EMCH Aufzüge: Erfolgreiche Nischenstrategie

EMCH Aufzüge: Seit 150 Jahren revolutioniert das Schweizer Traditionsunternehmen den Liftbau. Erfolg? Nischenstrategie, Top-Qualität und Menschlichkeit!

Rooftop-Lift in einem Gebäude an der Avenue Kléber in Paris. Der Clou: Der Fahrstuhl gelangt durch eine Klappe im Dach ins Freie (rechts). © EMCH Aufzüge
Rooftop-Lift in einem Gebäude an der Avenue Kléber in Paris. Der Clou: Der Fahrstuhl gelangt durch eine Klappe im Dach ins Freie (rechts). © EMCH Aufzüge

Wer kennt ihn nicht, den markanten Schrägaufzug im Zürcher Hauptbahnhof? Die wenigsten wissen, dass es sich dabei um einen ganz in der Schweiz hergestellten Lift handelt. Wir steigen ein in die Geschichte der Firma EMCH Aufzüge AG, die seit vier Generationen von derselben Familie geführt wird. Mit Weitblick für Innovation hat sich das Unternehmen zum landesweit und europaweit führenden Hersteller von massgeschneiderten Aufzügen entwickelt.

Bald 150 Jahre Firmentradition

Zum 50 Jahr-Standortjubiläum am heutigen Ort Bern-Bümpliz 2018 hat EMCH Aufzüge AG ein besonderes Fach- und Sachbuch erstellt und im Berner Stämpfli Verlag herausgegeben: «Liftfahrt – eine Zeitreise». Nicht nur technisch Interessierte erfahren, wie vielseitig sich die vertikale Erschliessung gestalten kann, wie etwa Elemente wie Schneckengetriebe, Riemen- und Hydraulikantriebe in Fahrstühlen und Liften funktionieren. Unbestritten ist, dass sich EMCH Aufzüge durch Eleganz und zeitlose Ästhetik auszeichnen, mit der die Firma aus der Stadt Bern seit 146 Jahren Pionierarbeit leistet.

Mit dem Umzug nach Bern Bümpliz im Jahre 1968 beginnt für das Unternehmen eine neue Ära. Die Fabrikation wird nun unter günstigeren Bedingungen und mit komplett erneuertem Maschinenpark weiterentwickelt. Jürg Emch setzt sich zum Ziel, alle Personenaufzüge mit automatischen Kabinen- und Schachttüren auszurüsten. Unterschiedliche Etagenhöhen erfordern dabei eine spezielle Ansteuerung der einzelnen Zugänge. Bei der späteren Aufstockung des Bürogebäudes um zwei Etagen wird der Grundriss des Haus-Aufzuges mit einer Glaskonstruktion und Glastüren vergrössert. Der Aufzug war nun auch rollstuhlgängig und das Gebäude behindertengerecht erschlossen.

«Agil und massgeschneidert handeln»

Herr Emch, der Beginn für Grossaufträge erfolgte 1970, also kurz bevor Ihr Vater Jürg die Firma mit 36 Jahren übernahm. Im selben Jahr installierte EMCH Aufzüge auch den 1000sten Lift. Was sind weitere herausragende Fähigkeiten, Leistungen und Meilensteine Ihres Vaters? Bernhard Emch: Unser Vater hat nicht nur als Geschäftsführer, vielmehr auch als Mensch und Ingenieur Massstäbe gesetzt. Unsere Eltern haben uns von klein auf Werte wie Respekt, Ehrlichkeit, Durchhaltevermögen, Selbstdisziplin, Fleiss und Mut vermittelt – und genau diese Prinzipien hat unser Vater konsequent ins Unternehmen eingebracht. Als hervorragender Ingenieur war er oft seiner Zeit voraus und hat schon früh innovative Lösungen für Aufzüge entwickelt, die es so noch nicht gab.

Vor 24 Jahren übernahmen Sie, unterstützt von Ihrem Bruder Hansjürg, das Familienunternehmen von Ihrem Vater Jürg. Trotz landesweiter Konjunkturabschwächung gelang es Ihnen danach, den Umsatz um über 50 Prozent zu steigern und 100 zusätzliche Arbeitsstellen zu schaffen. Was waren Basis und Gründe für diesen guten Start und die nachfolgende sehr erfolgreiche Zeit bis heute?

Die Köpfe hinter EMCH Aufzüge: Bernhard Emch (links) und Hansjürg Emch. © EMCH Aufzüge
Die Köpfe hinter EMCH Aufzüge: Bernhard Emch (links) und Hansjürg Emch. © EMCH Aufzüge

Bernhard Emch: Ein entscheidender Faktor war sicherlich, dass wir die von unserem Vater etablierte Strategie mit der Qualität einer Schweizer Produktion konsequent auf den Nischenmarkt zu konzentrieren, weitergeführt haben. Dadurch konnten wir uns klar vom bestehenden Wettbewerb abheben und spezifische Kundenbedürfnisse gezielt adressieren. Diese Spezialisierung erlaubte uns auch, das Marktgebiet zu erweitern – zuerst von Bern in die ganze Schweiz und danach immer häufiger ins Ausland. Was sind die Stärken von EMCH Aufzüge? Und: Bedingt die Nischentätigkeit auf das Besondere in Sachen Planung, Prozess und Abläufe bestimmt auch spezielle Herausforderungen? Unsere Stärke ist, die gesamte Wertschöpfung vor Ort in Bern zu haben. Das gibt uns die notwendige Flexibilität, um individuell auf alle Kundenwünsche einzugehen. Gerade im Nischenbereich ist diese Nähe zu Entwicklung, Produktion und Kunden ein entscheidender Vorteil. So können wir innovative Lösungen anbieten und auch bei komplexen Projekten agil und massgeschneidert handeln. Der Vertrieb von Individualanlagen verlangt auch spezielles Knowhow, das wir uns nun seit bald 150 Jahren angeeignet haben.

Von Bümpliz in die weite Welt

EMCH Aufzüge füllen bis heute eine typische Schweizer Nische im internationalen Wirtschaftsraum, nämlich die des verlässlichen Partners mit stets innovativen Neuerungen. Chef Bernhard Emch: «Wir sind ein internationales Unternehmen geworden, das nach wie vor alles hier an der Fellerstrasse in Bern-Bümpliz produziert. Also von Bümpliz in die weite Welt.» Die lokale Verankerung und die internationale Ausrichtung verschmelzen so zu einem modernen Unternehmen mit traditionellen Werten. Der CEO betont: «Wir setzen nicht nur auf Qualität, uns sind die Menschen ebenso wichtig. Das beginnt in erster Linie bei den Mitarbeitenden, deren Aus- und Weiterbildung und damit auch dem dualen Bildungssystem. Also: Menschen statt pures Management – Menschlichkeit statt einseitiges Machtgefälle.»

Mitarbeiterausbildung minimiert Fachkräftemangel

Und beim Thema Fachkräftemangel ist für Bernhard Emch klar: «Ein Unternehmen muss ausbilden und Chancen ermöglichen. Wir begegnen dem Fachkräftemangel mit eigenen Ansätzen und Lösungen.» Und die haben es in sich: «Wir veranstalten regelmässig Elternanlässe, an denen wir nicht nur uns vorstellen, sondern auch aufzeigen, was wir können und was wir ausbilden. Noch glauben viele Eltern, dass nur ein Hochschulstudium ihr Kind gut durchs Leben trägt. Da frage ich jeweils, wie viele unserer 250 Mitarbeitenden einen akademischen Abschluss gemacht haben. Die Antworten liegen jeweils zwischen 25 und 30. Die Eltern staunen dann, wenn ich ihnen sage, es seien bloss vier.» Emch geht es darum, aufzuzeigen und zu verinnerlichen, dass das Schweizer Lehr- und Ausbildungssystem internationale Spitzenklasse ist. Sein Plädoyer für den erfolgreichen Schweizer Berufsweg, den es zu erhalten und zu pflegen gilt, schliesst Bernhard Emch mit den Worten: «Ohne dieses bis heute noch immer erfolgreiche duale Bildungssystem stünde unsere Firma nicht da, wo wir heute sind.»

Wie bereits erwähnt, machte die Internationalisierung auch bei EMCH nicht halt. Besonders die Westschweiz und Frankreich haben es dem Firmenchef angetan. So hört man am Firmensitz in Bümpliz oft auch Französisch. EMCH könnte in Frankreich vermutlich das Doppelte verkaufen, wenn es denn die Kapazität zuliesse. Bernhard Emch weiss, warum: «Es gibt in Frankreich fast nur noch Grosskonzerne. Man sucht dort spezialisierte Firmen, die individuelle Lösungen anbieten, vergebens. Deshalb setzen viele auf uns.» EMCH Aufzüge ging mitten in der Pandemiezeit einen mutigen Weg und eröffnete in Paris eine Tochtergesellschaft. Auslöser war nicht zuletzt der Auftrag für einen spektakulären Aufzug im Pariser 16e Arrondissement – dort, wo der Rooftop-Lift einfach weiterfährt, die Dachfläche durchstösst und unter freiem Himmel zu stehen kommt. Mit einer einmaligen Aussicht auf die Stadt, so etwas wie ‚Über den Dächern von Paris‘.

Internationale Märkte und zwei besondere Aufzüge

Zehn Kilometer südlich von Bern in der Hügellandschaft steht auf knapp 1000 m ü. M. die vor drei Jahren gebaute Sternwarte «Space Eye» mit dem markanten, 12 Meter hohen, ellipsenförmigen Turm – von Mario Botta geplant. Weisse, horizontal gezackte Betonelemente umspannen den weit sichtbaren Turm mit seiner Planetariumskugel auf dem Dach, die das grösste Teleskop der Schweiz enthält. Auch hier im öffentlich zugänglichen Observatorium für Weltraum und Umwelt gibt es einen ganz speziellen Aufzug aus dem Hause EMCH: einen versenkbaren Lift, der den Schacht gleich selbst mitbringt. Bernhard Emch zu den beiden aussergewöhnlichen Aufzügen in Paris und dem Space Eye: «Eine besondere Herausforderung bei diesen Projekten war es, einen Lift zu konstruieren, bei dem der Liftschacht zuoberst nur temporär existiert. Damit dieser die Sicht nicht beeinträchtigt – insbesondere bei der Sternwarte ‚Space Eye‘ von Botta, wo eine uneingeschränkte Rundumsicht für das Teleskop zentral ist. Wir fanden eine innovative Lösung, bei der der Aufzug im eingefahrenen Zustand unsichtbar bleibt.»

