Hupac hält Kurs: Gewinn trotz Infrastrukturproblemen
Die Hupac Gruppe schliesst das Geschäftsjahr 2025 mit einem Gewinn von CHF 3,5 Millionen ab und steigert die Transportvolumen um 4,3 Prozent. Trotz anhaltender Baustellen auf dem Schienennetz setzt das Unternehmen auf innovative Konzepte und gezielte Investitionen, um den Kombinierten Verkehr zu stabilisieren und langfristig zu stärken.

Das Geschäftsjahr 2025 hat die Hupac Gruppe vor erhebliche Herausforderungen gestellt. Trotzdem weist das Unternehmen ein positives Gruppenergebnis aus und schliesst das Jahr mit einem Gewinn von CHF 3,5 Millionen ab. Die Transportvolumen konnten um 4,3 Prozent gesteigert werden. Im Kerngeschäft des transalpinen Verkehrs durch die Schweiz betrug das Wachstum 4,5 Prozent, auch dank der Übernahme von Verkehren auf der Achse Belgien-Italien. Weiterhin belastet die Situation der Bahninfrastruktur die Entwicklung des Kombinierten Verkehrs. Stabilisierende Massnahmen tragen dazu bei, den Marktteilnehmenden eine verlässliche Zukunftsperspektive zu geben.
Das Jahr im Überblick
Im vergangenen Jahr beförderte die Hupac Gruppe rund 975.000 Strassensendungen bzw. 1.853.000 TEU im Kombinierten Verkehr Strasse/Schiene und im maritimen Hinterlandverkehr. Dies entspricht einer Steigerung von 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im transalpinen Verkehr durch die Schweiz konnte Hupac das Volumen um 4,5 Prozent auf rund 560.000 Sendungen steigern, unter anderem dank der Übernahme von Verkehren auf der Achse Belgien-Italien. Die transalpinen Verkehre via Frankreich und Österreich stiegen auf tiefem Niveau um 26,9 Prozent auf rund 25.000 Sendungen. Im nicht-transalpinen Verkehr wurden die Mengen um 2,9 Prozent auf knapp 390.000 Sendungen gesteigert.
Diese Entwicklung ist vor dem Hintergrund der anhaltenden Baustellen auf dem Schienennetz positiv zu bewerten. Eine hohe Bautätigkeit mit zeitweise vollständigen Streckensperrungen hat die Leistungsfähigkeit der Schieneninfrastruktur erheblich beeinträchtigt. Dennoch konnte Hupac den Umsatz im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr um 3,1 Prozent auf CHF 646 Millionen steigern. Der Umsatz liegt unter der Volumenentwicklung, was auf die negativen Auswirkungen der Wechselkurse zurückzuführen ist. Die Kosten für erbrachte Leistungen stiegen stärker als die Erlöse, was zu einem leichten Rückgang der Bruttogewinnmarge um 0,6 Prozentpunkte auf 21,6 Prozent führte. Dank ergebnissichernden Massnahmen konnte Hupac das Gruppenergebnis in einem herausfordernden Umfeld mit einer EBIT-Marge von 1,9 Prozent und einem Gewinn von CHF 3,5 Millionen (Vorjahr CHF 9,4 Millionen) auf einem zufriedenstellenden Niveau halten.
Strategische Fortschritte in den Kernmärkten
Der Fokus von Hupac liegt auf der Stärkung der Position in den Kernmärkten und strategischen Korridoren. Zu diesem Zweck wurden im vergangenen Jahr strategische Initiativen lanciert, die nun Wirkung zeigen und für Kunden zu einer höheren Resilienz des Angebots führen.
Mit dem Konzept RadicalShift2Rail reagiert Hupac auf die zunehmenden baustellenbedingten Verspätungen im Schienennetz. Verkehrsströme werden dabei verstärkt auf wenige leistungsfähige Terminals gebündelt und zwischen diesen mit hochfrequenten Shuttle-Zügen mit vier bis sechs Abfahrten pro Tag und Richtung transportiert. Auf den Fahrplanwechsel Ende 2025 wurden mit Köln Nord–Busto Arsizio und Ludwigshafen–Busto Arsizio die ersten Verbindungen lanciert. Die wöchentlichen Frequenzen liegen bei je 25 bis 30 Zugspaaren und können bei Bedarf weiter erhöht werden. Nach einem Quartal zeigen sich positive Entwicklungen bei der Pünktlichkeit und der Resilienz; auch die Produktivität der Assets aller Beteiligten wird verbessert. Mit dem Fahrplanwechsel Ende 2026 werden weitere hochfrequente Angebote eingeführt.
Dieser innovative Ansatz führt zu einer Stabilisierung des Kombinierten Verkehrs und verbessert die Planungssicherheit für Kunden und Partner. Er erfordert eine strategische Zusammenarbeit mit den Eisenbahnverkehrsunternehmen, etwa um gemeinsame Anliegen gegenüber den Infrastrukturbetreibenden wirkungsvoll zu vertreten. Grossbaustellen und Umleiterverkehre müssen länder- und unternehmensübergreifend im Rahmen einer gemeinsamen Mehrjahresplanung optimiert werden, damit die geplanten Transportvolumen verlässlich abgewickelt werden können.
