AXA Cybersorgenmonitor 2026: KI verschärft Bedrohungslage
Der zweite AXA Cybersorgenmonitor zeigt: 87 Prozent der Schweizer Bevölkerung erwarten durch KI eine Zunahme der Cyberbetrugsfälle. Gleichzeitig lehnen fast sieben von zehn Befragten personalisierte Algorithmen ab – und gut die Hälfte wünscht sich weniger private Bildschirmzeit.

Die Schweizer Bevölkerung blickt zunehmend besorgt auf die digitale Welt: Cyberbetrug, unkontrollierter KI-Einsatz und eine ausufernde Bildschirmzeit beschäftigen Menschen aller Altersgruppen. Dies zeigt der zweite AXA Cybersorgenmonitor, der in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut Sotomo durchgeführt wurde. Für die repräsentative Umfrage wurden zwischen dem 16. Februar und dem 1. März 2026 insgesamt 1490 Personen aus der Deutsch- und Westschweiz befragt.
Cyberkriminalität bleibt eine der grössten Herausforderungen
Digitale Sicherheit und Cyberkriminalität gehören auch 2026 zu den am stärksten wahrgenommenen gesellschaftlichen Herausforderungen in der Schweiz. Mit einem Durchschnittswert von 4,2 auf einer Skala von 1 (keine Herausforderung) bis 5 (grosse Herausforderung) rangiert das Thema hinter den Krankenkassenprämien (4,4) und dem Wohnmarkt (4,3) – aber noch vor der Altersvorsorge (4,1) und der internationalen Sicherheitslage (3,9).
Besonders gross ist die Sorge vor konkreten Cyberdelikten: 77 Prozent der Befragten fürchten, Opfer eines Hacking-Angriffs zu werden, 64 Prozent sind besorgt über Phishing. Auch Fake-Shops (54 %) und Social-Engineering-Betrug (52 %) bereiten vielen Menschen Sorgen.
Den grössten Einfluss auf die Bedrohungslage schreiben die Befragten der Künstlichen Intelligenz zu: 87 Prozent erwarten, dass KI die Häufigkeit von Cyberbetrugsfällen erhöhen wird, 77 Prozent gehen zudem davon aus, dass der finanzielle Schaden pro Fall steigen wird. «Im Internet gibt es keine Hemmschwelle mehr bei der Verbreitung von Fälschungen», sagt Katrin Sprenger, Verantwortliche der AXA Cyber-Präventionsservices. «Ob für Klicks, für Cyberbetrug oder zur gezielten Manipulation von Meinungen: Alle können heute mithilfe von KI realistische Imitate produzieren und weitestgehend unkontrolliert veröffentlichen.»

KI-Inhalte: Skepsis statt Begeisterung
KI-generierte Medieninhalte stossen in der Schweizer Bevölkerung auf wenig Begeisterung. Rund 43 Prozent geben an, solche Inhalte gar nicht gezielt zu konsumieren. Wer KI-Inhalte nutzt, tut dies vor allem zum Lernen (25 %) oder aus Neugier (25 %). Zur Unterhaltung oder zur Information über aktuelle Themen greifen nur 15 respektive 17 Prozent bewusst auf KI-generierte Inhalte zurück.
Ein deutlicher Altersgraben zeigt sich beim Nutzungsverhalten: Während 29 Prozent der 18- bis 35-Jährigen angeben, KI-Inhalte nie gezielt zu konsumieren, liegt dieser Anteil bei den über 55-Jährigen bei über der Hälfte. Zudem finden rund 40 Prozent der Befragten, dass die wachsende Präsenz von KI-Inhalten die Attraktivität sozialer Medien verringert – nur ein Drittel sieht eine Zunahme. Sogenannter AI Slop – offensichtlich KI-generierte Bilder oder Videos mit visuellen Verzerrungen – findet bei rund zwei Dritteln keinen Anklang.
Besonders gravierend ist die wahrgenommene Bedrohung für die Glaubwürdigkeit von Informationen: 61 Prozent stufen diese als grosse Herausforderung ein (Skalenwert 5). Auch die politische Meinungsbildung (51 %) und die Transparenz bei der Erstellung von KI-Inhalten (51 %) werden von einer Mehrheit als gewichtige Probleme eingeschätzt. Ein beträchtlicher Anteil der Befragten gibt zudem an, Mühe zu haben, KI-generierte Texte (65 %), KI-Bilder (53 %) oder KI-Audioinhalte (49 %) als solche zu erkennen.
«Die Technologien werden laufend besser. Zu lernen, KI-generierte Inhalte zu erkennen, kann deshalb nicht das Ziel sein», so Sprenger. «Wir sollten digitale Inhalte grundsätzlich auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen, bevor wir ihnen Vertrauen schenken.»
Klares Votum für Kennzeichnungspflicht und Plattformverantwortung
Die Forderung nach mehr Regulierung ist eindeutig: 94 Prozent der Befragten befürworten eine Pflicht für digitale Plattformen, KI-generierte Inhalte explizit als solche zu kennzeichnen. Ab August 2026 verpflichtet der EU AI Act grosse Plattformen zu genau dieser Massnahme.
Ebenfalls klar ist, wer aus Sicht der Bevölkerung die Verantwortung tragen soll: 70 Prozent sehen die Betreiber digitaler Plattformen – also Unternehmen wie Google oder Meta – in der Hauptverantwortung für den sicheren Umgang mit KI-Inhalten. 55 Prozent sehen auch die Entwickler von KI-Modellen in der Pflicht, 44 Prozent erwarten Massnahmen von nationalen Behörden und der Politik. Michael Hermann, Leiter von Sotomo, kommentiert: «Von der Vorstellung des eigenverantwortlichen Umgangs mit digitalen Plattformen ist man abgerückt.»