«In unseren Adern fliesst Ingenieurblut»

In jedem Familienunternehmen stellt sich früher oder später die Frage: Macht die nächste Generation weiter? Bernhard Emch war ja schon während des Studiums klar, dass er dereinst die Nachfolge von Vater Jürg antreten wird. Und wie war es bei Ihnen, Hansjürg Emch? Hansjürg Emch: Wir, mein Bruder Bernhard und ich, sind beide Ingenieure geworden, und das war kein Zufall. In unseren Adern fliesst seit Generationen Ingenieurblut. Ich habe mir verschiedene Studienrichtungen angeschaut: Geschichte und Philosophie. Dann las ich Max Frischs «Homo faber» und fand es faszinierend, Ingenieur zu werden. Man kann in der ganzen Welt herumreisen und Probleme lösen. Ausserdem musste ich für das Studium nach Zürich, kam also von zu Hause weg.

Ein oft gehörter Grund für das Misslingen von Familiennachfolgen ist, dass der ausgewählte oder auserwählte Nachfolger vielfach mit der Chefrolle überfordert ist. Wie war es bei Ihnen, Bernhard Emch? Bernhard Emch: Ich war vorsichtig und tastete mich sukzessiv an die grosse, neue Aufgabe heran. Zuerst baute ich das Projektmanagement auf, und für eine Weile arbeitete ich noch an der Seite meines Vaters. Das war der Testlauf, ob ich überhaupt geeignet war, die Firma erfolgreich weiterzuführen. Ein weiterer Vorteil war auch, dass ich viele Mitarbeitende bereits kannte.

Wenn man das Familienfoto im Jubiläumsband betrachtet, muss man sich also keine Gedanken zur Nachfolge in die fünfte Generation machen, oder? Bernhard Emch: Das werden wir sehen. Von der vierten Generation gibt es insgesamt zehn Kinder. Wer schliesslich will und die notwendigen Voraussetzungen mitbringt, ist noch offen.

 

Buchtipp:

«Liftfahrt – eine Zeitreise» von Simone Bammatter, Stämpfli Verlag Bern, 59 Franken, oder direkt bei EMCH Aufzüge AG, Bern-Bümpliz.

 

Autor

Angelo Zoppet-Betschart ist freier Journalist zu Bau- und Architektur-Themen.

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John Feigl wird neuer CFO der Faigle

Per 1. März 2026 übernimmt John Feigl die Position des Chief Financial Officer (CFO) der Faigle. Als Mitglied der Geschäftsleitung verantwortet er die Bereiche Finanzen und Controlling sowie die finanzielle Steuerung der Faigle Gruppe.

John Feigl wird per 1. März 2026 neuer Chief Financial Officer (CFO) der Faigle AG. (Quelle: zvg)
John Feigl wird per 1. März 2026 neuer Chief Financial Officer (CFO) der Faigle. (Quelle: zvg)

Per 1. März 2026 übernimmt John Feigl die Position des Chief Financial Officer (CFO) der Faigle. Als Mitglied der Geschäftsleitung verantwortet er die Bereiche Finanzen und Controlling sowie die finanzielle Steuerung der Faigle Gruppe.

Erfahrener Finanzexperte für zukunftsorientierte Entwicklung

«Mit John Feigl gewinnen wir einen erfahrenen Finanzspezialisten, der unsere Geschäftsleitung ideal ergänzt», kommentiert Armin Bäbler, CEO der Faigle. «Seine Expertise in der Steuerung komplexer Projekte wird uns dabei unterstützen, die Faigle Gruppe finanziell solide und zukunftsorientiert weiterzuentwickeln. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit.»

John Feigl verfügt über langjährige Erfahrung in der Finanzführung sowie bei komplexen Unternehmens-Transaktionen (M&A) und Transformationsprojekten. Er hat einen Abschluss an der Universität St. Gallen und den CFA Charter. Zuletzt war er als CFO der Graphax tätig, wo er zur positiven Unternehmensentwicklung beitrug. Zuvor begleitete er als CFO der Spectroplast den Aufbau und die Skalierung eines Unternehmens im Bereich der additiven Fertigung (3D-Druck).

Stärkung der finanziellen Führung

Mit der Verpflichtung von John Feigl stärkt die Faigle ihre finanzielle Führung und die fachliche Begleitung der weiteren Unternehmensentwicklung.

Faigle, ein inhabergeführtes Familienunternehmen, ist der grösste herstellerunabhängige Anbieter von Managed Print Services der Schweiz und ist führender Partner für Geschäftsprozessdigitalisierung, Managed Print Solutions und Business Process Outsourcing. Faigle unterstützt Unternehmen, ihre Potenziale der digitalen Transformation auszuschöpfen. Dabei denkt und handelt Faigle zukunftsorientiert und kombiniert Expertise mit einem einzigartigen Lösungsspektrum. Dank der nunmehr 90-jährigen Erfahrung kennt Faigle die Bedürfnisse der Kunden und entwickelt mit ihnen gemeinsam massgeschneiderte Lösungen, welche sie im Geschäftsalltag unterstützen.

www.faigle.ch

Schweizer Tech-Industrie: Zwischen Stagnation und Standorttreue

Die Schweizer Tech-Industrie hat 2025 ein verlorenes Jahr hinter sich. Hohe US-Zölle und schwache Exportmärkte führten zu Stagnation bei Umsätzen und Exporten. Trotz volatiler Weltlage halten die Unternehmen am Standort Schweiz fest und planen weitere Investitionen.

Die präzise Fertigung komplexer Komponenten wie diese kennzeichnet die Schweizer Tech-Industrie, die 2025 trotz Stagnation erste Erholungssignale zeigte und am Standort Schweiz festhält. (Quelle: zvg)
Die präzise Fertigung komplexer Komponenten wie diese kennzeichnet die Schweizer Tech-Industrie, die 2025 trotz Stagnation erste Erholungssignale zeigte und am Standort Schweiz festhält. (Quelle: zvg / Unsplash.com)

Die Schweizer Tech-Industrie hat ein verlorenes Jahr hinter sich. 2025 war geprägt von hohen US-Zöllen und schwachen Exportmärkten. Umsätze (-0,3%) und Güterexporte (+0,7%) stagnierten. Erste Erholungssignale bei den Auftragseingängen (+1,4%) sind zwar kleine Lichtblicke. Doch die volatile Weltlage, die unberechenbare US-Zollpolitik, der starke Franken und die Abschottungstendenzen der EU bringen auch 2026 grosse Herausforderungen und Risiken mit sich. Dennoch zeigt eine aktuelle Umfrage von Swissmem: Die Unternehmen halten am Standort Schweiz fest und planen hierzulande weiter zu investieren.

Umsätze stagnieren, leichte Erholung im zweiten Halbjahr

Die Umsätze in der Schweizer Tech-Industrie (Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie sowie verwandte Technologiebranchen) verharrten 2025 praktisch auf dem Vorjahresniveau (-0,3%). Nach einem schwachen ersten Halbjahr mit einem deutlichen Umsatzrückgang (-2,5%) setzte im Vergleich zu den Vorjahresperioden im dritten (+3,0%) und vierten Quartal (+1,1%) eine leichte Erholung ein.

Die Auftragseingänge entwickelten sich nur bescheiden. Sie erhöhten sich 2025 insgesamt um 1,4 Prozent. Immerhin verlief das zweite Halbjahr besser als das erste. Gegenüber den jeweiligen Vorjahresquartalen erhöhten sich die Aufträge sowohl im dritten Quartal (+5,4%) wie auch im vierten Quartal (+5,0%). Das sind kleine Lichtblicke. Zudem stieg die Kapazitätsauslastung in den Betrieben erstmals seit zehn Quartalen wieder leicht an. Sie erreichte im vierten Quartal 81,5 Prozent, nachdem sie vorher auf 80,7 Prozent abgesunken war. Damit liegt sie aber noch immer deutlich unter dem langjährigen Mittel von 85,6 Prozent. Die Anzahl Mitarbeitende in der Tech-Industrie betrug im vierten Quartal 2025 322’900. Das sind 6’600 weniger als im Vorjahr.

EU-Geschäft kompensiert Exportverluste in die USA und nach Asien

Im Vergleich zum Vorjahr stagnierten 2025 die Güterexporte der Tech-Industrie (+0,7%) und erreichten einen Wert von 68,1 Milliarden Franken. Bei den wichtigsten Warengruppen sanken die Ausfuhren bei Maschinen, Apparaten und mechanischen Geräten um 3,5 Prozent sowie bei Metallen und Metallwaren um 0,6 Prozent. Hingegen stiegen sie bei den Schienen-, Strassen- und Luftfahrzeugen um 14,9 Prozent, bei elektrischen Maschinen, Apparaten und anderen elektrotechnischen Waren um 3,0 Prozent sowie bei den Mess-, Prüf- und Präzisionsinstrumenten um 0,5 Prozent.

Die wichtigsten Absatzmärkte entwickelten sich unterschiedlich. Aufgrund der hohen Zölle ist der starke Rückgang der Exporte in die USA (-7,6%) wenig überraschend. Allein im vierten Quartal sanken sie um 18 Prozent. Auch die Ausfuhren nach Asien waren 2025 rückläufig (-2,9%), wobei die negative Entwicklung des chinesischen Marktes (-11,2%) besonders ins Gewicht fällt. Der sichere Anker für die Exporte der Tech-Industrie war einmal mehr der EU-Markt, wohin die Güterausfuhren um 3,5 Prozent anstiegen.