In der Business Unit Shuttle Net konnten Anfang 2026 dank dem neuen Produkt Duisburg–Novara und der Stärkung der Verbindung Basel–Busto Arsizio weitere Marktanteile gewonnen werden (+50 Prozent Basel–Busto Arsizio). Mit beiden Produkten ist es Hupac gelungen, einen Teil der bisherigen Verkehre der Ende 2025 eingestellten «Rollenden Landstrasse» auf den unbegleiteten Kombinierten Verkehr zu verlagern und Volumen auf der Schiene zu halten.
Verkehrsverlagerung Schweiz: Trendwende in Sicht
Hupac setzt weiterhin einen Schwerpunkt auf die Entwicklung des Kombinierten Verkehrs im Alpentransit durch die Schweiz. Mit rund 560.000 Strassensendungen bzw. 11 Millionen Nettotonnen erreichte Hupac im Jahr 2025 eine Steigerung von rund 24.000 Sendungen und konnte damit ihre Position als Marktführerin auf dem bedeutendsten Korridor des Kombinierten Verkehrs in Europa ausbauen.
Nachdem die Verlagerung von der Strasse auf den Kombinierten Verkehr drei Jahrzehnte lang erfolgreich voranschritt, hat der Trend vor vier Jahren gedreht. Seit 2022 ging das Volumen des alpenquerenden Kombinierten Verkehrs um 11 Prozent zurück, während der Strassentransport im gleichen Zeitraum um 4 Prozent zulegte. Mit der Einstellung der «Rollenden Landstrasse» Ende 2025 dürfte sich diese Entwicklung fortsetzen.
Die Hauptursache für diese negative Entwicklung sieht Hupac bei der Erneuerung der Schieneninfrastruktur. Auch im Jahr 2025 stand das Thema Baustellen im Zentrum des europäischen Schienengüterverkehrs. In den nächsten zwei Jahren sind auf dem Nord-Süd-Korridor noch grössere Baustellen geplant. Ohne Gegenmassnahmen drohen weitere Rückschritte bei einem wichtigen verkehrspolitischen Ziel der Schweiz.
Hupac will mit innovativen Transportkonzepten sowie einer Vertiefung der partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit den Eisenbahnverkehrsunternehmen und den Infrastrukturbetreibenden einen Beitrag leisten, um den negativen Verlagerungstrend zu brechen. Ab 2029, wenn die grossen Baustellen auf dem Rhein-Alpen-Korridor abgeschlossen sein werden, rechnet Hupac mit neuen Wachstumschancen.
Politik bietet Hand
In dieser herausfordernden Situation ist es wichtig, dass bei den politischen Rahmenbedingungen Verlässlichkeit besteht. Die Schweiz geht mit gutem Beispiel voran: Das Parlament hat im Frühling 2026 entschieden, die Betriebsbeiträge für den alpenquerenden Kombinierten Verkehr über das Jahr 2030 hinaus zu verlängern. Das schafft Planungssicherheit und trägt wesentlich dazu bei, dass alle Parteien in der intermodalen Kette die notwendigen Investitionen tätigen können, um den Kombinierten Verkehr auf die Erfolgsspur zurückzubringen.
Hupac investiert in die Zukunft
Hupac ist überzeugt, ab dem Jahr 2029 mit dem Abschluss der grossen Bauarbeiten auf der deutschen Rheintalachse und in Norditalien wieder auf den Wachstumspfad zurückzukehren. Mit Piacenza (Inbetriebnahme 2025) und Milano Smistamento (geplante Eröffnung 2027) investiert Hupac gezielt in neue, leistungsfähige Terminalinfrastrukturen. Damit wird der Ausbau weiterer hochfrequenter Angebote als zentraler Baustein der langfristigen Wachstumsstrategie ermöglicht.
Zusätzlich erweitert Hupac das Netzwerk auch in westlicher Richtung. Anfang 2026 hat das Unternehmen das Terminal Barcelona Combiconnect in Betrieb genommen und damit die Iberische Halbinsel an das europäische Intermodalnetz angebunden. Hupac sieht im Transportmarkt von und nach Spanien, der bis heute durch den Strassentransport dominiert wird, erhebliches Potenzial für den Kombinierten Verkehr.
Zurückhaltender Ausblick
Die aktuelle geopolitische Situation macht es schwierig, konkrete Aussagen zum erwarteten Geschäftsverlauf 2026 zu machen. Der Einfluss des Konflikts im Nahen Osten ist spürbar, und die Auswirkungen dürften in den kommenden Monaten je nach Verlauf noch wesentlich deutlicher werden. Das Risiko einer deutlichen weltweiten wirtschaftlichen Abkühlung ist sehr real. Vor diesem Hintergrund ist Hupac zurückhaltend bezüglich des kurzfristigen Wachstumspotenzials.
Die Rahmenbedingungen für den Kombinierten Verkehr dürften in den kommenden zwei Jahren eher herausfordernd bleiben. Eine deutliche Verbesserung im Kernmarkt wird für 2029 erwartet. Hupac will mit resilienteren Marktangeboten dank der vermehrten Nutzung des linksrheinischen Korridors, engeren Partnerschaften und gezielten Investitionen – besonders in die digitale Transformation der intermodalen Transportkette – dazu beitragen, die Verlässlichkeit und Marktfähigkeit des Kombinierten Verkehrs zu steigern. Mit dem Ausbau der Terminalinfrastruktur schafft Hupac die Voraussetzungen, um in Zukunft wieder auf einen stetigen Wachstumspfad einzuschwenken.
Weitere Informationen: www.hupac.com
















Felix Graf, neuer Verwaltungsratspräsident von APG|SGA. (Bild: Karin Hofer / NZZ)[/caption]