigt sich der öffentliche Sektor auch beim Einsatz von künstlicher Intelligenz. Für die erhebliche Mehrheit der Befragten ist KI gar nicht oder nur in der Theorie ein Thema. Aktive Anwendungen sind bislang kaum verbreitet.

Bedeutung nimmt weiter zu

Mehr als die Hälfte der Befragten erwarten, dass das IKS in den nächsten fünf Jahren weiter an Bedeutung gewinnen wird. Treiber sind steigende regulatorische Anforderungen, komplexere Geschäftsmodelle und höhere Erwartungen an Transparenz.

Schweizer Unternehmen verfügen also über eine solide IKS-Basis. Der nächste Schritt liegt in der konsequenten Weiterentwicklung. Weg von der isolierten Kontrolle, hin zu einem integrierten Führungsinstrument.

Quelle: BDO

Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf m-q.ch - https://www.m-q.ch/de/schweizer-unternehmen-lassen-bei-ihrem-iks-potenzial-liegen/

Wenn aus dem Browser Gefahr droht

Eine neue Studie zeigt, dass browserbasierte Bedrohungen mittlerweile einen wachsenden Anteil der Sicherheitsvorfälle ausmachen. 68 Prozent der Unternehmen berichten von einer Zunahme browserbasierter Angriffe in den letzten zwei Jahren. 85 Prozent erhöhen deshalb ihre Investitionen in Browser-Sicherheitslösungen.

Fachleute warnen vor zunehmender Cyber-Gefahr direkt aus Web-Browsern. (Bild: Depositphotos.com)

Parallels, ein weltweit führender Anbieter von Virtualisierungs- und End-User-Computing-Lösungen, hat die Ergebnisse einer neuen Studie von Omdia über Browser-Management und -Sicherheit veröffentlicht. Der daraus resultierende Bericht «Browser Management and Security: Emerging Strategies, Requirements, and Success Factors» zeigt, dass die Browsersicherheit zu einer der wichtigsten Investitionsprioritäten für IT- und Sicherheitsteams in Unternehmen geworden ist.

Browserbasierte Angriffe nehmen zu

Mehr als zwei von drei (68 Prozent) Unternehmen berichten von einer Zunahme browserbasierter Angriffe in den letzten zwei Jahren. Ausserdem gibt mehr als die Hälfte (55 Prozent) an, in den letzten 12 Monaten einen browserbezogenen Angriff oder Sicherheitsvorfall erlebt zu haben. Gleichzeitig ist der Browser zur primären Schnittstelle für viele Unternehmensanwendungen geworden, wobei 32 Prozent der Nutzer von nicht verwalteten Geräten aus auf Unternehmensanwendungen zugreifen. Dies vergrössert die potenzielle Angriffsfläche für Unternehmen erheblich.

Investitionen in Browsersicherheit steigen stark

85 Prozent der Unternehmen geben an, ihre Investitionen in Browser-Sicherheitslösungen zu erhöhen, wobei mehr als ein Drittel (36 Prozent) von einem deutlichen Anstieg berichtet. Fast zwei von drei (62 Prozent) Befragten stufen Browsersicherheit als eine der fünf wichtigsten Sicherheitsprioritäten ein, selbst angesichts konkurrierender Herausforderungen durch KI, Cloud-Expansion, Risiken in der Lieferkette und Insider-Bedrohungen.

«Wir sehen bei vielen unserer Parallels Kunden in Deutschland und der DACH-Region, dass der Browser zunehmend klassische Arbeitsplätze ersetzt und damit zum sicherheitskritischen Dreh- und Angelpunkt wird. Unternehmen brauchen heute Lösungen, die Gefahren nicht erst erkennen, sondern sie konsequent verhindern – zuverlässig, simpel und direkt am Zugangspunkt», so Markus Lang, Channel Director DACH bei Parallels.

Schutz durch Sandbox-Browser-Container

Browser Isolation beschreibt eine Vorgehensweise, die Unternehmen dabei hilft, den Zugriff auf SaaS-Anwendungen zu sichern, indem Browsersitzungen in isolierten Umgebungen ausgeführt werden. Mit der Einführung einer entsprechenden Lösung können Nutzer Sandbox-Browser-Container innerhalb ihrer eigenen Sicherheitsarchitektur ausführen, um interne Web-Apps, privat gehostete Anwendungen, Rechenzentren und SaaS-Umgebungen zu sichern. Durch die Isolierung von Web-Sitzungen und die Anwendung zentralisierter Richtlinienkontrollen können Unternehmen das Risiko von Phishing, Malware und anderen webbasierten Bedrohungen verringern und gleichzeitig einen nahtlosen Benutzerzugriff gewährleisten.

Um den in der Omdia-Umfrage hervorgehobenen Herausforderungen im Bereich der Browsersicherheit zu begegnen, hat Parallels kürzlich sein Portfolio für Workspace-Lösungen um Parallels Browser Isolation (PBI) Private Access für sicheres Browsen erweitert. Zusammen bieten Parallels Browser Isolation und Parallels Browser Isolation Private Access Unternehmen flexible Optionen zur Sicherung des Webzugriffs über SaaS, interne Anwendungen und moderne Hybridumgebungen hinweg.

«Der Browser ist praktisch zum Eingangstor für Unternehmensanwendungen und -daten geworden», so Elena Koryakina, Chief Product and Technology Officer bei Parallels. «Unternehmen erkennen, dass herkömmliche Sicherheitsmassnahmen allein nicht mehr ausreichen, und investieren in Lösungen, die Webaktivitäten sichern, sensible Informationen schützen und sich nahtlos in ihre bestehende Sicherheitsarchitektur integrieren lassen.»

Umfragemethodik

Die Omdia-Studie wurde im Dezember 2025 und Januar 2026 durchgeführt. Dabei wurden 400 IT- und Cybersicherheitsexperten in Unternehmen mit 100 oder mehr Mitarbeitern befragt. Die vollständige Studie ist unter parallels.com/products/ras/all-resources/reports/browser-security-2026/ verfügbar.

Weitere Informationen finden sich unter www.parallels.com/products/browser-isolation.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf m-q.ch - https://www.m-q.ch/de/wenn-aus-dem-browser-gefahr-droht/

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