Stimmungsaufhellung mit diversen Vorbehalten

«2025 war ein verlorenes Jahr für die Schweizer Tech-Industrie», sagt Martin Hirzel, Präsident Swissmem. «Die Unternehmen haben sich angesichts des brutalen Umfeldes mit horrenden US-Zöllen und weltweiter Zurückhaltung bei Investitionen aber sehr gut geschlagen.» Die Erwartungen für 2026 sind durchzogen. Bei den Bestellungen hat im zweiten Halbjahr 2025 ein leichter Rückenwind eingesetzt, und der PMI der Industrie weist in wichtigen Märkten, insbesondere in Europa, auf ein Wachstum hin.

Auch die Stimmung der Unternehmerinnen und Unternehmer hat sich leicht aufgehellt. In der jüngsten Umfrage gehen 32 Prozent der Firmen in den nächsten zwölf Monaten von steigenden Aufträgen aus dem Ausland aus. 45 Prozent erwarten eine unveränderte Entwicklung, und 23 Prozent rechnen mit einem Rückgang. Allerdings lässt sich noch nicht abschätzen, ob sich dieser positive Trend fortsetzen oder ein kurzes Strohfeuer bleiben wird. «Die Herausforderungen und Risiken bleiben gross», warnt Martin Hirzel. «Ich denke dabei an die generell unsichere Weltlage mit vielen offenen und schwelenden Konflikten, die unberechenbare US-Zollpolitik, den starken Schweizer Franken und die jüngsten Abschottungstendenzen der EU. Sorgen bereitet mir zudem, dass im Parlament das Verständnis für die Bedeutung unserer Standortvorteile zu fehlen scheint.»

Standortvorteile sichern Investitionen in der Schweiz

Trotz der zuletzt schwierigen Jahre haben die Unternehmen der Tech-Industrie am Standort Schweiz festgehalten. Das zeigt eine Befragung der Swissmem Mitgliedfirmen von Anfang 2026. So haben in den letzten drei Jahren 88 Prozent der Unternehmen in der Schweiz investiert – vor allem in den Ausbau und Modernisierung von Produktionskapazitäten, in die Entwicklung und Herstellung neuer Produkte sowie in die Modernisierung der IT und Geschäftsprozesse. Die wichtigsten Gründe, welche für die Schweiz sprechen, sind die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte (79%), die vorteilhaften Arbeitsmarktregulierungen (75%) sowie die guten regulatorischen Rahmenbedingungen (68%). Auch in den kommenden drei Jahren planen 81 Prozent der Firmen in der Schweiz zu investieren.

«Diese Umfrageergebnisse zeigen, dass der Standort Schweiz für die Tech-Industrie nach wie vor attraktiv ist», sagt Stefan Brupbacher, Direktor Swissmem. Aus der Umfrage geht auch klar hervor, welche Standortvorteile die Schweiz unbedingt verteidigen muss, damit dies so bleibt. «Ein wichtiger Schlüssel für den Zugang zu Fachkräften ist die Personenfreizügigkeit mit der EU. Deshalb muss die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» abgelehnt werden, denn sie gefährdet die Personenfreizügigkeit», betont Stefan Brupbacher.

Darüber hinaus bleiben der liberale Arbeitsmarkt und die guten Rahmenbedingungen im Fokus. Dazu gehört, dass das Zollabkommen mit den USA zum Abschluss gebracht werden muss. Zudem muss die Schweiz alles tun, damit sie bei Gegenmassnahmen der EU nicht als Drittstaat behandelt und vom Markt partiell ausgeschlossen wird. Dafür bieten die Bilateralen III die einzig realistische Brücke, auch wenn es in der neuen Welt keine Sicherheiten mehr gibt, so die Auffassung von Swissmem.

Weitere Informationen: https://www.swissmem.ch

Guillaume Leopold neuer Consulting Leader bei EY Schweiz

EY Schweiz ernennt Guillaume Leopold per 1. März 2026 zum neuen Consulting Leader (Non Financial Services). Er folgt auf Urs Indermühle, der im November 2025 zum Consumer and Health Industry Leader bei EY Europe West befördert wurde.

Guillaume Leopold, EY-Partner. Quelle: zvg

Das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen EY Schweiz hat Guillaume Leopold mit Wirkung zum 1. März 2026 zum neuen Consulting Leader (Non Financial Services) ernannt. Er übernimmt die Position von Urs Indermühle, der im November 2025 zum Consumer and Health Industry Leader bei EY Europe West aufgestiegen ist.

Stefan Rösch-Rütsche, Country Managing Partner von EY, gratulierte Guillaume Leopold herzlich zu seiner Beförderung: «Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit. Mit dieser Ernennung ist das Leadershipteam von EY Schweiz bestens aufgestellt für die Zukunft.»

Über 20 Jahre internationale Erfahrung

Guillaume Leopold hat seit seinem Eintritt bei EY im Jahr 2018 massgeblich dazu beigetragen, die Supply Chain & Operations-Kompetenzen auszubauen, die funktionsübergreifende Zusammenarbeit zu stärken und Kundinnen und Kunden durch transformative Herausforderungen in einem zunehmend komplexen globalen Umfeld zu begleiten.

Mit mehr als zwei Jahrzehnten internationaler Erfahrung – darunter auch in verschiedenen Führungsfunktionen in global tätigen Unternehmen – bringt er eine einzigartige Kombination aus strategischer Weitsicht, operativer Exzellenz und tiefem Branchenverständnis in Bereichen wie Konsumgüter, Life Sciences, Supply Chain, Produktion und Procurement mit.

Fokus auf Innovation und Talententwicklung

Guillaume Leopold selbst äusserte sich zur neuen Herausforderung: «Ich freue mich sehr auf diese Herausforderung. Mit meinem Team möchte ich auf unserem starken Fundament im Consulting aufbauen, innovative Lösungen und Zusammenarbeit fördern, unsere Talente weiterentwickeln und unseren Kundinnen und Kunden helfen, ihre strategischen und operativen Ziele in einem sich schnell verändernden Umfeld zu erreichen.»

In seiner Freizeit geht Guillaume Leopold gerne Skifahren, Fischen und Wandern in den Alpen.

www.ey.com

Share of Model – Warum KI-Sichtbarkeit der neue Marketing-KPI ist

Mehr als die Hälfte der Schweizer Konsumenten nutzt KI-Tools für die Produktrecherche – doppelt so viele wie noch vor einem Jahr. Wer in den Antworten von ChatGPT, Perplexity oder Claude nicht auftaucht, verliert Sichtbarkeit. Ein neuer KPI namens «Share of Model» misst genau das – und verändert die Spielregeln im Marketing grundlegend, erklärt Gastautor Lucas Blochberger.

Lucas Blochberger, Founder & CEO bei Blck Alpaca
Lucas Blochberger, Founder & CEO bei Blck Alpaca (Quelle: Blck Alpaca)

Es passiert gerade vor unseren Augen, und doch fehlt es vielen Marketingverantwortlichen an Bewusstsein dafür: Die Art, wie Konsumenten Marken entdecken, verschiebt sich fundamental. ChatGPT verarbeitet heute rund 2,5 Milliarden Prompts täglich und zählt mit 5,7 Milliarden monatlichen Website-Besuchen zu den fünf meistbesuchten Websites weltweit. Perplexity AI beantwortet 780 Millionen Anfragen pro Monat – ein Wachstum von 239 Prozent innerhalb eines Jahres.

Für die Schweiz liefern die Comparis-Daten ein eindrückliches Bild: Der Anteil der Konsumenten, die KI-Tools nutzen, hat sich von 27,4 Prozent (2024) auf 52,9 Prozent (2025) nahezu verdoppelt. Gleichzeitig sinkt die klassische Suchmaschinennutzung seit 2020 um rund vier Prozent. In Deutschland verzeichnet SE Ranking bei fast 64’000 analysierten Websites ein Wachstum des KI-Referral-Traffics von über 700 Prozent – absolut noch klein, aber mit exponentieller Dynamik.

Gartner prognostizierte bereits Anfang 2024, dass das klassische Suchvolumen bis 2026 um 25 Prozent sinken würde. Diese Prognose materialisiert sich: Sogenannte Zero-Click-Suchen, bei denen Nutzer direkt eine KI-generierte Antwort erhalten und nie auf eine Website klicken, machen in Europa bereits 59,7 Prozent aller Google-Anfragen aus. Wenn Googles AI Mode aktiv ist, steigt dieser Wert auf 93 Prozent.

Was Share of Voice nicht mehr reicht

Das Konzept wurde 2024 von Jack Smyth, Chief Solutions Officer bei Jellyfish (The Brandtech Group), geprägt. Tom Roach, VP Brand Planning ebenfalls bei Jellyfish, ordnete es anschliessend in Marketing Week in eine klare Entwicklungslinie ein: Share of Market → Share of Voice → Share of Search → Share of Model. Die Formel ist simpel: Markennennungen durch KI-Modelle geteilt durch die Gesamtnennungen in der Kategorie, ausgedrückt in Prozent.

Der entscheidende Unterschied zu Share of Voice liegt in der Binarität. Suchmaschinen zeigen auch weniger populäre Marken – notfalls auf Seite fünf. KI-Modelle hingegen kennen keine Seite zwei. Wenn eine Marke nicht im Wissensmodell verankert ist, existiert sie in der KI-generierten Realität schlicht nicht. Forscher der Business School INSEAD stellten in Zusammenarbeit mit Jellyfish fest, dass viele etablierte Marken mit hoher Bekanntheit beim Konsumenten überraschend schwach in KI-Antworten vertreten sind – sogenannte «High-Street Heroes», die bei Menschen stark, aber bei Maschinen unsichtbar sind.