Personalisierte Algorithmen stossen auf Ablehnung
Nicht nur KI-Inhalte selbst, sondern auch die algorithmischen Mechanismen dahinter stossen auf Missfallen. 69 Prozent der Befragten bewerten es negativ, dass soziale Medien Inhalte auf Basis des Nutzungsverhaltens personalisieren. Besonders ausgeprägt ist die Ablehnung bei den über 55-Jährigen, von denen 80 Prozent die Personalisierung als negativ einstufen. «Viele digitale Plattformen sind bewusst so gestaltet, dass sie unsere Aufmerksamkeit möglichst lange fesseln», sagt Katrin Sprenger. «Ein Beispiel dafür sind personalisierte Algorithmen, die unser Nutzungsverhalten analysieren und Inhalte ausspielen, die unseren Interessen entsprechen.»
Dennoch führt die inhaltliche Anpassung nicht zu durchwegs positiven Nutzungserlebnissen: Knapp ein Fünftel (19 %) der Befragten gibt an, sich nach der Nutzung sozialer Medien häufiger schlecht als gut zu fühlen. 49 Prozent fühlen sich gleich häufig gut wie schlecht. Nur beim Streaming von Audioinhalten wie Musik oder Podcasts überwiegen die positiven Gefühle klar: 80 Prozent geben an, sich danach häufiger gut zu fühlen.
Bildschirmzeit: Wunsch nach Reduktion wächst

Gut die Hälfte der Schweizer Bevölkerung (52 %) würde gerne weniger Zeit an privaten digitalen Geräten verbringen – sechs Prozentpunkte mehr als noch im Vorjahr (46 %). Besonders deutlich ist dieser Wunsch bei den 18- bis 35-Jährigen: Zwei Drittel von ihnen möchten ihre private Bildschirmzeit reduzieren, jede fünfte junge Person sogar «klar weniger». Demgegenüber geben nur 5 Prozent aller Befragten an, mehr Zeit an ihren Geräten verbringen zu wollen.
Zwei Drittel der Bevölkerung (68 %) nutzen ihr privates Mobiltelefon häufig ohne konkreten Anlass – einfach zum Zeitvertreib oder aus Gewohnheit. Bei den unter 36-Jährigen sind es gar 84 Prozent. Um die eigene Nutzungszeit zu regulieren, ergreift ein Grossteil aktiv Massnahmen: 46 Prozent verzichten bewusst auf bestimmte Apps oder Plattformen, 27 Prozent schränken Benachrichtigungen ein, 26 Prozent ersetzen digitale durch analoge Aktivitäten.
Die Umsetzung dieser selbst auferlegten Regeln fällt jedoch nicht allen gleich leicht: 34 Prozent geben an, Schwierigkeiten damit zu haben. Bei den 18- bis 35-Jährigen ist es knapp die Hälfte (49 %), die angibt, sich nur schwer an die eigenen Vorsätze halten zu können. Damit reiht sich dieses Ergebnis in ein konsistentes Bild ein: Die erste Generation der «Digital Natives» hat deutlich mehr Mühe, ihre Bildschirmzeit zu kontrollieren, als ältere Personen, die ohne Smartphone aufgewachsen sind.
Quelle: www.axa.ch
A propos KI-Inhalte: Dieser Beitrag wurde durch die Redaktion mit KI-Unterstützung erstellt.