Hinzu kommt eine erhebliche Varianz zwischen Modellen. In einer Analyse zeigte die Waschmittelmarke Ariel rund 24 Prozent Share of Model bei Metas Llama, aber weniger als ein Prozent bei Googles Gemini – im selben Markt. Marken müssen also über mehrere KI-Plattformen hinweg gemessen werden.

Wie KI-Modelle entscheiden, welche Marken sie empfehlen

Sprachmodelle operieren über zwei Pfade. Erstens über parametrisches Wissen, das während des Trainings aus grossen Datenmengen gelernt wurde. Zweitens über Echtzeit-Abruf mittels Web-Suche oder Retrieval-Augmented Generation (RAG). Bei ChatGPT werden schätzungsweise 60 Prozent der Anfragen rein aus Trainingsdaten beantwortet – ohne Web-Suche.

Für das parametrische Wissen ist entscheidend, wie häufig und autoritär eine Marke in den Trainingsdaten erwähnt wird. Wikipedia-Inhalte machen rund 22 Prozent der Trainingsdaten grosser Sprachmodelle aus; bei ChatGPT ist Wikipedia mit 47,9 Prozent die meistzitierte Quelle. Der stärkste statistische Prädiktor für KI-Sichtbarkeit ist – entgegen der SEO-Intuition – nicht die Anzahl der Backlinks, sondern das Marken-Suchvolumen. Marken, die auf vier oder mehr Plattformen erwähnt werden, haben eine 2,8-fach höhere Wahrscheinlichkeit, in ChatGPT-Antworten aufzutauchen.

Jede KI-Plattform hat dabei eigene Präferenzen: Perplexity bezieht 46,7 Prozent ihrer Zitate von Reddit. Google AI Overviews stützen sich zu 21 Prozent auf Reddit und zu 18,8 Prozent auf YouTube. ChatGPTs Web-Browsing korreliert zu 87 Prozent mit den organischen Top-Ergebnissen von Bing.

Fünf Hebel für mehr KI-Sichtbarkeit

Die akademisch fundierteste Studie in diesem Feld stammt von Forschern der Princeton University und Georgia Tech. Ihre auf der KDD 2024 publizierte «Generative Engine Optimization»-Studie analysierte 10’000 Suchanfragen und zeigte: Gezielte Optimierung kann die KI-Sichtbarkeit um bis zu 40 Prozent steigern. Fünf Hebel haben sich als besonders wirkungsvoll erwiesen.

Strukturierte Daten und Schema Markup: Maschinenlesbarer Kontext hilft KI-Systemen, Inhalte präzise zu interpretieren. Experimente zeigen, dass Schema Markup die Antwortgenauigkeit von ChatGPT um 30 Prozent verbessert. Vergleichstabellen mit sauberem HTML erzielen 47 Prozent höhere Zitationsraten. Priorität haben FAQPage-, Organisation-, Product- und Article-Schema im JSON-LD-Format.

Autoritäre, zitierbare Inhalte: Die Princeton-Studie belegt, dass Quellenangaben in Inhalten die Sichtbarkeit um bis zu 115 Prozent erhöhen können – Zitate um 37 Prozent, Statistiken um 22 Prozent. Inhalte sollten direkte Antworten in den ersten 150 Wörtern liefern und in 40–60 Wörter langen Absätzen strukturiert sein. Seiten, die innerhalb der letzten 30 Tage aktualisiert wurden, erhalten 67 Prozent mehr KI-Zitationen.

Wikipedia- und Knowledge-Graph-Präsenz: 50 Prozent der von grossen Sprachmodellen zitierten Top-Marketing-Agenturen verfügen über einen Wikipedia-Eintrag. Wikidata-Einträge mit konsistenten Entitätsinformationen und mehrsprachige Wikipedia-Seiten stärken die Basis für KI-Markenerkennung überproportional.

Digitale PR und Marken-Erwähnungen auf hoch autoritären Quellen: Earned Media fliesst direkt in Trainingsdaten und Abruf-Systeme ein. Reddit, YouTube und Branchenpublikationen zählen bei allen grossen KI-Plattformen zu den am häufigsten zitierten Quellen. Nick Taylor von Edelman bezeichnete Earned Media als den wichtigsten Treiber für Marken-Sichtbarkeit in KI-generierten Antworten.

Technische Optimierung für KI-Crawler: Die robots.txt muss GPTBot, ClaudeBot und PerplexityBot explizit zulassen. Der neue llms.txt-Standard, bereits von Stripe, Cloudflare und über 600 weiteren Websites implementiert, bietet KI-Crawlern eine für die Maschine optimierte Zusammenfassung der Website. Serverseitiges Rendering ist Pflicht – KI-Crawler führen kein JavaScript aus.

Was CMOs im DACH-Raum jetzt tun sollten

Der erste Schritt ist ein Audit. Testen Sie 50 bis 100 Prompts, die typische Kundenanfragen in Ihrer Kategorie widerspiegeln – parallel auf ChatGPT, Claude, Gemini und Perplexity. Wichtig: Jede Abfrage mehrfach durchführen. Rand Fishkins Forschung mit 600 Probanden zeigte, dass nur 30 Prozent der Marken zwischen aufeinanderfolgenden KI-Antworten konsistent sichtbar bleiben. Testen Sie unbedingt auch auf Deutsch: «Erzähle mir alles, was du über die Marke [X] weisst» liefert andere Ergebnisse als die englische Variante.

Integrieren Sie KI-Sichtbarkeits-Metriken in Ihre bestehenden Dashboards. Relevante KPIs umfassen die Erwähnungsfrequenz, die Zitationsrate im Verhältnis zu Mitbewerbern, den Sentiment-Score und – entscheidend – die Conversion-Rate des KI-Referral-Traffics. Die Daten dazu sind überzeugend: KI-Suchtraffic konvertiert mit 14,2 Prozent, verglichen mit 2,8 Prozent bei herkömmlicher Google-Suche. Das ist das Fünffache.

Für das Monitoring stehen mittlerweile professionelle Tools zur Verfügung: Profound (155 Millionen Dollar Funding, über zehn Prozent der Fortune-500-Unternehmen als Kunden), Otterly.ai (mit dem Schweizer Partner AB3.ch für den DACH-Raum) und Semrush mit integriertem AI-Visibility-Tracking. Jellyfish bietet eine eigene Share-of-Model-Plattform an.

Budgetmässig gilt: KI-Sichtbarkeit ist eine zusätzliche Investition, keine Umverteilung des SEO-Budgets. Deloitte Deutschland stuft den kombinierten Ansatz aus SEO, AEO (Answer Engine Optimization) und GEO (Generative Engine Optimization) als «strategische Notwendigkeit» ein. Unternehmen mit hohem GEO-Reifegrad investieren nahezu doppelt so viel wie ihre Wettbewerber – und 97 Prozent der digitalen Führungskräfte berichten von positiven Impact.

Der DACH-Raum hat einen Vorsprung – noch

Der First-Mover-Vorteil im deutschsprachigen Raum ist real. Laut einer KfW-Analyse vom Februar 2026 nutzen lediglich 20 Prozent der DACH-KMU überhaupt KI – und praktisch keines fragt sich, ob es in KI-generierten Antworten auftaucht. Einige spezialisierte Agenturen positionieren sich bereits: Claneo (Berlin), eMinded (München), Dachcom und AB3.ch (Schweiz), die GEO Agentur Zürich. Doch das Feld ist noch weit offen.

Die Kernbotschaft für Marketing-Entscheider ist klar: Share of Model ist kein nächster Hype-KPI. Er erfasst, ob eine Marke in der KI-vermittelten Realität existiert, in der eine wachsende Mehrheit der Konsumenten ihre Entscheidungen trifft. Die INSEAD-Forschung zeigt, dass starke traditionelle Markenbekanntheit sich nicht automatisch in KI-Sichtbarkeit übersetzt. Und der KI-Referral-Traffic wächst jährlich um 700 Prozent bei fünffacher Conversion-Rate.

Wer jetzt in strukturierte Daten, autoritäre Inhalte, Knowledge-Graph-Präsenz, digitale PR und technische KI-Zugänglichkeit investiert, baut einen kumulativen Vorteil auf. Wer abwartet, riskiert, was ein aktuelles White Paper von Monks treffend formuliert: von den Maschinen aus dem Gespräch optimiert zu werden.


Über den Autor: Lucas Blochberger ist Founder & CEO bei Blck Alpaca in Wien, einer auf Data-Driven Marketing und KI-Automatisierung spezialisierten Agentur. Blck Alpaca entwickelt massgeschneiderte KI-Agents für Marketing-Automatisierung und unterstützt Unternehmen im DACH-Raum bei der Optimierung ihrer Prozesse – von Content-Erstellung über Lead-Generierung bis hin zu datengetriebener Kampagnensteuerung. Zu den Referenzen zählen Projekte mit IPEC Group, Heimwatt und Biopower. blckalpaca.at

Wie Peripheriegeräte zum Einfallstor für kritische Systeme werden

Eine umfassende Analyse des Nationalen Testinstituts für Cybersicherheit NTC zeigt: Peripheriegeräte am digitalen Arbeitsplatz stellen eine oft unterschätzte Angriffsfläche dar. Getestet wurden rund 30 in der Schweiz weit verbreitete Geräte etablierter Hersteller – mit alarmierenden Ergebnissen.

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Das NTC hat im Laufe eines Jahres rund 30 kabelgebundene und drahtlose Geräte einer umfassenden technischen Sicherheitsanalyse unterzogen. (Quelle: Nationales Testinstitut für Cybersicherheit NTC / © Stefanie Maurer)

Eine vertrauliche Videokonferenz bei einem Betreiber einer kritischen Infrastruktur ist gut gegen Hackerangriffe geschützt – Netzwerk, Server und Laptop sind auf dem neuesten Sicherheitsstand, die Verbindung ist Ende-zu-Ende verschlüsselt. Ein Angriff ist dennoch möglich: Mit einer Antenne auf dem nahegelegenen Parkplatz fängt ein Angreifer den unzureichend abgesicherten Funkverkehr des drahtlosen Tischmikrofons ab. Innerhalb weniger Sekunden kann er das vertrauliche Gespräch mithören. Dieses Szenario ist nicht fiktiv – es zeigt, wie bestehende Schutzmassnahmen über ein unsicheres Peripheriegerät umgangen werden können.

Das Nationale Testinstitut für Cybersicherheit NTC hat in einer umfassenden technischen Analyse rund 30 in der Schweiz weit verbreitete Tastaturen, Headsets, Webcams und Konferenzsysteme etablierter Hersteller untersucht – Geräte, wie sie auf jedem Schweizer Schreibtisch zu finden sind. Das Ergebnis: Das NTC identifizierte über 60 Schwachstellen, darunter 13 schwerwiegende und 3 kritische Befunde.

Kritische Schnittstelle für sensible Informationen

Peripheriegeräte bilden die kritische Schnittstelle, über die sensible Informationen fliessen. So werden über Tastaturen Passwörter eingegeben und über Mikrofone und Webcams vertrauliche Gespräche übertragen. Es zeigt sich eine gefährliche Asymmetrie: Die Kosten für professionelle Sicherheitsanalysen übersteigen den Anschaffungspreis solcher Geräte oft um ein Vielfaches.

«Peripheriegeräte werden in der Praxis oft als reines Zubehör betrachtet und entsprechend nicht systematisch geprüft sowie nicht konsequent in bestehende Sicherheitskonzepte integriert», sagt Tobias Castagna, Leiter Testexperten beim NTC.

Electronic device, Electronic component, Computer
Quelle: Nationales Testinstitut für Cybersicherheit NTC / © Stefanie Maurer

Systematische Sicherheitsanalyse deckt Risikomuster auf

Um das Sicherheitsniveau weit verbreiteter Peripheriegeräte in der Schweiz systematisch zu beurteilen, hat das NTC im Laufe eines Jahres rund 30 kabelgebundene und drahtlose Geräte einer umfassenden technischen Sicherheitsanalyse unterzogen. In die Auswahl flossen Produkte etablierter Hersteller ein, darunter Geräte von Logitech, Yealink, Jabra, HP, Eizo oder Cherry, die insbesondere auch in kritischen Infrastrukturen eingesetzt werden.

Die Analyse zeigt, dass moderne Peripheriegeräte bei sicherer Konfiguration und aktueller Firmware ein akzeptables Sicherheitsniveau erreichen können. Die Risiken steigen jedoch mit zunehmender Gerätekomplexität, etwa bei Konferenzsystemen oder sonstigen IoT-Geräten, sowie beim Einsatz veralteter Funktechnologien.

Die identifizierten Schwachstellen wurden den betroffenen Herstellern gemeldet und mehrheitlich rasch behoben. In einem Einzelfall reagierte ein Hersteller jedoch nicht: Bei einem drahtlosen Präsentationssystem übergab das NTC den Fall an das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS), das daraufhin eine öffentliche Warnung veröffentlichte.

Fünf Empfehlungen zur Risikominimierung

Der öffentliche Bericht verzichtet bewusst auf technische Details und produktbezogene Schwachstellen. Stattdessen werden übergreifende Risikomuster aufgezeigt, darunter unsichere Standardeinstellungen, Schwächen bei der Gerätekopplung, unzureichend abgesicherte Funkkommunikation sowie Defizite im Firmware- und Lifecycle-Management. Die Untersuchung verdeutlicht, dass Sicherheit bei Peripheriegeräten nicht allein eine Produkteigenschaft ist, sondern wesentlich von Konfiguration, Betrieb und klaren organisatorischen Vorgaben abhängt.

Basierend auf den Ergebnissen formuliert das NTC fünf allgemeine Empfehlungen zur Reduktion der Risiken beim Einsatz von Peripheriegeräten insbesondere für Betreiber kritischer Infrastrukturen und Organisationen mit erhöhten Sicherheitsanforderungen:

  • Standardisierung und sichere Beschaffung über vertrauenswürdige Kanäle,
  • Aufnahme von Peripheriegeräten in das IT-Lifecycle- und Asset-Management,
  • Netzwerksegmentierung für netzwerkfähige Geräte wie Konferenzsysteme,
  • Bevorzugung kabelgebundener Lösungen in Bereichen mit erhöhtem Schutzbedarf sowie
  • Sensibilisierung der Mitarbeitenden für physische und organisatorische Risiken.

Die Untersuchung erfolgte im Rahmen einer gemeinsamen Initiative des Nationalen Testinstituts für Cybersicherheit NTC mit Unterstützung von Behörden auf Bundes- und Kantonsebene sowie Organisationen aus dem Finanzsektor. Um die Unabhängigkeit der Resultate zu gewährleisten, waren die Hersteller der getesteten Geräte weder an der Auswahl noch an der Durchführung der Tests beteiligt und wurden erst im Rahmen der vertraulichen Meldung zur Behebung der Schwachstellen kontaktiert.

Weitere Informationen: www.ntc.swiss

Schweizer Führungsgremien im Wandel: Älter, internationaler und tech-affiner

Der schillingreport 2026 zeigt deutliche Verschiebungen in Schweizer Führungsgremien: Geschäftsleitungsmitglieder werden älter, der Anteil ausländischer Fachkräfte steigt und Verwaltungsräte setzen vermehrt auf Wirtschafts- und Technologiekompetenz. Gleichzeitig stagniert der Frauenanteil nach Erreichen der Geschlechterrichtwerte.

Formal wear, Meeting, White-collar worker
Die Schweizer Wirtschaft steht vor grossen Herausforderungen – das zeigt sich auch in der Zusammensetzung der Führungsgremien. (Quelle: Depositphotos.com)

Die Schweizer Wirtschaft steht vor weitreichenden Herausforderungen: Digitalisierung, technologische Disruption, Dekarbonisierung und demografische Verschiebungen erhöhen den Druck auf die Führungsstrukturen. In der 21. Ausgabe des schillingreport stellt sich die Frage, ob die Veränderungen in Verwaltungsrat und Geschäftsleitung der 100 grössten Arbeitgeber tragfähig genug sind, um diesen Herausforderungen langfristig zu begegnen.

Geschäftsleitungen werden älter

Das Alter der Geschäftsleitungsmitglieder stieg im Durchschnitt seit 2011 von 50 Jahren kontinuierlich auf aktuell 53 Jahre an, das der CEO von 52 Jahren auf 55 Jahre. Besonders auffällig: Auch die neu ernannten Geschäftsleitungsmitglieder sind deutlich älter. Waren sie 2006 beim Eintritt 46 Jahre alt, liegt ihr Eintrittsalter inzwischen bei 50 Jahren – obwohl die Verweildauer mit 6 Jahren unverändert blieb.

«Die Welt ist heute deutlich komplexer als noch vor 20 Jahren, die Kadenz externer Ereignisse nimmt zu. Diese anspruchsvollen Herausforderungen verlangen nach bewährter Führungs- und auch Lebenserfahrung», folgert Guido Schilling, Herausgeber des schillingreport.

Ein vertiefter Blick in die Daten zeigt deutliche Verschiebungen in der Altersstruktur: Der Anteil der Geschäftsleitungsmitglieder, die 50 Jahre oder älter sind, stieg von 49 Prozent in 2006 auf aktuell 72 Prozent. Die über 60-Jährigen entwickelten sich von 5 auf 9 Prozent. Die grösste Gruppe bilden mit 35 Prozent die 55- bis 60-Jährigen, während 2006 die 45- bis 49-Jährigen mit 28 Prozent dominierten. Letztere stellen derzeit nur noch 19 Prozent. Auffällig: 2006 waren 23 Prozent der Geschäftsleitungsmitglieder jünger als 45 Jahre, zurzeit sind es lediglich 9 Prozent.

«Ältere Geschäftsleitungsmitglieder bringen wichtige Erfahrungen ein, doch fehlende Generationenvielfalt kann strategische Blind Spots erzeugen. Für die nächsten zehn Jahre müssen die Nomination Committees die Nachfolgeplanung der Geschäftsleitung aktiv und vorausschauend angehen, um Talente rechtzeitig einzubinden und ihnen Perspektiven im Unternehmen aufzuzeigen», so Schilling.

Kompetenz vor Nationalität

Der Anteil der Geschäftsleitungsmitglieder ohne Schweizer Pass beträgt 48 Prozent – der zweithöchste Stand seit Erhebungsbeginn in 2006. Wichtig: 71 Prozent der ausländischen Geschäftsleitungsmitglieder sind sogenannte «Inländer:innen». Als solche gelten Personen ohne Schweizer Pass, die aber bereits berufliche Erfahrung in Schweizer Unternehmen gesammelt haben vor der Beförderung ins oberste Führungsgremium.

Die 20 global tätigen SMI-Unternehmen haben einen Anteil ausländischer Geschäftsleitungsmitglieder von 74 Prozent – auch hier machen die «Inländer:innen» mit 75 Prozent den Grossteil aus. «Schweizer Unternehmen rekrutieren traditionell einen Teil ihrer Fachkräfte im Ausland und verstehen es, diese gezielt zu entwickeln und langfristig an die Schweizer Wirtschaft zu binden. Das stärkt Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit», folgert Schilling. «Gleichzeitig bereitet mir Sorge, dass die zunehmende Regulierung den Zugang zu globalen Fachkräften so stark einschränkt, dass dies mittelfristig zum Nachteil für die Schweizer Wirtschaft werden könnte.»

Ohne die 20 SMI-Unternehmen beträgt der Anteil der Geschäftsleitungsmitglieder ohne Schweizer Pass 42 Prozent. Rund ein Fünftel der Unternehmen (19 Prozent) hat eine rein schweizerische Geschäftsleitung, 15 Prozent haben keine Schweizer:innen in der Geschäftsleitung.

Stagnation nach Erreichen der Geschlechterrichtwerte

Aktuell stagniert der Frauenanteil in allen Samples. Im Verwaltungsrat stieg dieser nur geringfügig: im Gesamtsample von 33 auf 34 Prozent und im SMI von 35 auf 36 Prozent. Mit Ablauf der Übergangsfrist zur Erreichung des Geschlechterrichtwerts im Verwaltungsrat per 1. Januar 2026 rückt die Verantwortung der Unternehmen in den Fokus. Zwar erreichen 71 Prozent der Unternehmen den Richtwert von 30 Prozent Frauen im Verwaltungsrat, doch knapp ein Drittel (29 Prozent) verfehlt ihn weiterhin, 4 Prozent haben keine Frau im Verwaltungsrat.

«16 börsenkotierte Unternehmen aus unserem Sample erreichen derzeit den Richtwert im Verwaltungsrat nicht. Diese sind besonders gefordert, da sie ab dem Vergütungsbericht 2026 die Gründe für das Nichterreichen des Richtwerts angeben und Massnahmen zur Förderung des untervertretenen Geschlechts darlegen müssen», so Schilling.

In der Geschäftsleitung stagniert der Frauenanteil bei 22 Prozent. Der Frauenanteil unter den neu ernannten Geschäftsleitungsmitgliedern liegt bei 21 Prozent, dem Tiefstwert seit 2020. Die Anzahl ausgetretener Frauen ist mit 28 auf dem zweithöchsten Stand seit Beginn der Erhebung. Auch in den 20 SMI-Unternehmen zeigt sich diese abflachende Entwicklung: Der Anteil weiblicher Geschäftsleitungsmitglieder sank von 28 Prozent in 2025 auf aktuell 27 Prozent. 25 Prozent der Vakanzen im SMI wurden mit Frauen besetzt.

Ein Blick auf die Umfrageergebnisse von 2025 zur Gender-Diversity-Pipeline zeigt: Zwischen 2016 und 2025 stieg der Frauenanteil im Middle Management von 22 auf 28 Prozent und im Topmanagement von 14 auf 21 Prozent. Besonders stark wuchs währenddessen der Frauenanteil in der Geschäftsleitung von 6 auf 22 Prozent. «Der Fokus der Unternehmen lag in den vergangenen Jahren auf der Erfüllung des Richtwerts und ging zulasten eines nachhaltigen Aufbaus weiblicher Führungskräfte über alle Stufen hinweg», so Schilling. «Ist sich die Schweizer Wirtschaft des langfristigen Mehrwerts geschlechterdurchmischter Führungsteams auf allen Stufen wirklich bewusst – oder wird Gender Diversity noch immer primär als regulatorische Pflicht statt als strategischer Erfolgsfaktor verstanden?»

Auch im öffentlichen Sektor flacht die Entwicklung des Frauenanteils im Topkader ab und stagniert bei 27 Prozent. Lange galt der Public Sector als Vorreiter in Sachen Gender Diversity, mittlerweile hat die Privatwirtschaft auf 22 Prozent aufgeholt. Beim Bund hat sich der Frauenanteil im Topkader bei 38 Prozent eingependelt.

Wandel der Profile im Verwaltungsrat

Nach der Wirtschaftskrise 2008 lag der Fokus des Verwaltungsrats auf Governance, Regulierung und Risikokontrolle – Jurist:innen spielten eine zentrale Rolle. Heute stehen Unternehmen vor anderen Herausforderungen. «Globale Märkte, technologische Disruption, Digitalisierung und der Einsatz von künstlicher Intelligenz erfordern ein vertieftes Verständnis von Geschäftsmodellen, Märkten und Technologien. Geopolitische Unsicherheiten und fragmentierte Märkte erhöhen den Druck auf international ausgerichtete Unternehmen zusätzlich. Persönlichkeiten mit einem Wirtschafts- sowie MINT-Profil rücken mit ihrem Zugang zu diesen Fragestellungen in den Fokus», so Schilling.

Dies spiegelt sich auch in der Verwaltungsratsarbeit: 12 Unternehmen haben bereits ein dediziertes Digitalisierungs- oder Technologiekomitee, deren Vorsitz mehrheitlich einen MINT-Hintergrund hat.

Besonders das Anforderungsprofil von Verwaltungsratspräsidien entwickelt sich substanziell weg von primär rechtlicher Kontrolle hin zu strategischer Markt- und Technologiekompetenz. Noch 2006 verfügten 27 Prozent der Verwaltungsratspräsident:innen über einen juristischen, 33 Prozent über einen wirtschaftswissenschaftlichen und 22 Prozent über einen MINT-Abschluss. Heute zeigt sich ein anderes Bild: Der Anteil der Jurist:innen ging auf 17 Prozent zurück, während 42 Prozent einen wirtschaftswissenschaftlichen und 34 Prozent einen MINT-Hintergrund aufweisen.

Der vollständige Report kann ab Mai 2026 online unter www.schillingreport.ch/de in den Sprachen Deutsch, Französisch und Englisch bezogen werden.

Weitere Informationen: www.guidoschilling.ch

Humanoide Roboter: Teslas Wette auf die nächste industrielle Revolution

Der Markt für humanoide Roboter könnte bis 2035 auf bis zu 200 Milliarden US-Dollar wachsen. Tesla positioniert sich mit dem Roboter Optimus als Vorreiter in dieser neuen Industrie. Doch auch Konkurrenten aus den USA und China investieren massiv in die Technologie.

Werden solche humanoide Roboter bald zu Investitions-Boostern? (Bild: Joe Planas / Unsplash.com)

Vom Automobilhersteller zum Robotik-Konzern? Was bei Tesla lange wie eine Vision von CEO Elon Musk klang, nimmt inzwischen konkrete Formen an. Humanoide Roboter – Maschinen mit menschenähnlicher Gestalt, Sensorik und Autonomie – entwickeln sich vom Forschungsprojekt zur potenziell milliardenschweren Industrie. Für Anleger:innen stellt sich die Frage: Steht hier die nächste grosse Plattform vor dem Durchbruch?

Ein Markt mit enormem Hebel

Der globale Markt für humanoide Roboter steckt noch in den Anfängen, doch die Wachstumserwartungen sind aussergewöhnlich. Analysten von Goldman Sachs schätzen, dass der Markt bis 2035 ein Volumen von 150 bis 200 Milliarden US-Dollar erreichen könnte, bei jährlichen Wachstumsraten von über 40 Prozent. Bis 2030 könnten weltweit über eine Million humanoide Roboter im Einsatz sein – zunächst in Industrie, Logistik und Pflege, später auch im Dienstleistungssektor.

Zum Vergleich: Der heutige Markt für Industrieroboter umfasst rund 16 Milliarden US-Dollar jährlich. Humanoide Roboter würden diese Kategorie strukturell erweitern. Nicht ersetzen, sondern ergänzen.

Audun Wickstrand-Iversen, Portfoliomanager beim DNB Fund Disruptive Opportunities (Quelle: DNB Asset Management)

Tesla Optimus: Der ambitionierteste Ansatz

Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht Tesla. Mit dem humanoiden Roboter Optimus verfolgt der Konzern einen radikal anderen Ansatz als klassische Robotik-Hersteller. Während Wettbewerber auf spezialisierte Aufgaben setzen, will Tesla eine universell einsetzbare Arbeitskraft entwickeln.

Optimus ist rund 1,73 Meter gross, wiegt etwa 70 Kilogramm, kann laut Tesla bis zu 20 Kilogramm tragen und wird von denselben KI-Systemen gesteuert wie Teslas Fahrzeuge. Herzstück ist das selbst entwickelte Full-Self-Driving (FSD) KI-System, ergänzt um neuronale Netze für Greifen, Gehen und Objekterkennung.

Elon Musk beziffert die langfristigen Produktionskosten pro Einheit auf unter 20 000 US-Dollar – ein Wert, der bei Erreichen industrieller Skalierung disruptive Wirkung hätte. Zum Vergleich: Humanoide Prototypen kosten heute oft noch über 100 000 US-Dollar.

Der strategische Vorteil: Daten, Software, Skalierung

Teslas entscheidender Vorteil liegt weniger in der Mechanik als in der Software- und Datenbasis. Kein anderer Anbieter verfügt über vergleichbare Erfahrung mit Echtzeit-Sensorfusion, visueller KI in komplexen Umgebungen und Serienproduktion in Millionenstückzahlen.

Musk argumentiert, dass Optimus langfristig wertvoller als das Autogeschäft werden könnte. Bei weltweit mehreren hundert Millionen Arbeitsplätzen in einfachen, repetitiven Tätigkeiten ist der adressierbare Markt enorm. Für Investoren ist entscheidend: Selbst eine geringe Marktdurchdringung hätte massive Auswirkungen auf Teslas Bewertung.

Starke Konkurrenz aus den USA und China

Tesla ist jedoch nicht allein. In den USA treibt Boston Dynamics (Hyundai Group als Anteilseigner) die Entwicklung mit seinem humanoiden Atlas voran, der heute in Hyundai-Fabriken autonom neben Menschen arbeitet. Figure AI, unterstützt von Microsoft, OpenAI und Nvidia, hat im Jahr 2025 eine Bewertung von rund 40 Milliarden US-Dollar erreicht und testet bereits humanoide Roboter in Fabriken wie UPS und BMW.

In China investieren Konzerne wie Xiaomi, Unitree Robotics und staatlich geförderte Forschungseinrichtungen massiv in humanoide Systeme. China sieht Robotik als strategische Schlüsselindustrie, insbesondere vor dem Hintergrund des demografischen Wandels.

Die stillen Profiteure: Chips, Aktuatoren, KI

Wie bei früheren Technologiezyklen entstehen attraktive Chancen jenseits der Endprodukte. Nvidia liefert mit seinen KI-Beschleunigern die Rechenleistung für Training und Simulation humanoider Bewegungen. Qualcomm arbeitet an energieeffizienten Edge-Chips für autonome Robotik. Hersteller von Elektromotoren, Aktuatoren und Sensorik – etwa Harmonic Drive, Nabtesco oder Bosch – profitieren vom steigenden Bedarf an Präzision und Zuverlässigkeit.

Trotz aller Euphorie bleibt Vorsicht geboten. Humanoide Roboter sind technisch extrem komplex. Autonomie, Sicherheit, Energieeffizienz und regulatorische Fragen sind ungelöst. Kurzfristig werden humanoide Roboter keine menschlichen Arbeitskräfte ersetzen, sondern zunächst unterstützen – etwa in Fabriken, Lagern oder Pflegeeinrichtungen.

Für Tesla bedeutet das: Optimus wird im kommenden Jahr keine signifikanten Umsätze generieren. Die Bewertung basiert weiterhin primär auf dem Automobilgeschäft. Doch langfristig eröffnet sich eine asymmetrische Option: Wenn das Projekt scheitert, wird der Schaden begrenzt sein; wenn der Durchbruch gelingt, könnte Tesla eine völlig neue Branche dominieren, die die grösste Branche sein könnte, die jemals geschaffen wurde.

Ausblick: Die nächste grosse Plattform?

Humanoide Roboter könnten das werden, was das Smartphone für die digitale Welt war: ein universelles Interface zwischen Mensch und Technologie. Für Anleger:innen ist entscheidend, zwischen Vision und Umsetzungsfähigkeit zu unterscheiden. Tesla bringt beides mit, aber auch erhebliche Risiken.

Fest steht: Der Wettlauf um humanoide Roboter hat begonnen. Und wie so oft gilt bei Technologien: Wer die Plattform kontrolliert, kontrolliert den Markt.

Quelle und weitere Informationen: DNB Asset Management

Tourismusregion Zürich knackt 7,5-Millionen-Marke

Die Tourismusregion Zürich verzeichnete im Jahr 2025 insgesamt 7,56 Millionen Logiernächte und wächst damit um 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders dynamisch entwickelte sich der Schweizer Markt mit einem Plus von 4,8 Prozent. Der ausgewogene Gästemix mit starkem Heimmarkt sorgt für Stabilität in wirtschaftlich unsicheren Zeiten.

Winterliche Ansicht der Zürcher Altstadt
Die Tourismusregion Zürich erreicht einen neuen Höchstwert bei den Logiernächten. Quelle: zvg

Die Tourismusregion Zürich verzeichnete im Jahr 2025 insgesamt 7’556’846 Logiernächte. Damit wächst die Zahl der Logiernächte gegenüber dem Vorjahr um 3,5 Prozent und erreicht einen neuen Höchstwert. Die Zahlen bestätigen den seit 2022 verfolgten strategischen Kurs mit Fokus auf einen ausgewogenen Gästemix mit starkem Heimmarkt sowie auf die klare Positionierung Zürichs als Premium-Destination mit hoher Lebensqualität.

Die Tourismusregion, die von Baden und Winterthur über die Stadt Zürich und die Flughafenregion bis nach Rapperswil und in den Kanton Zug reicht, setzt damit den positiven Trend der vergangenen Jahre fort.

Starker Heimmarkt und stabile internationale Nachfrage

Das Wachstum verteilt sich ausgewogen über die wichtigsten Herkunftsmärkte. Besonders dynamisch entwickelte sich der Schweizer Markt: Die Logiernächte inländischer Gäste stiegen um 4,8 Prozent. Mit einem Anteil von 38,7 Prozent stellen Gäste aus der Schweiz weiterhin die grösste Gästegruppe.

Auch die europäischen Kernmärkte kehrten auf Wachstumskurs zurück. Deutschland legte um 3,6 Prozent zu, Grossbritannien um 8,2 Prozent und Italien um 6,4 Prozent. Damit konnten die Rückgänge des Vorjahres deutlich ausgeglichen werden.

Der positive Trend aus den USA und Kanada setzt sich fort: Mit einem Wachstum von 4,5 Prozent und einem Marktanteil von 13,5 Prozent bleiben Gäste aus Nordamerika die zweitgrösste Besuchergruppe. Rückläufig entwickelten sich hingegen die Überseemärkte Indien mit einem Rückgang um 2,8 Prozent, Südostasien mit einem Rückgang um 8,8 Prozent sowie die Golfstaaten mit einem Rückgang um 6,2 Prozent.

Ausgewogener Gästemix stärkt Resilienz und Stabilität

Rund 39 Prozent der Gäste stammen aus der Schweiz, je knapp ein Drittel aus europäischen Nahmärkten und aus Fernmärkten. Diese breite Verteilung macht die Destination besonders resilient, da Nachfrageschwankungen in einzelnen Märkten besser ausgeglichen werden können. «Der ausgewogene Gästemix mit starkem Heimmarkt ist für Zürich ein Erfolgsfaktor», sagt Thomas Wüthrich, Direktor von Zürich Tourismus, «denn gerade in wirtschaftlich und geopolitisch unsicheren Zeiten sorgt er für Stabilität.»

Freizeit wächst, MICE bleibt strategischer Fokus

Im langjährigen Vergleich zeigt sich, dass die Logiernächte in Zürich insbesondere im Freizeittourismus gewachsen sind. Geschäftsreisen sowie Kongress- und Tagungsbesuche (MICE) entwickelten sich auf stabilem Niveau. Für Zürich Tourismus bleibt das Kongress- und Tagungsgeschäft weiterhin ein strategischer Schwerpunkt. «Der Business-Gast erzielt eine höhere Wertschöpfung, stärkt dank internationaler Vernetzung die Sichtbarkeit Zürichs und positioniert die Stadt als Wissens- und Wirtschaftsstandort», betont Wüthrich. «Um dieses Segment weiterzuentwickeln, braucht es eine wettbewerbsfähige Infrastruktur, starke Partnerschaften und eine klare internationale Positionierung.»

Wachstum mit Wirkung: Fokus auf Aufenthaltsdauer, Saisonalität und Lebensqualität

Die positive Entwicklung unterstreicht die anhaltende Nachfrage nach der Region. Für Zürich Tourismus steht jedoch nicht reines Mengenwachstum im Vordergrund, sondern eine ausgewogene und langfristig tragfähige Entwicklung. Ziel ist es, die Aufenthaltsdauer zu erhöhen, saisonale Schwankungen zu glätten, die Wertschöpfung pro Gast zu steigern und die Balance zwischen touristischer Entwicklung und Lebensqualität zu sichern.

Für die Zukunft setzt Zürich Tourismus deshalb verstärkt auf Aufenthaltsqualität und gesellschaftliche Anschlussfähigkeit. Die Region soll gezielt als lebenswerte Premium-Destination weiterentwickelt werden, in der Besucher:innen länger verweilen, vielfältige kulturelle und naturnahe Angebote nutzen und Zürich als authentischen Ort mit hoher Lebensqualität wahrnehmen.

Dabei steht auch die Perspektive der lokalen Bevölkerung im Fokus: Touristische Angebote sollen so gestaltet werden, dass sie Einheimischen ebenso zugutekommen wie Gästen. Eine attraktive Kultur-, Freizeit- und Veranstaltungslandschaft, nachhaltige Stadtentwicklung sowie positive wirtschaftliche Impulse tragen dazu bei, dass Tourismus als Teil einer lebendigen Visitor Economy wahrgenommen wird. «Nur was gut ist für die Bevölkerung, ist auch gut für die Gäste», ist Thomas Wüthrich überzeugt. «Langfristige Attraktivität entsteht dort, wo Tourismus die Lebensqualität stärkt.»

US-Zollurteil: Schweiz und aufstrebende Märkte profitieren von neuer Unsicherheit

Der Oberste Gerichtshof der USA hat zentrale Zölle gekippt, doch das Zollsystem bleibt bestehen. Die Schweiz könnte neben Brasilien, China und anderen Ländern von einem Zeitfenster im neuen Zollregime profitieren. Für Unternehmen bedeutet das Urteil jedoch weitere Unsicherheit und eine neue Runde von Hamsterkäufen.

Vom US-Zollurteil könnte auch die Schweiz profitieren. (Bild: Depositphotos.com)

Der Oberste Gerichtshof der USA hat einen Teil der US-Zölle für verfassungswidrig erklärt – jedoch nicht das neue Zollsystem insgesamt. In einer 6-zu-3-Entscheidung urteilte das Gericht am 20. Februar, dass der International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) keine Rechtsgrundlage für die am «Liberation Day» angekündigten Reziprozitätszölle bietet. Die auf Eis gelegten Zölle entsprechen rund 60 Prozent der US-Zolleinnahmen seit April 2025. Das Urteil invalidiert Zölle im Wert von rund 60 Milliarden US-Dollar sowie die Fentanyl-Notfallzölle auf China, Mexiko und Kanada in Höhe von weiteren 40 Milliarden Dollar.

Halbierung des Zollsatzes – aber nur vorübergehend

Durch das Gerichtsurteil halbiert sich der effektive US-Zollsatz auf etwa fünf Prozent. Allerdings bleiben bedeutende Teile des Zollregimes bestehen: Section 301 des Handelsgesetzes mit 25-prozentigen Zöllen auf Industriemaschinen, elektrische Geräte und weitere Produkte aus China sowie Section 232 auf Stahl und Aluminium. Präsident Trump bekräftigte bereits seine Pläne für einen universellen Mindestzollsatz von zehn Prozent. Als Ersatzinstrument dient voraussichtlich Section 122 des Handelsgesetzes von 1974, der Zölle von bis zu 15 Prozent für 150 Tage erlaubt.

Die Atempause dürfte nur von kurzer Dauer sein. «Das Zollurteil verschafft einigen Ländern zwar mehr Luft, voraussichtlich auch über einen etwas längeren Zeitraum», sagt Ana Boata, Head of Economic Research bei Allianz Trade. «Aber die USA haben schon neue Zölle an den Start gebracht, bei denen Abschnitt 122 des Handelsgesetzes die für ungültig erklärten Zölle ersetzt.»

Gewinner und Verlierer der Neuordnung

Die grössten Zollentlastungen durch das Urteil verzeichnen aktuell Bangladesch (minus 20 Prozentpunkte) und Pakistan (minus 19 Prozentpunkte) sowie grosse aufstrebende Exporteure wie Indonesien (minus 18 Prozentpunkte), Brasilien (minus 17 Prozentpunkte), China (minus 15 Prozentpunkte) und Vietnam (minus 15 Prozentpunkte). Auch Südafrika (minus 15 Prozentpunkte), die Türkei und Indien (jeweils minus 12 Prozentpunkte) profitieren von niedrigeren Zöllen.

Unter einem Section-122-Regime mit Branchenausnahmen würden insbesondere Brasilien, Bangladesch, Indien, China, Pakistan, die Schweiz, Südafrika, Vietnam und Indonesien begünstigt. Exporteure aus diesen Märkten könnten von einer Senkung des durchschnittlichen US-Zollsatzes um mindestens zehn Prozentpunkte gegenüber dem bisherigen Niveau profitieren. Im Gegensatz dazu könnten Saudi-Arabien, Mexiko und Ecuador sowie Taiwan, Norwegen, Südkorea oder die Europäische Union höhere Zölle drohen, falls keine sektoralen Ausnahmen gewährt werden.

Nach dem US-Zollurteil: So sehen die Entwicklung und Szenarien für die Zollsätze der USA aus. (Grafik: Allianz Trade)

Unsicherheit für Schweizer Unternehmen

«Für die Schweiz kommt das Urteil zur Unzeit», sagt Jan Möllmann, CEO von Allianz Trade in der Schweiz. «Das angestrebte Handelsabkommen sollte endlich mehr Planbarkeit für hiesige Unternehmen schaffen. Diese hängen dank der Stop-and-Go-Politik nun weiter in der Luft.» Bei einem neuen Zollsystem seien gerade für die Schweiz Ausnahmen für bestimmte Branchen, wie beispielsweise Pharma, entscheidend.

Das Zeitfenster in Section 122 ist per Definition befristet: Nach 150 Tagen ist die Zustimmung des Kongresses erforderlich. Das dürfte zu einer Vorverlegung von Lieferungen aus begünstigten Märkten führen, bevor es zu weiteren Zollanhebungen gemäss anderen Abschnitten kommt.

Neue Runde der Lagerhaltung in den USA

Das Zoll-Chaos führt in den USA zu einer erneuten Welle von Hamsterkäufen. «Schon 2025 waren die Lager voll und Vorzieheffekte vor neuen Zollstufen die neue Normalität», erklärt Boata. «Insbesondere Hersteller von Autos und Haushaltsgeräten haben ihre Lager gefüllt, aber auch der Einzelhandel und die Chemieindustrie haben mit mehr Waren bei längeren Beschaffungszyklen vorgesorgt.»

Die Working Capital Requirements (WCR) in den USA stiegen im dritten Quartal 2025 um mehr als 35 Tage auf über 60 Tage. Besonders betroffen waren Automobilhersteller und Produzenten von Haushaltsgeräten – die beiden Sektoren mit der höchsten Exposition gegenüber Zollerhöhungen. Ein erneuter vorsorglicher Lagerzyklus dürfte die US-WCR auf ihren Höchstständen von 2025 halten.

Fiskalische und inflationäre Auswirkungen

Die höheren Zollkosten wurden bislang (bis Dezember 2025) nur zur Hälfte an die Verbraucher weitergegeben. Die grössten Auswirkungen werden voraussichtlich erst deutlich zeitversetzt ab dem ersten Quartal 2027 erwartet, mit einem zusätzlichen Inflationsbeitrag von einem Prozentpunkt bei einem durchschnittlichen Zollsatz von zehn Prozent.

Seit dem «Liberation Day» sind die US-Zolleinnahmen auf 240 Milliarden Dollar gestiegen – 180 Milliarden Dollar mehr als im Vorjahreszeitraum. IEEPA-verknüpfte Massnahmen machten dabei fast 60 Prozent der zusätzlichen Zolleinnahmen aus. Sollten die Zölle als rückwirkend rechtswidrig eingestuft werden, könnten Rückerstattungsverbindlichkeiten 120 Milliarden Dollar (0,5 Prozent des BIP) erreichen und das Haushaltsdefizit auf 7,5 Prozent des BIP ausweiten.

Märkte reagieren verhalten

Die Reaktionen an den Finanzmärkten fielen gemessen aus. Der S&P 500 legte um 0,7 Prozent zu, in Europa stiegen die Märkte um etwa 0,9 Prozent. Analysten erwarten, dass die kurzfristigen Aufwärtseffekte durch Unsicherheit gedämpft werden könnten. Ein Wachstumsimpuls von 0,5 Prozent könnte die Unternehmensgewinne um etwa ein Prozent steigern – bescheiden im Vergleich zu den für 2026 erwarteten 16 Prozent Gewinnwachstum beim S&P 500.

«Es wird in den kommenden Wochen und Monaten weiterhin ein Hin und Her bleiben», prognostiziert Boata. «Wir erwarten im Endeffekt einen durchschnittlichen Zollsatz von zehn Prozent gemäss Section 122 mit sektoralen Ausnahmen. Insgesamt dürfte sich also trotz der gekippten Zölle mittelfristig nur wenig ändern. Allerdings kann es für einige Länder und Branchen durchaus Ausschläge geben, wenn die Karten jetzt nochmals neu gemischt werden.»

Weitere Informationen: www.allianz-trade.ch

MEM-KMU kämpfen weiter gegen Gegenwind

Der Swissmechanic KMU-MEM-Geschäftsklimaindex zeigt zu Jahresbeginn 2026 weiterhin eine angespannte Lage in der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie. Mit rund –30 Punkten verharrt der Index klar im negativen Bereich. Drei Viertel der Unternehmen beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage als ungünstig.

Auslastung der Produktionskapazitäten (Quelle: BAK Economics, Swissmechanic Quartalsbefragung)

Das Geschäftsklima der Schweizer Industrie zeigt sich zum Jahresbeginn 2026 unverändert pessimistisch. Rund 40 Prozent der Betriebe verzeichneten im vierten Quartal 2025 rückläufige Auftragseingänge und Umsätze im Vergleich zum Vorjahr. Bei 46 Prozent gingen die EBIT-Margen zurück. Zwar berichten einzelne Unternehmen von einer leichten Stabilisierung, doch die Gesamtauslastung liegt weiterhin unter dem langjährigen Durchschnitt. Nur noch 18 Prozent der Betriebe verfügen über einen Auftragsbestand von mehr als zwölf Wochen.

Auftragslage bleibt grösste Sorge

Die Auftragslage bleibt mit 63 Prozent die grösste Sorge der Unternehmen. Wechselkursschwankungen (37 Prozent) und der Fachkräftemangel (26 Prozent) belasten zusätzlich. 17 Prozent der Unternehmen setzen derzeit Kurzarbeit ein – ein Wert, der dem Durchschnitt der vergangenen Quartale entspricht. Die kurzfristige Auftragslage bleibt bei den meisten Unternehmen gesichert: Sieben von zehn Firmen verfügen über eine mindestens vier Wochen abgesicherte Produktion.

Swissmechanic-Geschäftsklimaindex
Swissmechanic-Geschäftsklimaindex für die KMU-MEM-Betriebe (Quelle: BAK Economics, Swissmechanic Quartalsbefragung)

US-Zölle bringen nur begrenzte Entlastung

Auch die Senkung der US-Zölle von 39 auf 15 Prozent bringt nur begrenzte Entlastung. Für die Mehrheit der Unternehmen bedeutet dies keine Trendwende, sondern lediglich eine moderate Verbesserung der Geschäftsaussichten. Strategische Anpassungen konzentrieren sich weiterhin auf Prozess- und Kostenoptimierungen, während Produktionsverlagerungen nur selten geplant sind.

Investitionen unter Druck

Finanzielle Restriktionen verhindern bei 26 Prozent der Unternehmen Investitionen – ein leichter Anstieg gegenüber dem Herbst 2025. Hauptgrund sind fehlende Eigenmittel. Gleichzeitig planen zwei Drittel der Betriebe, ihre Produktionskapazitäten konstant zu halten. Die Mehrheit der Unternehmen hielt zudem den Personalbestand konstant, wobei knapp jedes dritte Personal abbauen musste.

Makroökonomisches Umfeld bleibt anspruchsvoll

Die globale Konjunktur verliert 2026 leicht an Dynamik. Für 2026 erwartet BAK beim sportbereinigten Schweizer Bruttoinlandprodukt einen Zuwachs von 0,9 Prozent. Die Entwicklung in der EU bewegt sich auf einem etwas höheren Niveau mit einem Wachstum von 1,2 Prozent. Die US-Volkswirtschaft legt stärker zu mit einem prognostizierten Wachstum von 2,8 Prozent. Der Schweizer Franken bleibt 2026 ebenfalls stark, um 0,93 CHF/Euro beziehungsweise rund 0,80 CHF/USD.

Swissmechanic-Präsident Nicola Tettamanti sagt: «Unsere KMU zeigen grosse Ausdauer. Doch eine Stabilisierung auf tiefem Niveau ist noch keine Erholung. Es braucht verlässliche Rahmenbedingungen und politische Stabilität, die Investitionen ermöglichen und Planungssicherheit schaffen.» Swissmechanic-Direktor Erich Sannemann ergänzt: «Die Unternehmen reagieren pragmatisch: Sie optimieren Prozesse, sichern ihre Liquidität und halten ihre Belegschaften so weit wie möglich stabil. Diese Widerstandskraft ist beeindruckend – sie darf aber nicht als Selbstverständlichkeit betrachtet werden.»

Weitere Informationen: www.swissmechanic.ch

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